Fotografie-Tipps für den Nachthimmel

Was "Astro-Manni" aus Kaufbeuren am Weltall so fasziniert

Manfred Simon (Mitte) hat sich der Astro-Fotografie verschrieben.

Manfred Simon (Mitte) hat sich der Astro-Fotografie verschrieben.

Bild: Mathias Wild

Manfred Simon (Mitte) hat sich der Astro-Fotografie verschrieben.

Bild: Mathias Wild

Der Hobby-Astronom Manfred Simon begeistert sich für Himmelskörper. Doch manchmal stellt sich der 75-Jährige Fragen, auf die es keine Antwort gibt.

23.08.2020 | Stand: 16:47 Uhr

Es kommt vor, dass Manfred Simon nachts in seinem Garten sitzt, das Sternenzelt über sich, und ohne optische Hilfsmittel in den Himmel schaut. Sich fragt, wo da oben Leben existiert, das dem auf der Erde ähnelt. Ob die Sterne, deren Licht Tausende oder Milliarden Jahre bis zu uns gebraucht hat, überhaupt noch existieren. Wann der erste Mensch zum Mars in dem Wissen aufbricht, dass es für ihn kein Zurück gibt. Und was es eigentlich bedeutet, in die Unendlichkeit zu blicken. „Da wird einem erst bewusst, wie klein der Mensch ist“, sagt Simon. Die Astrophysik könne vieles wissenschaftlich erklären. Die Wucht eines klaren Nachthimmels erdrückt manchmal aber auch die Vorstellungskraft des Hobby-Astronomen Simon.

"Astro Manni" gibt Tipps für den Blick ins Weltall

Der 75-jährige Neugablonzer ist keiner derer, die den Laien mit Wissen überfordern. „Es braucht nicht viel für dieses Hobby“, sagt der frühere Postverwaltungsbeamte, der schon als Westendorfer Bub die Faszination für Sonne, Mond und Sterne spürte, aber erst im Rentenalter seine Begeisterung für das Universum so richtig auslebt. Die Astrofotografie hat es ihm angetan. Weit über 400 Aufnahmen gibt es auf seiner Homepage zu bewundern, die er vor fünf Jahren kreierte und auf der er als „Astro-Manni“ und sympathischer Botschafter seiner Leidenschaft Tipps für den Blick ins Weltall, für selbst gebastelte Hilfsmittel, Astrofotografie und Bildbearbeitung am Computer gibt.

Wer will, kann diesem Hobby schweigend nachgehen. Für Simon aber zählt der Austausch. „Mit Menschen , alt oder jung, studiert oder mit Hauptschulabschluss.“ Etwa in der Astronomischen Gesellschaft Buchloe mit ihren 140 Mitgliedern. 1998 trat er dem gerade erst gegründeten Verein bei, der auch die Volkssternwarte in Buchloe betreibt.

Bastelte sich als Kind ein ausziehbares Fernrohr

„Jeder findet seinen eigenen Weg zur Astronomie“, sagt Simon. Nach der Vertreibung seiner Familie aus dem Sudetenland wuchs er in Westendorf auf, einem Ort mit wenigen Straßenlaternen. „Da waren die Sterne und die Milchstraße noch sehr gut zu sehen“, erinnert er sich. Die Mutter zeigte ihm einmal einen wunderschönen Kometen durchs Fenster der Wohnung. Später las er fasziniert vom größten Teleskop der damaligen Zeit auf dem Mount Palomar in Kalifornien.

In der Schule hielt er seinen ersten Vortrag über die Planeten des Sonnensystems und malte die Entfernungen maßstabsgerecht mit Kreide vor der Klasse auf – die Sonne ganz links, den Pluto ganz rechts. Die Tafel, weit aufgeklappt. Die Mondlandung 1969 verfolgte er gebannt am Fernseher. Ein Fotoapparat und Drahtauslöser, auf einem Hocker befestigt, brachten das erste Himmelsfoto. Ein Strichspurenbild vom Nordhimmel. Für ein ausziehbares Fernrohr bastelte Simon eine Halterung aus Holz und näherte sich damit Mond, Saturn und Jupitermonden weiter an.

 

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"Astro-Mannis" beste Bilder

Längst besitzt Simon größere Teleskope und feinere Beobachtungstechnik, die das spärliche Licht der Himmelskörper in der Nacht sammeln und automatisch die Erddrehung ausgleichen. Dabei kommen auch der Computer und die Digitalfotografie zum Einsatz. Letztere hat Simon ein ganz neues Bild vom Universum eröffnet. Denn mit bloßem Auge durchs Teleskop betrachtet, erscheinen die Himmelsobjekte – anders als auf Farbfotos – in der Regel schwarzweiß. „Da ist man dann erstmal enttäuscht“, sagt er. „Aber es ist live, und das fasziniert auch“. Der Grund: Im Dunkeln sehen wir zwar licht-, aber nicht farbempfindlich. Die Astrofotografie mit den oft langen Belichtungszeiten gleicht dieses Defizit aus und zeigt Kugelsternhaufen, Emissionsnebel und Galaxien in voller Farbenpracht. Aber eben nicht unmittelbar, sondern erst nach aufwendiger Bearbeitung am PC.

Die Sonne hat es ihm angetan

Vor allem die Sonne hat es Simon angetan. Unseren Mutterstern beobachtet er tagsüber mit einem speziellen Filter, der die Augen schützt. „Niemals direkt in die Sonne schauen“, warnt Simon. Mit der richtigen Technik lasse sich derzeit sehr schön wieder der erste kleine Sonnenfleck seit langem beobachten. Dabei handelt es sich um eine dunklere Stelle auf der Oberfläche des Sterns, die etwas kühler als die Umgebung ist. „Wir befinden uns gerade in einem Sonnenfleckenminimum innerhalb des elfjährigen Zyklus, aber das nächste Maximum kommt bestimmt“, sagt er mit Freude.

Satelliten stören das Blickfeld

Die Corona-Pandemie mit ihrem Stillstand im Flugverkehr war übrigens ein Segen für Astronomen. Kaum störende Lichtstreifen, die sich in der Langzeitbelichtung auf dem Fotosensor abspeichern. „Aber die Lichtverschmutzung auf der Erde nimmt Jahr für Jahr zu, leider“, sagt der Neugablonzer. Und auch die zunehmende Zahl der Starlink-Satelliten, die einmal zu Tausenden das Internet auch in die hintersten Winkel der Welt bringen sollen, störe immer häufiger das Blickfeld.

Die Liebe zu Mutter Erde

In solchen Augenblicken erinnert sich Simon an die Fotos von der Apollo-Mission, auf denen zu sehen ist, wie der blaue Planet über dem Mond aufgeht – zerbrechlich und zart in einer lebensfeindlichen und luftleeren Umgebung. Vielleicht ist dieses Motiv von Mutter Erde sein größter Antrieb, immer wieder weit, weit hinaus ins Weltall zu schauen.

So fotografiert man den Nachthimmel: Expertentipps für Anfänger

  • Einfach beginnen: Nachts auf einen Stuhl setzen oder in den Liegestuhl legen, einen Besenstiel zwischen die Beine, Feldstecher aufsetzen und in den Nachthimmel schauen. So wackelt man kaum, und die Arme werden nicht zu schwer.
  • Wenig Aufwand, großer Erfolg: Mit Kamera und Teleobjektiv auf einem Stativ lassen sich Strukturen auf der Mondoberfläche gut erkennen und fotografieren. Eine Langzeitbelichtung des Nachthimmels mit Weitwinkelobjektiv zeigt die Erdbewegung, indem Sterne als Striche aufgenommen werden.
  • Das Internet nutzen: Jeder Hobby-Astronom kann sich heute sehr einfach über seriöse Seiten im Internet und über populärwissenschaftliche Veröffentlichungen informieren.
  • Für den Anfang braucht es keine teuren Beobachtungsgeräte: Aber nicht am falschen Ende sparen. Gute Optik, und wenn man fotografieren möchte eine Montierung, die die Erdbewegungsdrehung ausgleicht, sind das A und O.
  • Die Möglichkeiten, Beobachtungsgeräte und Fototechnik später aufzurüsten, sind unbegrenzt. Dabei kann man vieles selbst machen.
  • Astronomie macht vor allem in Gemeinschaft Spaß: Foren gibt es im Internet, einen Stammtisch etwa bei der Astronomischen Gesellschaft Buchloe. Und wenn die Corona-Einschränkungen mal vorbei sind, muss ein Besuch in der Buchloer Volkssternwarte sein. 

Wer gern Sternschnuppen sehen möchte, kann das in den kommenden Tagen tun: Die Perseiden bescheren uns hunderte Sternschnuppen am Nichthimmel.