Mein Tänzelfest

Was AZ-Redakteur Martin Frei am Tänzelfest besonders gefällt

Für eine Reportage zog AZ-Redakteur Martin Frei 2014 mit den Tänzelfest-Landsknechtstrommlern durch die Altstadt.

Für eine Reportage zog AZ-Redakteur Martin Frei 2014 mit den Tänzelfest-Landsknechtstrommlern durch die Altstadt.

Bild: Mathias Wild (Archiv)

Für eine Reportage zog AZ-Redakteur Martin Frei 2014 mit den Tänzelfest-Landsknechtstrommlern durch die Altstadt.

Bild: Mathias Wild (Archiv)

Als Umlandbewohner hat AZ-Redakteur Martin Frei zwar eine Außensicht auf das bunte Treiben in Kaufbeuren, angetan ist er vom Tänzelfest aber trotzdem.
10.07.2021 | Stand: 05:00 Uhr

In Kaufbeuren wäre in diesen Tagen die fünfte Jahreszeit. Eigentlich. Zum zweiten Mal fällt das Tänzelfest wegen der Corona-Pandemie aus. Die Kaufbeurer hoffen nun auf 2022. Bis dahin helfen Erinnerungen. Mitglieder unserer Redaktion blicken in den nächsten Tagen auf ganz persönliche Erlebnisse rund um Festzüge, Lagerleben und Rummel zurück.

Das mag den eingefleischten Kaufbeurer jetzt befremden. Aber während an einem normalen Tänzelfestwochenende, wie wir es hoffentlich im nächsten Jahr wieder erleben dürfen, nahezu die ganze Wertachstadt in einem bunten Treiben vibriert, geht nur wenige Kilometer außerhalb das ganz normale Leben weiter. Als ich vor einigen Jahren am Tänzelfestsonntag in einer Umlandgemeinde war, um dort über eine kulturelle Veranstaltung zu berichten, und etwas erstaunt nachfragte, ob denn der Termin so klug gewählt sei, gab es eine klare Antwort: „Das Tänzelfest ist ja vor allem was für die Kaufbeurer.“ Das ist so natürlich nicht korrekt, denn viele Besucher und auch Akteure der Festzüge und des Lagerlebens strömen aus dem Umland in die Stadt, und der Rummel und das Bierzelt sind auch bei vielen Ostallgäuern ein fester Termin im Festkalender. Aber es stimmt schon: Wer nicht unmittelbar damit aufgewachsen ist, muss sich erst einmal bewusst machen, welche Bedeutung das Tänzelfest für viele Kaufbeurer biografisch, emotional und auch ganz praktisch hat – selbst wenn sie schon lange irgendwo anders wohnen. Ein Aha-Erlebnis auch für mich, der ich zwar nicht weit von Kaufbeuren geboren bin, aber das Tänzelfest in seiner Gänze und Bedeutung erst erfasst habe, als die Wertachtstadt zu meinem Arbeitsort wurde.

Ein dicker Notizblock, der sich schnell füllte

Sehr hilfreich war dabei unter anderem der Lagerleben-Freitag 2014. Für eine Reportage reihte ich mich bei den Tänzelfest-Landsknechtstrommlern ein, die damals zum 20. Mal an dem bunten Treiben teilnahmen – natürlich stilecht mit einem geborgten Söldnerkostüm, wie es um 1500 getragen wurde, samt schicker, gelber Kappe. Statt Trommelschlägeln oder einer Fahne hatte ich beim Marsch durch die nächtliche Altstadt einen dicken Notizblock in der Hand. Und der war ziemlich schnell gefüllt mit begeisterten Erzählungen und Anekdoten der Gruppenmitglieder von ihren vielen Tänzelfesten, aber auch mit ernsthaften Erläuterungen zu den gespielten Trommelsignalen. Ebenfalls hochinteressant waren die Berichte, wie weit die Trommler, Fahnenschwinger und Marketenderinnen teilweise angereist sind, um beim Fest in der Heimatstadt dabei zu sein, und was sie so im richtigen Leben machen. Deutlich wurde auch, welche eingeschworene Gemeinschaft sich da jedes Jahr zusammenfindet, um die fünfte Jahreszeit in Kaufbeuren zu zelebrieren, aber auch zu organisieren.

Etwas ganz Außergewöhnliches für eine moderne Stadtgesellschaft

Eine gewisse Außensicht habe ich mir als Umlandbewohner auch nach vielen Jahren Tänzelfest-Berichterstattung bewahrt – und das ist als Journalist sicher nicht verkehrt. Aber ich muss respektvoll anerkennen, dass es schon etwas ganz Außergewöhnliches ist, dass sich eine moderne Stadtgesellschaft so freudig auf einen solchen gemeinsamen, positiven Nenner einigen kann, was selbst auf dem Dorf immer schwieriger wird. Ein Fest, das einmal im Jahr alle Alters- und sehr viele gesellschaftliche Gruppen zusammenbringt und so eine Identifikation mit dem Ort schafft, an dem man lebt. Solche sozialen „Lagerfeuer“, um die sich fast alle gerne scharen, sind selten geworden in einer Welt, die in (digitale) Meinungs- und Lebens-Blasen zu zerfallen droht.

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