Rückkehr nach über 50 Jahren

Totenschilde zieren wieder die Kaufbeurer Martinskirche

An ihrem angestammten Platz über dem hinteren Nordportal der Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin wurden nun wieder zwei Totenschilde aus dem 16. Jahrhundert aufgehängt. Zuvor präsentierte Kirchenpfleger Gerd Neugebauer (links) den Erinnerungsschild von Philipp von Landeck zusammen mit dessen „Retter“ Wolfgang Sauter (rechts).

An ihrem angestammten Platz über dem hinteren Nordportal der Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin wurden nun wieder zwei Totenschilde aus dem 16. Jahrhundert aufgehängt. Zuvor präsentierte Kirchenpfleger Gerd Neugebauer (links) den Erinnerungsschild von Philipp von Landeck zusammen mit dessen „Retter“ Wolfgang Sauter (rechts).

Bild: Harald Langer

An ihrem angestammten Platz über dem hinteren Nordportal der Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin wurden nun wieder zwei Totenschilde aus dem 16. Jahrhundert aufgehängt. Zuvor präsentierte Kirchenpfleger Gerd Neugebauer (links) den Erinnerungsschild von Philipp von Landeck zusammen mit dessen „Retter“ Wolfgang Sauter (rechts).

Bild: Harald Langer

Prachtvolle Schnitzarbeiten aus dem 16. Jahrhundert in der Kaufbeurer Martinskirche aufgehängt. An wen sie erinnern und welches Schicksal ihnen widerfuhr.
13.07.2021 | Stand: 11:39 Uhr

Jahrzehnte lang war der Wandbereich über dem hintern Nordportal der Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin schmucklos. Der aufmerksame Betrachter konnte dort lediglich einen Metallhaken ausmachen. Seit Kurzem nun hängen rechts und links des Fensters über der Kirchentür wieder zwei prachtvoll geschnitzte und bemalte Totenschilde. Die Kunstwerke erinnern an die Adligen Georg von Schwangau zu Hohenschwangau (gestorben 1536) und Philipp von Landeck (gestorben 1552).

Erinnerung an die "Pfleger" auf der Burg in Helmishofen

Seit dem 12. Jahrhundert war es üblich, dass die mit ihren Wappen versehenen Schilde und Helme von verstorbenen Rittern zum Gedenken an sie in Kirchen angebracht wurden. Später wurden diese realen Ausrüstungsgegenstände dann von mit den Wappen der toten Adligen versehenen Kunstwerken abgelöst. In der Martinskirche sind jetzt wieder vier solcher Totenschilde zu finden. Sie erinnern allesamt an Ritter, die im Auftrag des Hochstifts Augsburg dessen Besitzungen östlich von Kaufbeuren verwalteten. Diese „Pfleger“ hatten ihren Sitz in Helmishofen, wo die Überreste einer Burg, insbesondere der „Römerturm“, immer noch vom dortigen Herrschaftssitz zeugen.

Bei der Kirchensanierung 1953/54 abgenommen

Vermutlich seit der Barockzeit befinden sich die Totenschilde in der Martinskirche. Die von Georg von Bernhausen (gestorben 1575) und von Philipp Renner von Almendingen (gestorben 1606) waren dort durchgehend zu sehen. Der Schild von Georg von Schwangau, der vom namhaften Künstler Christoph Ler stammt, und der von Philipp von Landeck wurden im Zuge der Kirchensanierung 1953/54 oder später abgenommen. Ersterer Schild wurde in den Räumen des Pfarrhofs in der Pfarrgasse aufgehängt und wanderte, als das dortige Pfarrbüro umgebaut wurde, auf den Dachboden des Gebäudes.

Vom Holzwurm zerfressen

Von Landecks Erinnerungsschild, der stark vom Holzwurm befallen war, blieb zunächst noch in der Kirche am Aufgang zur Empore. Dann nahm sich Wolfgang Sauter, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtmuseums, des Kunstwerkes an. Er ließ bereits zerstörte Teile der Schnitzarbeiten nachbilden und die Bemalung restaurieren. Als Leihgabe kam der Totenschild ins Stadtmuseum. Doch als dieses umgebaut wurde, ging das Kunstwerk zurück an die Pfarrei und kam ebenfalls auf den Dachboden des Pfarrhofs. In einer Gemeinschaftsaktion der Pfarrei St. Martin und des Heimatvereins Kaufbeuren wurden die beiden Schilde im vergangenen Frühjahr gereinigt, restauriert und nun – nach einer coronabedingten Verzögerung – wieder in der Martinskirche aufgehängt.