Zehntausende Haushalte waren betroffen

Stromausfall in Kaufbeuren und im Ostallgäu: Feuerwehr konnte nicht ausrücken

Schranke Feuerwehr lässt sich bei Stromausfall nicht öffnen, daher bleibt sie vorerst offen stehen.

Schranke Feuerwehr lässt sich bei Stromausfall nicht öffnen, daher bleibt sie vorerst offen stehen.

Bild: Mathias Wild

Schranke Feuerwehr lässt sich bei Stromausfall nicht öffnen, daher bleibt sie vorerst offen stehen.

Bild: Mathias Wild

In Kaufbeuren und Teilen des Ostallgäus fiel am Dienstagabend der Strom aus. Auch das mobile Internet und Fernsehprogramme waren nicht erreichbar. Der Grund.

29.07.2020 | Stand: 21:41 Uhr

Plötzlich war es zappenduster: Um 19.45 Uhr fiel der Strom in Kaufbeuren aus. Doch nicht nur dort. Auch in einigen Teilen des Ostallgäus gingen die Lichter aus - von Pforzen, über Germaringen bis Biessenhofen. Zehntausende Haushalte waren betroffen.

"In Kaufbeuren und Neugablonz war der Strom für vier Minuten weg", sagt der Pressesprecher des lokalen Netzbetreibers VWEW Norbert Rathe am Mittwochmorgen auf Anfrage der Allgäuer Zeitung. Auch das mobile Internet war in diesem Zeitraum nicht erreichbar. Auf das Kabelfernsehen mussten Kaufbeurer länger verzichten.

Großflächiger Stromausfall: Das war der Grund 

"Gestern Abend hat der Blitz in eine Hochspannungsleitung der LVN (Lechwerke) eingeschlagen", sagt VWEW-Pressesprecher Rathe. Um das VWEW-Netz zu schützen, aktivierte sich automatisch die Sicherheits-Abschaltung - der Strom in ganz Kaufbeuren und Neugablonz war weg. "Nach vier Minuten konnten wir das Problem aber beheben", sagt Rathe. Mit dem Blitzeinschlag in Seeg hat der Stromausfall also nichts zu tun. Auch in weiten Teilen des Ostallgäus kam es durch den Blitzeinschlag zu Stromausfällen. Im Netz vom der Lechwerke waren folgende Orte betroffen:

  • Irsee
  • Pforzen
  • Baisweil
  • Rieden
  • Germaringen
  • Westendorf
  •  Kaltental
  • Stöttwang
  • Mauerstetten
  • Biessenhofen
  • Ruderatshofen
  • Aitrang
  • Stötten am Auerberg
  • Stadt Marktoberdorf

Kaufbeurer Feuerwehr kommt nicht aus der Wache

Einsatzkräfte der Kaufbeurer Feuerwehr standen wegen des Blackouts vor geschlossenen Schranken. Es kam zu kurzen Verzögerungen – glücklicherweise ohne Folgen, wie Kommandant Helmut Winkler auf Nachfrage unserer Redaktion berichtete. In einem kunststoffverarbeitenden Betrieb im Gewerbepark war vermutlich wegen des Gewitters die Lüftungsanlage ausgefallen. Nach ersten Erkenntnissen hatten daraufhin Dämpfe aus der Galvanik die Brandmeldeanlage ausgelöst.

Die alarmierten ehrenamtlichen Feuerwehrleute konnten in ihren Privatfahrzeugen allerdings nicht auf ihre Parkplätze der neuen Hauptfeuerwache gelangen, da an ihrer Zufahrt über die Augsburger Straße die Schranke geschlossen blieb. Wie Winkler berichtete, wurde die Schranke schließlich manuell geöffnet. Zwischenzeitlich waren etliche Kräfte über die offene Zufahrt am alten Kopfbau auf das Gelände gelangt.

Allerdings blieb auch die Hauptausfahrt vom Hof auf die Neugablonzer Straße für die Feuerwehr in ihren Einsatzfahrzeugen unpassierbar, da sich die Schranke dort ebenfalls nicht öffnete. Laut Winkler wendeten die Fahrer daraufhin auf dem Hof und benutzten ebenfalls die offene Ausfahrt am Kopfbau. „Bei der Stadt muss man sich nun dringendst Gedanken machen, wie dieses Problem zu lösen ist“, sagt Winkler. Bis dahin sollen die Schranken geöffnet bleiben.

Stromausfall: So verhalten Sie sich richtig

"Bei einem Stromausfall sollte man seinen Netzbetreiber informieren", sagt der VWEW-Pressesprecher. Ungünstig dabei, wenn man die Störungshotline nicht zur Hand hat und auch das mobile Internet nicht funktioniert. "Grundsätzlich ist es ratsam, sich die Störungshotline seines Strom-Lieferanten auf einem Papier zu notieren", sagt Rathe. Die Hotline von VWEW finden Kaufbeurer aber auch in der Allgäuer Zeitung unter den Notrufnummern und auf den Zählern der VWEW.

Bei Stromausfällen in dieser Größenordnung könne man aber davon ausgehen, dass der Netzbetreiber bereits durch die Störungsstelle informiert ist, sagt Rathe. 

Zur Vorbereitung auf einen möglichen Stromausfall rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe folgendes: 

  • Halten Sie einen Vorrat an Kerzen und Taschenlampen bereit. Sinnvoll können auch Kurbel-Taschenlampen sein, die ohne Batterie betrieben werden
  • Sorgen Sie dafür, dass die Akkus an Computern und Smartphones geladen sind. Solarbetriebene Batterieladegeräte oder Powerbanks zum Aufladen von Handys können eine Hilfe sein.
  • Halten Sie ein batteriebetriebenes Radio bereit. So bleiben Sie auch bei längeren Stromausfällen auf dem Laufenden. 
  • Den Flyer "Stromausfall - Vorsorge und Selbsthilfe" vom BBK finden Sie hier zum Download

Fernseh-Kabelnetz war länger nicht erreichbar

Mutmaßlich durch den Stromausfall wurde auch das Fernseh-Kabelnetz in Mitleidenschaft gezogen. Einige Nutzer berichten auf Facebook, der Ausfall hätte hier mehrere Stunden gedauert. Der Abendkrimi auf der Couch fiel für einige also flach. 

Sturm im Allgäu - das sagt die Polizei

"Das Allgäu ist am Dienstagabend glimpflich davon gekommen", sagt Polizei-Pressesprecher Holger Stabik. Sieben Anrufe wegen umgeknickter Bäume und Ästen auf der Straße zählte die Leitstelle in der vergangenen Nacht. 

Blitzeinschlag in Seeg

Der einzige größere Einsatz für den Rettungsdienst: In Seeg schlug ein Blitz in ein Haus ein, der Internet-Router und das Telefon explodierten regelrecht. Eine Frau musste ins Krankenhaus gebracht werden. Im Rest Bayerns wurden mehrere Menschen bei den Unwettern verletzt. Im Kreis Cham knickten Telefonmasten und Bäume um, sogar Häuser wurden vom Sturm abgedeckt. 

Weitere Informationen folgen.