Fußball EM

Von Euphorie zur EM ist bei Fußballern aus der Region nicht viel zu spüren

FCA

Leere Zuschauerränge in der Vergangenheit – auf dem Bild die WWK Arena beim Spiel FC Augsburg gegen Union Berlin – in der Vergangenheit, kein Public Viewing in der Gegenwart. Auch deshalb gebe es nur wenig Vorfreude auf die EM.

Bild: Ulrich Wagner

Leere Zuschauerränge in der Vergangenheit – auf dem Bild die WWK Arena beim Spiel FC Augsburg gegen Union Berlin – in der Vergangenheit, kein Public Viewing in der Gegenwart. Auch deshalb gebe es nur wenig Vorfreude auf die EM.

Bild: Ulrich Wagner

Die Begeisterung zur Europameisterschaft hält sich bei Experten aus Kaufbeuren und dem Ostallgäu in Grenzen. DFB und Jogi Löw geben auch kein gutes Bild ab. Rückkehrer machen Hoffnung
##alternative##
Von Thomas Schreiber
11.06.2021 | Stand: 11:15 Uhr

Mit dem Eröffnungsspiel zwischen der Türkei und Italien startet am Freitag ab 21 Uhr in Rom die Fußball-Europameisterschaft 2021. Erstmals wird dieses Turnier in elf verschiedenen Städten in ganz Europa ausgetragen, sofern die Austragungsorte der UEFA auch zusicherten, dass die Spiele zumindest vor einer reduzierten Zuschauerkulisse stattfinden können. Die Spiele der deutschen Gruppe F finden in München und Budapest statt. Vom viel zitierten Losglück der deutschen Mannschaft bei den Welt- und Europameisterschaften kann diesmal jedoch nicht die Rede sein.

Schwergewichte in der Vorrunde

Man muss kein ausgesprochener Fußballexperte sein, um zu sehen, dass sich neben der DFB-Auswahl mit Frankreich und Portugal noch zwei weitere Schwergewichte um die zwei sicheren Startplätze für die K.o.-Runde streiten. Selbst Außenseiter Ungarn sollte man vor dem eigenen Publikum nicht unterschätzen. So darf man gespannt sein, wie sich die Nationalmannschaft beim letzten Turnier von Bundestrainer Joachim Löw schlägt. Vor dem ersten Spiel gegen Frankreich am Dienstag ab 21 Uhr in München haben wir uns bei den umliegenden Vereinen ein Stimmungsbild über die Vorfreude, das mögliche Abschneiden des deutschen Teams und dem Abschiedsturnier von Jogi Löw eingeholt.

  • Günter Groß (Abteilungsleiter FC Blonhofen): Mit den ersten Zusammentreffen unserer Mannschaften im Verein ist auch die Begeisterung für die EM wieder etwas gestiegen. Die Jungs freuen sich einfach darauf, gemeinsam die Spiele zu schauen und dabei ein Bier zu trinken. Das erste Spiel gegen Frankreich wird dabei ganz wichtig für den weiteren Verlauf Deutschlands werden. Dann können wir mit einem Sieg bereits einen wichtigen Grundstein für die Zwischenrunde legen. Dennoch traue ich der deutschen Mannschaft diesmal den ganz großen Wurf nicht zu. Jogi Löw hätte nach dem WM-Titel in Brasilien aufhören sollen, denn einen solchen Erfolg kann man nicht wiederholen. Schade, dass er im Anschluss, als es nicht mehr so nach Wunsch gelaufen ist, nicht selbst rechtzeitig seinen Abschied genommen hat.

  • Markus Riefler (Trainer TSV Oberbeuren): Vorfreude auf große Turniere ist immer da, doch hat sich durch die Corona-Pandemie der Profifußball von den Amateuren etwas entfernt. Sportlich kann die Truppe bei der Europameisterschaft durchaus etwas reißen, gerade die Rückkehr von Thomas Müller und Mats Hummels wird sich bestimmt positiv auswirken und ist gut für die Stimmung im Team. Dazu möchte es Jogi Löw bestimmt noch einmal allen zeigen, bevor er seinen Abschied nimmt. Er war ein sehr guter Trainer, der stets mit der Zeit gegangen ist.
  • Franz Zimmermann (Trainer SVO Germaringen): Ich muss ehrlich sagen, die große Euphorie ist bei mir persönlich noch nicht ausgebrochen. Das liegt aber auch daran, dass kaum Fans in den Stadien zugelassen sind und auch kein Public-Viewing stattfinden wird. Sportlich traue ich dem Team durchaus die Teilnahme am Halbfinale zu, denn mit Thomas Müller und Mats Hummels hat die Mannschaft nicht nur Qualität, sondern auch einen neuen Geist bekommen. Auch der Erfolg der U21-Mannschaft könnte dem DFB-Team noch einen weiteren Schub geben. Jogi Löw wünsche ich einen tollen Abschluss seiner Zeit als Bundestrainer, auch wenn er es vielleicht verpasst hat, den richtigen Absprung zu finden. Dennoch sollte man in der Gesamtbewertung seiner Tätigkeit nicht nur die Momentaufnahme betrachten, sondern auch die vielen Erfolge in seiner Amtszeit würdigen.
  • Ingo Weber (Obmann Schiedsrichter-Gruppe Ostallgäu): Meine Begeisterung hält sich im Vergleich zu früheren großen Turnieren in Grenzen. Für mich hat sich der Profi-Fußball durch Corona etwas entfremdet. Kannte man früher schon vorab den Spielplan auswendig, so ist es für mich eher ein Nebenbei-Effekt. Sportlich sehe ich die Chancen bei 50:50, da auch die Vorbereitung nicht berauschend verlief. Sollten wir die Vorrunde überstehen, können wir dennoch weit kommen, da wir schon immer eine Turniermannschaft waren. Für mich war jedoch nach der WM in Brasilien etwas das Feuer raus. Da hat auch der Bundestrainer seinen Absprung verpasst. Es ist immer besser, selbst entscheiden zu können, wann man geht.

  • Uwe Zenkner (Trainer SV Mauerstetten): Die große Vorfreude ist noch nicht eingetreten, dazu war der Fußball in den letzten Wochen und Monaten einfach zu weit von der Basis entfernt. Auch die Querelen beim DFB haben nicht gerade für eine Euphorie für den Fußball gesorgt. Dennoch ist eine EM und eine WM immer etwas Besonderes. Sportlich traue ich der Mannschaft durchaus das Halbfinale zu. Die Rückkehr von Mats Hummels und Thomas Müller kann sich eigentlich nur positiv auswirken, denn die jungen Spieler brauchen auch etablierte Profis, an denen sie sich anhängen können. Jogi Löw hatte sicher mit der WM in Brasilien seinen Höhepunkt, doch dann hat er sich auch etwas vom Jugendwahn treiben lassen, ohne dass wirklich etwas nach vorne gegangen ist. Leider hat auch er den Fehler gemacht, auf dem Höhepunkt nicht aufzuhören, jedoch ist das immer leicht gesagt. Insgesamt wünsche ich mir für die Nationalmannschaft einen neuen frischen Schwung für die Zukunft.

    Mehr Sport aus der Umgebung lesen sie hier.

Lesen Sie auch
##alternative##
Fußball-EM 2021

Gegenwart und Zukunft in einer Arena: Flick verfolgt EM-Spiel von Zuschauertribüne