Kaufbeurer Blasiuskonzerte

Virtuosen erzählen "Geschichten eines Engels" in St. Martin

Johanna Rose an der Viola da Gamba und Sam Chapman an der Theorbe entführten die Zuhörer in der Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin musikalisch an den Hof des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. in Versailles.

Johanna Rose an der Viola da Gamba und Sam Chapman an der Theorbe entführten die Zuhörer in der Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin musikalisch an den Hof des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. in Versailles.

Bild: Harald Langer

Johanna Rose an der Viola da Gamba und Sam Chapman an der Theorbe entführten die Zuhörer in der Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin musikalisch an den Hof des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. in Versailles.

Bild: Harald Langer

Zum Abschluss der diesjährigen Kaufbeurer Konzertreihe entführen Johanna Rose und Sam Chapman die Zuhörer musikalisch an den Hof des "Sonnenkönigs".
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Von Lucia Buch
10.09.2021 | Stand: 10:30 Uhr

„Geschichten eines Engels“, so lautete der Titel der letzten Veranstaltung der diesjährigen Kaufbeurer Blasiuskonzerte. In der Stadtpfarrkirche St. Martin ließen Johanna Rose (Viola da Gamba) und Sam Chapman (Theorbe) die Zuhörer in höfische Klangwelten des Barock eintauchen. Zu hören war Musik, die während der Herrschaft des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. in Versailles entstanden ist. Der Programmzettel wies nur zwei Komponistennamen auf: Robert de Visée (1655 bis 1732) und vor allem Marin Marais (1656 bis 1728), die – von Couperin und Lully einmal abgesehen – in der ersten Reihe jenes von höfischen Konventionen geprägte, kultiviert-dekadente, von jeglichen Sorgen des täglichen Lebens enthobene Musikbiotop jener Zeit repräsentierten. Wirklich Neues, musikalisch Zukunftsweisendes wurde vom begnadeten Gambisten Marais kaum entwickelt. Er nahm sich jedoch des am Hofe des „Sonnenkönigs“ vorgegebenen und erwünschten kompositorischen Instrumentariums und Handwerks mit Perfektion und Kreativität, bisweilen Genialität, an.

Die Musiker lassen es knistern

So ließen es Rose und Chapman gehörig knistern, und man hörte bisweilen die vielzitierte Stecknadel fallen. Vor allem, wenn sie die von Marais genutzten althergebrachten musikalischen Formen und Muster wie Gavotte, Rondeau, Chaconne oder Passacaille bis zur Allemande zum Leben, bisweilen zu bebenden Stürmen unter der höfisch-steifen Oberfläche erweckten. Meist als Duo – der Theorbe kam in diesem Fall die Rolle des in die Tiefe verstärkenden Resonanzraums unter der solistisch behandelten Gambe zu – leuchteten die beiden Künstler dabei stilisierte höfische Figuren, Bilder und Situationen mit teilweise atemberaubend geschliffener technischer Virtuosität und sprühender Detailverliebtheit aus. Vor allem aber kam auch eine betörende, mitunter fast explosive Dichte und Intensität im Ausdruck zum Tragen, wenn die im Hofzeremoniell vielleicht mühsam unterdrückten Emotionen, wenn nicht gar Triebe, sich mittels der Musik ihren Weg an die Oberfläche bahnten.

Programmfolge nicht immer klar nachvollziehbar

Schade, dass die Abfolge dieser musikalischen „Stationen“ – genannt seien das „Grand Ballett“, das Rondeau „Le Bijou“ („Der Juwel“), „Le Tourbillon“ („Der Wirbelwind“), die „Fete Champetre“ („Das Fest im Freien“) oder „Le Badinage“ („Das scherzhafte Wortgeplänkel“) – etwas schwierig voneinander abzugrenzen waren. So konnten die Zuhörer nicht immer klar nachvollziehen, welches brillant umgesetzte Stück man gerade vernahm. Das zeigte sich am mitunter unschlüssig gespendeten Applaus. Spätestens beim Schlussstück „Les folies d’Espagne“ auch bekannt als „La Follía“, mit seinem Gassenhauer-Ohrwurm-Thema des Barocks, wusste man wieder, woran und vor allem wo im Programmverlauf man angekommen war. Ein insgesamt unter die Haut gehender und überzeugender Schlusspunkt der diesjährigen Reihe.

Hoffen auf eine Saison "mit allem Drum und Dran"

Zu Beginn hatte Organisator Daniel Herrmann den auch in Corona-Zeiten treuen Zuhörerinnen und Zuhörern der Blasiuskonzerte für ihr Kommen gedankt. Vor allem aber zeigte er sich froh darüber, dass die Reihe nach der Komplettabsage 2020 heuer zumindest im großen Kirchenraum von St. Martin stattfinden konnte. Herrmann hofft aber, dass die Blasiuskonzerte 2022 dann wieder im namensgebenden Gotteshaus an der Stadtmauer und „mit allem Drum und Dran“ veranstaltet werden können.