Abschied Kaufbeuren

Urgestein geht: Ralf Sander verlässt Tagesstätte für psychische Gesundheit

Das RepairCafé war nur eine von vielen Möglichkeiten zum Austausch in der Tagesstätte für psychische Gesundheit in Kaufbeuren. Ralf Sander (rechts) lud im Januar 2018 zum ersten Mal dazu ein.

Das RepairCafé war nur eine von vielen Möglichkeiten zum Austausch in der Tagesstätte für psychische Gesundheit in Kaufbeuren. Ralf Sander (rechts) lud im Januar 2018 zum ersten Mal dazu ein.

Bild: Mathias Wild

Das RepairCafé war nur eine von vielen Möglichkeiten zum Austausch in der Tagesstätte für psychische Gesundheit in Kaufbeuren. Ralf Sander (rechts) lud im Januar 2018 zum ersten Mal dazu ein.

Bild: Mathias Wild

Ralf Sander geht nach 25 Jahren als Leiter der Tagesstätte für psychische Gesundheit in Kaufbeuren in den Ruhestand. Was die Einrichtung prägt.
19.08.2021 | Stand: 11:46 Uhr

Ein viertel Jahrhundert lang leitete Ralf Sander als Leiter die Tagesstätte für psychische Gesundheit in Kaufbeuren. Ende August beendet der 62-Jährige seine Tätigkeit in der Diakonie-Einrichtung. Mit dem Abschied endet eine Ära.

Als der Diplom-Sozialpädagoge 1996 seinen Dienst beim Diakonischen Werk Augsburg (DWA) antrat, waren die Tagesstätten noch ein neues Phänomen in der außerklinischen Versorgung psychisch kranker Menschen: Die Einrichtung in der Bismarckstraße wurde im Februar 1997 eröffnet und war die zweite ihrer Art im Bezirk Schwaben. Mittlerweile sind die niederschwelligen Anlaufstellen aus dem Netz der gemeindepsychiatrischen Hilfen nicht mehr wegzudenken. Die Tagesstätte in Kaufbeuren ist die älteste in Trägerschaft des DWA.

Gestartet mit 20 Plätzen wurde die Zahl bald auf 27 aufgestockt. Bis zu 70 Besucherinnen und Besucher kamen zeitweise. Aktuell sind 44 Personen angemeldet. Wegen der weiterhin geltenden Hygienemaßnahmen können aktuell maximal 16 Besucher gleichzeitig kommen, entweder vormittags oder nachmittags. Jeder gestaltet den Besuch in der Einrichtung individuell nach dem persönlichen Bedarf und Leistungsvermögen: „Wir holen die Menschen da ab, wo sie sind“, sagt Sander. Erste Erfahrungen mit psychisch kranken Menschen hatte der gebürtige Mannheimer bereits während seines Studiums Mitte der 1980er Jahre gesammelt, als er ein längeres Praktikum im Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren absolvierte. Positiv am Konzept der Tagesstätten findet er unter anderem, dass der Besuch nicht zeitlich begrenzt ist: Manche Besucher kommen ein oder zwei Jahre, andere nutzen das Angebot für eine Überbrückungszeit von drei bis vier Monaten. Und zwei bis drei Personen sind schon fast so lange da wie Sander selbst.

Der Anteil von Männern und Frauen hat sich über die Jahre in etwa die Waage gehalten. Es kommen mehr Jüngere, „die mit dem Leistungsdruck der Gesellschaft nicht klar kommen“, sagt Sander, der weiterhin Aufklärungsbedarf sieht. Wenn die eigene Familie eine psychische Erkrankung nicht als solche anerkenne, sei das für viele Betroffene eine zusätzliche Belastung. Auf der anderen Seite gebe es auch fürsorgliche Familien, die eine große „Opferbereitschaft“ mitbrächten und die man dazu ermutigen müsse, „Hilfen von außen zuzulassen“.

Auch bei anderen Menschen beobachtet er eine gewisse „Schwellenangst“, wenn es um psychische Erkrankungen geht. Ausnahmen sind die Fahrradwerkstatt, in die Kunden ihre Räder zur Reparatur brächten, oder die Bücherstube, die einen Stamm treuer Kunden habe. Mit Aktionen wie dem Büchermarkt, der vor Corona zwei Mal jährlich im Frühjahr und im Herbst stattfand, oder dem Christbaumverkauf, bei dem Mitarbeiter und Besucher der Tagesstätte Bäume im Stadtgebiet gegen einen Aufpreis ausliefern, versuchen Sander und sein Team, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen.

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Aktuell arbeitet er seine Nachfolgerin Brigitte Helminger ein, um einen fließenden Übergang in der Leitung der Einrichtung zu gewährleisten. Sander, der sich ehrenamtlich in der Matthäusgemeinde Kempten und für Alpha Deutschland (Glaubens- und Ehekurse) engagiert, freut sich unter anderem auf mehr Zeit mit der Familie, für Radtouren, Wanderungen und Reisen.