Bilanz der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren

Immobilienboom kurbelt das Kreditgeschäft bei der Sparkasse Kaufbeuren an

Die Gesamtmarge der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren sank 2021 auf ein historisch niedriges Niveau. Aber es gibt auch gute Zahlen.

Die Gesamtmarge der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren sank 2021 auf ein historisch niedriges Niveau. Aber es gibt auch gute Zahlen.

Bild: Mathias Wild

Die Gesamtmarge der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren sank 2021 auf ein historisch niedriges Niveau. Aber es gibt auch gute Zahlen.

Bild: Mathias Wild

Die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren bietet eine Bilanz der Rekorde: Spitzenwerte bei den Ausleihungen und eine historisch niedrige Ertragsspanne.
17.03.2022 | Stand: 12:15 Uhr

Der Finanzmarkt ist aufgewühlt, Banken stehen unter massivem Druck, die Extreme nehmen zu. Auch bei der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren, die bei der Vorlage der Bilanzzahlen Rekorde nach unten und oben vermeldet. Die Ertragsspanne sank 2021 auf ein „historisch niedriges Niveau“. Dem steht die Entwicklung im Kundengeschäft gegenüber. Zum ersten Mal hat die Bilanzsumme die Marke von 1,8 Milliarden Euro geknackt – eine Zunahme von neun Prozent. Die gleiche Steigerung bei den Kundenkrediten, die um 96 Millionen Euro auf 1,1 Milliarden Euro wuchsen. Der Grund sind Finanzierungen auf dem boomenden Immobilienmarkt mit einem „bisher nicht erreichten Niveau“, sagte Vorstandsvorsitzender Tobias Streifinger, der sich mit der Gesamtbilanz zufrieden zeigt. Das Jahresergebnis werde sich im Bereich der Zeit vor der Pandemie bewegen.

Vorstandsvorsitzender Tobias Streifinger sieht die Sparkasse Kaufbeuren trotz schwieriger Rahmenbedingungen gut gerüstet.
Vorstandsvorsitzender Tobias Streifinger sieht die Sparkasse Kaufbeuren trotz schwieriger Rahmenbedingungen gut gerüstet.
Bild: Mathias Wild (Archivbild)

Zwei Corona-Wellen, die anhaltende Niedrigzinsphase und Gerichtsentscheidungen zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen prägten das Geschäftsjahr. „Die Ertragslage ist bei fast allen Banken wegen der Rahmenbedingungen unter Druck“, sagte Verwaltungsratsvorsitzender Stefan Bosse bei der Präsentation der Zahlen. Der Kaufbeurer Oberbürgermeister hatte jüngst in einer Stadtratsdebatte gesagt, dass Fusionen in der Sparkassenlandschaft Optionen seien, die nicht kategorisch auszuschließen seien. In der Folge gab es deshalb Spekulationen. „Eine Fusion ist derzeit nicht konkret“, stellte Bosse nun noch einmal mit Blick auf die Sparkasse Kaufbeuren klar, die der Stadt und dem Landkreis Ostallgäu gehört.

Der Vorstand unterfütterte diese Sichtweise mit Zahlen. Die Sparkasse habe sich als Marktführer im Privatkundenmarkt behauptet, sagte Vertriebsvorstand Angelo Picierro. Entscheidend sei die sogenannte Marktdurchdringung, die bei 43 Prozent liege. Der Gesamtbestand an Girokonten sei um 1000 gesteigert worden. Das extrem niedrige Zinsniveau und die Inflation sorgten für eine schleichende Enteignung der Sparer. Picierro rät deshalb zu Wertpapierfonds. In diesem Segment verbucht die Sparkasse abermals deutliche Zuwächse.

Digital und persönlich - beides soll zum Geschäftskonzept gehören

Mit ihren digitalen Angeboten sieht sich die Sparkasse auf einem guten Weg. „Corona hat den Trend zur Digitalisierung beschleunigt“, sagte Streifinger. „Persönliche Beziehungen und Kontakte werden wertgeschätzt und lassen sich durch nichts ersetzen.“ Das sei kein Widerspruch, sondern „unser Geschäftsmodell der Zukunft“. 68 Prozent aller Girokonten haben laut Streifinger mittlerweile einen Online-Zugang. Dabei spiele das mobile Banking per Smartphone und Tablet eine immer größere Rolle. Die Sparkassen-App gehöre zu den besten Banking-Anwendungen, dies habe der Spitzenplatz beim unabhängigen Test der Stiftung Warentest zum Multi-Banking erneut bewiesen.

Eine Prognose traut sich keiner zu

Einen Ausblick auf den weiteren Geschäftsverlauf wollte das Vorstands-Duo angesichts der weltweiten politischen, wirtschaftlichen und pandemischen Lage nicht wagen. Änderungen am Geschäftsstellennetz seien derzeit aber nicht geplant. „Zusammen mit ihrer sehr soliden Eigenkapitalausstattung ist die Sparkasse für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt“, sagte Verwaltungsratsvorsitzender Stefan Bosse.

Eckpunkte der Bilanz

  • Klimabündnis: Die Sparkasse möchte ihren Geschäftsbetrieb mit dem Beitritt zum Klimabündnis Allgäu nachhaltig ausrichten. Dies gehe über den Schutz des Klimas hinaus und umfasse soziale Standards, gemeinnützige Projekte und die Unternehmensführung, sagte Vorstandschef Streifinger. „Damit haben wir uns verpflichtet, bis spätestens 2030 im eigenen Geschäftsbetrieb CO2-neutral zu sein.“
  • Personal: Mit 280 Mitarbeitenden zählt die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren zu den großen Arbeitgebern in der Region. 24 Nachwuchskräfte erlernen den Beruf des Bankkaufmanns oder der Bankkauffrau. Mit einer Platzierung unter den „Top 100“ im Business-Ranking Mittelstand der Zeitschrift Focus-Money darf sich die Sparkasse nun zu Deutschlands besten Arbeitgebern im Bankenumfeld zählen.
  • Sponsoring: 2021 unterstützte die Sparkasse 100 lokale Einrichtungen mit insgesamt 202.000 Euro - darunter Sport- und Kulturvereine, Kindertagesstätten und Schulen ebenso wie Senioren- und Pflegeeinrichtungen. „Eine Förderung, die manche Einrichtung besonders während der Pandemie gut gebrauchen konnte und die manches Projekt überhaupt erst möglich machte“, sagte Birgit Pfeifer, stellvertretendes Vorstandsmitglied und Leiterin Personal.
  • Bankentest: Das Deutsche Institutes für Bankentests erklärte die Kreis- und Stadtsparkasse in Kaufbeuren zum Testsieger in der Privatkundenberatung. Die Sparkasse erhielt die Gesamtnote 1,29. „Der renommierte Qualitätspreis bestätigt, dass wir für unsere Kunden immer die passenden Lösungen finden“, sagte Vorstandsmitglied Picierro.

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