Jazz

Trio Toriyo verbindet in Kaufbeuren Können mit Groove

Wenn es draußen blitzt und donnert, geht es drinnen nahtlos weiter: Masako Sakai, Simon Kerler und Niklas Rehle (von links) bei ihrem Auftritt im Kaufbeurer Café Stiftsterrassen.

Wenn es draußen blitzt und donnert, geht es drinnen nahtlos weiter: Masako Sakai, Simon Kerler und Niklas Rehle (von links) bei ihrem Auftritt im Kaufbeurer Café Stiftsterrassen.

Bild: Elisa Hanusch

Wenn es draußen blitzt und donnert, geht es drinnen nahtlos weiter: Masako Sakai, Simon Kerler und Niklas Rehle (von links) bei ihrem Auftritt im Kaufbeurer Café Stiftsterrassen.

Bild: Elisa Hanusch

Wie die fantastische Harmonie zwischen Masako Sakai, Simon Kerler und Niklas Rehle beim Konzert im Café Stiftsterrassen auf eine besondere Probe gestellt wurde.
Wenn es draußen blitzt und donnert, geht es drinnen nahtlos weiter: Masako Sakai, Simon Kerler und Niklas Rehle (von links) bei ihrem Auftritt im Kaufbeurer Café Stiftsterrassen.
Von Klaus Thiel
03.08.2020 | Stand: 06:00 Uhr

„Chimäre“ ist der Titel einer Eigenkomposition des Jazz-Trios Toriyo – und in seiner Wortbedeutung Trugbild widersprüchlich zum Gehörten. Denn bei ihrem Konzert im Café Stiftsterrassen schufen die Musiker zwar schwebende, in sich verwobene und geheimnisvoll unwirkliche Tonbilder für Schlagzeug, Bassgitarre und vor allem für die Hammondorgel. Aber das musikalische Können dabei war sicher kein Trugbild, und das Stück avancierte zum Höhepunkt dieses bemerkenswerten Konzertes.

Hexenmeister und Artist am Schlagzeug

„Es ist wunderbar, wieder vor Menschen zu spielen“, freute sich Schlagzeuger Simon Kerler beim Abschied nach der zweiten Zugabe, als das Trio den lang anhaltenden, starken Beifall genoss. Kerler, sein Kollege Niklas Rehle, die „Bassgitarre“, und die wunderbare Masako Sakai hatten zuvor bewiesen, wie fantasievoll Jazzmusik sein kann. Kerler, der Hexenmeister und Artist am Schlag, Rehle, der in der Gitarre versunkene empathische Träumer und Meister der leisen Töne, und Sakai, die mit schier unfassbarer Virtuosität der Hammondorgel ein Eigenleben verlieh, hinterließen einen nachhaltigen Eindruck.

Im "Zwölfachtel-Takt"

Das Trio hat sich vor einem Jahr unter Mitwirkung von Tiny Schmauch, dem Grandseigneur der Allgäuer Jazzszene, gegründet. Der Name Toriyo ist ein Kunstwort. Es leitet sich vom japanischen Torio ab und wurde durch das y ergänzt, wie die studierte klassische Pianistin Sakai mit einem Schmunzeln berichtete. Erstaunlich die Harmonie, die sich innerhalb kürzester Zeit in der Gruppe eingestellt hat. Fließende Übergänge und spontane Reaktionen auf äußere Einflüsse gelingen den Dreien mühelos wie im Traum. Bei jedem Stück entwickeln sie schnell den richtigen Groove. Gemeinsam entwickeln sie auch ihre Eigenkompositionen. „Rubbellose for free“ ist so eine Schöpfung im Sechsachtel-Takt. Angesichts der rasanten Steigerungen könne man schon fast von einem Zwölfachtel-Takt sprechen, seufzte Kerler. Bei aller Gemeinsamkeit lassen sich die Toriyo-Mitglieder doch genügend Raum für die im Jazz üblichen Soli. Und gerade dabei beweist sich ihr enormes Können, das sich auch einem Jazz-Unkundigen sofort erschließen dürfte. Die Eigenkomposition „Wetterfrosch in Rente“ war dann wohl nicht der Auslöser für das einsetzende schlechte Wetter. Nach etwa 30 Minuten Freiluft-Konzert auf der Terrasse musste die Veranstaltung in den Innenraum des Cafés verlegt werden, was in wenigen Minuten von allen Beteiligten gelassen vollzogen wurde. Der Groove ging dabei nicht verloren.

Überzeugend waren auch die Interpretationen von Klassikern wie dem „Hallelujah“ von Ray Charles. Und „Imagination“ als Zugabe deutete den leisen Abschied und das Hinausgleiten in die inzwischen kühl gewordene Sommernacht an.