Sensationsfund im Allgäu

Tongrube Hammerschmiede: Wann geht die Suche nach Udos Verwandten los?

Der Sensationsfund, Menschenaffe Udo, ist im Museum der Universität Tübingen zu sehen.

Eigentlich wollten Forscher der Universität Tübingen schon seit Juni wieder nach Fossilien in der Hammerschmiede graben. Stattdessen mussten sie warten - bis jetzt.

Bild: Marijan Murat, dpa

Eigentlich wollten Forscher der Universität Tübingen schon seit Juni wieder nach Fossilien in der Hammerschmiede graben. Stattdessen mussten sie warten - bis jetzt.

Bild: Marijan Murat, dpa

Im Juni begannen langwierige Vertragsgespräche, nun gibt es einen Konsens. Worauf die Forscher hoffen.

30.07.2020 | Stand: 17:53 Uhr

Über 180 Freiwillige haben sich gemeldet, um bei den Ausgrabungen in der Hammerschmiede bei Pforzen mitzumachen. Sie wollen an dem Ort nach Fossilien suchen, an dem die Paläontologin Madelaine Böhme Udo entdeckt hat – einen 11,6 Millionen alten, aufrecht gehenden Menschenaffen, der an den Grundfesten der Menschheitsgeschichte rüttelt. Doch statt in der Tongrube im Ostallgäu zu graben, mussten die Helfer warten. Jetzt steht fest: Die Grabungen sollen im August beginnen. Für die Hobbypaläontologen bleibt jedoch die Frage: Wann genau dürfen sie auf die Suche nach Udos Verwandten gehen?

Vertrag unterzeichnet

Die Eigentümerfamilie der Hammerschmiede und der Betreiber der Tongrube, die Oberstdorfer Unternehmensgruppe Geiger, haben mit den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) einen Vertrag für die Grabungen unterzeichnet. Die SNSB stimmen sich wiederum mit Madelaine Böhme ab. Begonnen hatten die langwierigen Gespräche bereits Anfang Juni. Sowohl Geiger als auch die Eigentümerfamilie Hartmann unterstützen die Forschungsarbeiten. Zugleich betont Antonie Hartmann: „Uns ist es wichtig, dass der Tonabbau weiterlaufen kann.“

„Wir freuen uns, dass die Grabungen jetzt starten können“, sagt Dr. Eva-Maria Natzer, wissenschaftliche Geschäftsführerin der SNSB. Sie gehe davon aus, dass die Grabungen spätestens Mitte August beginnen. Dann hätten die Forscher vier bis sechs Wochen Zeit – ursprünglich waren drei bis vier Monate eingeplant. „Wir haben immer Mitte September aufgehört“, erklärt Böhme. Das Wetter, insbesondere die Feuchtigkeit, ließen wissenschaftliche Grabungen dann nicht mehr zu.

Dieses Jahr ist alles anders - auch bei den Bürgergrabungen

„Natürlich freuen wir uns über Menschenaffen-Funde am meisten“, sagt Böhme. „Aber wir freuen uns auch über alles andere.“ Denn die Hammerschmiede biete noch mehr als „Danuvius guggenmosi“. Neben Udos Überresten sind die Forscher auf eine „unglaubliche Diversität an Wirbeltieren“ gestoßen. Böhme hofft darauf, erneut Objekte zu finden, die für „die Wissenschaft herausragend“ sind. Weil dieses Jahr alles anders ist – wegen der kurzen Grabungszeit, aber auch wegen der Corona-Auflagen – werden die Bürgergrabungen nicht wie in den Jahren zuvor stattfinden. Wie genau sie ablaufen, könne Böhme noch nicht sagen. Aber: „Wenn es losgeht, werden Freiwillige willkommen sein.“

Währenddessen gehen auch die Pläne zur Ausstellung rund um Udo voran. „Danuvius guggenmosi“ soll im Herbst für vier Wochen einen festen Platz im alten Feuerwehrhaus in Pforzen finden, um dann auf Wanderschaft im Ostallgäu zu gehen.