Ostallgäuer Rad-Experte erklärt

Warum es gut ist, dass Autofahrer härter bestraft werden

Innere BuchleuthenstraÃ?e EinbahnstraÃ?e

Im Interview erklärt Karl Höß, warum die neue Straßenverkehrsordnung ein Erfolg für Fahrradfahrer ist. Der 69-Jährige war früher stellvertrender Leiter der Polizeiinspektion Kaufbeuren.

Bild: Mathias Wild; Ralf Lienert (Archiv)

Im Interview erklärt Karl Höß, warum die neue Straßenverkehrsordnung ein Erfolg für Fahrradfahrer ist. Der 69-Jährige war früher stellvertrender Leiter der Polizeiinspektion Kaufbeuren.

Bild: Mathias Wild; Ralf Lienert (Archiv)

Die neue Straßenverkehrsordnung sorgt für viel Diskussion. Der Ostallgäuer Karl Höß hat sich genauer mit der StVO beschäftigt. Hilft sie, Radler zu schützen?

15.07.2020 | Stand: 10:07 Uhr

Sie sollte insbesondere Radfahrern mehr Schutz bieten. Für Diskussion sorgte die neue Straßenverkehrsordnung (StVO) jedoch vor allem wegen der verschärften Sanktionen für Temposünder. Mittlerweile ist das Regelwerk außer Kraft gesetzt, Hintergrund ist ein Formfehler. Karl Höß, ehemals Polizei-Chef in Mindelheim und zuvor stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Kaufbeuren, hat sich als Gutachter mit der StVO-Novelle genauer beschäftigt. Als aktives Mitglied beim Bund Deutscher Radfahrer interessierte den 69-Jährigen vor allem, was sich für die Fahrradfahrer ändert.

Ist die neue Straßenverkehrsordnung ein Erfolg für die Fahrradfahrer?

Karl Höß: Ja, das ist sie schon. Auch wenn nur Gerichtsurteile, die schon seit zehn Jahren Bestand haben, jetzt in ein Gesetz gegossen wurden. Das Wichtigste ist, dass Fahrradfahrer demnach zu zweit nebeneinander fahren dürfen. Hinzu kommt der Mindestabstand beim Überholen: außerorts müssen die Autofahrer mindestens zwei Meter Abstand halten, innerorts 1,5 Meter. Daran haben sich bisher viele Autofahrer nicht gehalten.

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Wird sich das jetzt ändern?

Höß: Ich hoffe es. Durch die große Öffentlichkeit um die neue Straßenverkehrsordnung wird es mehr beachtet. Dennoch habe ich das Gefühl, dass es nicht bei jedem angekommen ist.

Neue StVO: "Führerschein wegzunehmen, hat immer größte pädagogische Wirkung"

Inzwischen ist die neue StVO wegen eines Formfehlers außer Kraft gesetzt. Zuvor gab es viele kritische Stimmen. Insbesondere die Sanktionen für Autofahrer, die zu schnell unterwegs sind, waren immer wieder Thema. Wer etwa innerorts 21 Stundenkilometer zu schnell fährt, muss nach dem neuen Bußgeldkatalog seinen Führerschein für einen Monat abgeben. Was sagen Sie dazu?

Höß:  Im Verhältnis zu anderen Ländern kann man das Bußgeld in Deutschland aus der Portokasse zahlen. Da war man mit der StVO-Novelle eigentlich schon auf dem richtigen Weg. Den Führerschein wegzunehmen, hat immer die größte pädagogische Wirkung. 

Ostallgäuer Fahrrad-Experte: "Denkweise auf der Straße muss sich ändern"

Wie lässt sich die Situation für Radfahrer weiter verbessern?

Höß: Die Denkweise auf der Straße muss sich ändern. Seit den 1960ern heißt es immer nur: Auto, Auto, Auto. Alles andere ist ein Hindernis auf der Straße. Die Verkehrsteilnehmer müssen sich aber auf Augenhöhe begegnen. In manchen Städten klappt das schon, beispielsweise in Stockholm. Deshalb finde ich es schade, dass das Fahrrad auch in der neuen Straßenverkehrsordnung weiterhin nicht als Verkehrsart anerkannt wird.