Fachkräftemangel

Wenn Kommunen auf Kollegensuche sind, brauchen Bürger viel Geduld

Ein Großprojekt in Mauerstetten ist der Bau der neuen Dreifachsporthalle. Im Frühsommer 2021 soll die bislang größte Baumaßnahme der Gemeinde fertig sein.

Ein Großprojekt in Mauerstetten ist der Bau der neuen Dreifachsporthalle. Im Frühsommer 2021 soll die bislang größte Baumaßnahme der Gemeinde fertig sein.

Bild: Mathias Wild

Ein Großprojekt in Mauerstetten ist der Bau der neuen Dreifachsporthalle. Im Frühsommer 2021 soll die bislang größte Baumaßnahme der Gemeinde fertig sein.

Bild: Mathias Wild

In den Verwaltungen fehlen Mitarbeiter, auch in der Gemeinde Mauerstetten. Warum die Bürger wohl noch länger auf das neue Baugebiet warten müssen

15.08.2020 | Stand: 18:30 Uhr

Der Fachkräftemangel in Deutschland trifft nicht nur Unternehmen der freien Wirtschaft – auch viele Kommunen suchen händeringend nach gut ausgebildetem Personal. Verwaltung, Bauamt, IT-Wesen oder Kläranlagen – in nahezu allen Sparten fehlen Mitarbeiter. Anträge stapeln sich, politische Beschlüsse können nicht zeitnah umgesetzt werden, denn neue Kräfte zu gewinnen ist nicht leicht. Wie sich das konkret auswirkt, zeigt sich aktuell in Mauerstetten.

Die Gemeinde hat derzeit drei große Projekte zu stemmen – die neue Dreifachsporthalle befindet sich mitten im Bau, ein neues Feuerwehrhaus ist in der Planung, es muss ein Standort für einen neuen Kindergarten gefunden und der Kindergarten St. Vitus erweitert werden. Obendrein soll das neue Wohnbaugebiet „Pauluswiese“ entstehen. Der mögliche Baubeginn wurde schon einmal verschoben. Das Problem: in der Verwaltung mangelt es an Personal, das sich um all diese Projekte kümmert.

Feuerwehr und Kinderbetreuung sind Pflichtaufgaben

Wie man es auch dreht und wendet – momentan gebe es keine andere Möglichkeit, als das eine oder andere Projekt hintanzustellen. Dass an der Dreifachsporthalle planmäßig weitergebaut wird, steht für Holderried außer Frage, ein Baustopp sei unmöglich. Auch das neue Feuerwehrhaus dulde keinen Aufschub mehr: „Die Feuerwehr gehört zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde, die kann ich nicht zugunsten eines Baugebietes vernachlässigen.“ Genauso sei es bei den Kindergartenplätzen, schließlich haben Eltern einen Rechtsanspruch darauf. Das Baugebiet sei also das einzige Projekt, das man noch einmal aufschieben könne, ohne Schaden anzurichten. Das sieht Alexandra Danzinger ganz anders. Die gebürtige Frankenriederin habe darauf vertraut, dass es in Mauerstetten Bauplätze für Einheimische an der Pauluswiese geben wird.

Transparenz vermisst

Mit ihrem Mann und den beiden Söhnen möchte sie sich gern in ihrer Heimatgemeinde niederlassen, „aber falls sich der Gemeinderat dazu entschließt, die Vergabe der Bauplätze um ein Jahr zu verschieben, wird dies für uns leider zu spät sein“. Denn die Familie ist vor Kurzem aus dem Raum Nürnberg zurück ins Ostallgäu gezogen und – in der Hoffnung auf einen Bauplatz – einen auf anderthalb Jahre befristeten Mietvertrag eingegangen. „Transparenz über die Arbeitsbelastung durch zu viele gleichzeitige Projekte und Personalmangel wäre vor der Wahl ehrlich und korrekt gewesen“, findet Danzinger.

Sich darauf zu verlassen, einen Platz in einem Baugebiet zu bekommen, auf das man sich noch gar nicht bewerben kann, findet Holderried gewagt. Von den insgesamt 20 geplanten Bauplätzen sollen pro Jahr drei bis vier vergeben werden, da könne man nicht damit rechnen, zu den ersten zu gehören, die einen Zuschlag bekommen. Über die Priorität der einzelnen Projekte will der Gemeinderat am 10. September entscheiden.

Das Problem der fehlenden Mitarbeiter wird sich bis dahin allerdings nicht lösen. So sei laut Bürgermeister Armin Holderried eine Bauamtsstelle seit anderthalb Jahren nicht besetzt – immerhin habe man nun einen passenden Kandidaten gefunden, der im Oktober seine Arbeit aufnehmen soll. Die Gemeinde ist in relativ kurzer Zeit stark gewachsen. Die Zahl der Einwohner liegt aktuell bei 3300 und ist damit in den letzten 30 Jahren um 25 Prozent angestiegen.

Stundenzahl wie vor 30 Jahren

Im Gegensatz zur Anzahl der zur Verfügung stehenden Mitarbeiter-Wochenstunden – die liege derzeit bei 171, „und damit auf dem Stand von vor 30 Jahren“, beschreibt Holderried die Situation. Die wachsende Bevölkerungszahl bringe aber einen erhöhten Bedarf an Kinderbetreuungs- und Bauplätzen mit sich, um den man sich im Rathaus kümmern muss. Zugleich seien die Herausforderungen an die Verwaltung durch komplexere Verfahren gestiegen. 60 zusätzliche Stunden seien deshalb nötig. Zudem habe die Corona-Krise viele Pläne über den Haufen geworfen, wie Holderried erklärt. Weil über mehrere Wochen keine Gemeinderats- und Bauausschusssitzungen stattfinden durften, konnten auch keine Entscheidungen getroffen werden.

Von vielen Aufgaben, die das Alltagsgeschäft einer Gemeindeverwaltung bestimmen, bekomme der Bürger nichts mit. Als Beispiel nennt Holderried die dringend anstehende Schadensbegutachtung des Kanalnetzes. Die Abwasserentsorgung ist eine kommunale Pflichtaufgabe, Bürger haben Anspruch auf den reibungslosen Betrieb und setzen dies als selbstverständlich voraus. „Es sind eben nicht allein die großen Projekte, die Arbeitskraft im Rathaus binden“, sagt der Bürgermeister.