Natur im Ostallgäu

Wegen des Klimawandels ändern Zugvögel ihre Flugrouten

Manche Vögel haben sich an die veränderten Klimabedingungen angepasst und nutzen das für sich. Die Mönchsgrasmücke fliegt etwa nur bis in den Mittelmeerraum und kehrt bei mildem Wetter früher zurück.

Manche Vögel haben sich an die veränderten Klimabedingungen angepasst und nutzen das für sich. Die Mönchsgrasmücke fliegt etwa nur bis in den Mittelmeerraum und kehrt bei mildem Wetter früher zurück.

Bild: Johannes Selmansberger

Manche Vögel haben sich an die veränderten Klimabedingungen angepasst und nutzen das für sich. Die Mönchsgrasmücke fliegt etwa nur bis in den Mittelmeerraum und kehrt bei mildem Wetter früher zurück.

Bild: Johannes Selmansberger

Viele verkürzen die Wege, etwa Weißstörche, die in Spanien statt in Afrika überwintern. Immer mehr Arten versuchen ihr Glück sogar daheim im Ostallgäu.
19.09.2022 | Stand: 18:18 Uhr

Im Herbst machen sich die Zugvögel wieder auf den Weg und sind vermehrt in der Natur zu beobachten. Der Klimawandel beeinflusst jedoch Abflugzeiten und Flugstrecken. Der richtige Zeitpunkt des Zuges ist abgestimmt auf das Futter in den Durchzugs- und Überwinterungsgebieten. Immer mehr Vögel versuchen ihr Glück daheim. Josef Kreuzer, Vorsitzender der Bund Naturschutz-Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren erklärt, warum.

„Auch Zugvögel müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Manchmal lässt sich das im heimischen Garten beobachten, dort dürften sich im Moment besonders viele kleinere Vögel tummeln“, sagt Kreuzer. Oft fielen diese Tiere nur auf, weil sie entweder gar nicht im Garten vorkommen oder weniger häufig zu beobachten sind. Kleine Zugvögel, die keine Thermik benötigen, seien vor allem nachts unterwegs. „Tagsüber ruhen sie sich aus und suchen nach Nahrung.“

Auch kleine Vögel machen sich auf den Weg

Beim Vogelzug denken viele Menschen eher an große Vögel wie Kraniche, Störche oder Gänse. Aber es sind eben auch die kleinen Vögel, die unterwegs sind: „Die kleinen olivbraunen Fitisse oder die graubraunen Dorngrasmücken mit der auffälligen weißen Kehle etwa bewegen sich tagsüber in kleineren Grüppchen von Garten zu Garten. Nachts können sie längere Strecken zurücklegen. Der Abzug aus dem Brutgebiet erfolgt ab September, sie überwintern in Afrika südlich der Sahara.“

Starenschwärme lassen sich ebenfalls im September und Oktober gut beobachten. Manchmal scharen sich viele hundert Tiere zusammen und bieten ein Naturschauspiel in der Luft und ein Konzert in Baumkronen oder auf den Hochspannungsleitungen, wenn sie sich für den nächsten Abflug sammeln.

Doch Fernreisen sind out: Aufgrund des Klimawandels sei ein anderes Verhalten der Zugvögel zu beobachten. Viele verkürzen die Wege, etwa Weißstörche, die in Spanien statt in Afrika überwintern. Manche Arten bleiben ganz im heimischen Brutgebiet. „Das ist allerdings gefährlich. Fällt der Winter doch kalt und schneereich aus, finden die Tiere keine Nahrung und sterben“, sagt Kreuzer besorgt.

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Manchen Arten machen die veränderten Bedingungen zu schaffen, etwa dem Trauerschnäpper. Er konkurriere mit den daheim gebliebenen Vögeln um Brutplätze. Wenn aber die Regenzeit im afrikanischen Überwinterungsgebiet schwächer ausfällt, könne er sich nicht rechtzeitig die Energie für den Rückflug anfressen.

Manche Vögel haben sich an die veränderten Klimabedingungen angepasst

Andere Vögel haben sich an die veränderten Klimabedingungen angepasst und nutzen das für sich. Die Mönchsgrasmücke fliege nur bis in den Mittelmeerraum. „Wenn sie merkt, dass das Wetter mild ist, fliegt sie zurück, legt früher Eier und verlässt uns später im Herbst“, so Kreuzer.

Viele bayerische Mönchsgrasmücken haben ihre Route komplett geändert und fliegen nicht mehr nach Spanien, sondern nach Großbritannien. Dort finden die Tiere auch im Winter genug Nahrung. „Die Mönchsgrasmücken, die dorthin fliegen, kehren früher und gut genährt zurück und können dann auch die besseren Reviere besetzen, als ihre spanischen Kollegen“, erklärt der Vorsitzende abschließend.