Vokalmusik

Wie der Via-Nova-Chor zwei Tage in 90 Minuten packt

Coronabedingt mit 18 statt mit den üblichen gut 45 Mitwirkenden konzertierte Via-Nova-Chor unter der Leitung von Kerstin Behnke.

Coronabedingt mit 18 statt mit den üblichen gut 45 Mitwirkenden konzertierte Via-Nova-Chor unter der Leitung von Kerstin Behnke.

Bild: Mathias Wild

Coronabedingt mit 18 statt mit den üblichen gut 45 Mitwirkenden konzertierte Via-Nova-Chor unter der Leitung von Kerstin Behnke.

Bild: Mathias Wild

In der Kaufbeurer Martinskirche gibt das hochkarätige Ensemble sein erstes Konzert nach dem Corona-Lockdown. Auf dem Programm stehen gleich vier Uraufführungen.
Coronabedingt mit 18 statt mit den üblichen gut 45 Mitwirkenden konzertierte Via-Nova-Chor unter der Leitung von Kerstin Behnke.
Von Redaktion Kaufbeuren
11.10.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Für Chöre waren und sind Monate der Corona-Pandemie einschneidend. Auch wenn gemeinsames Singen seit Juli wieder erlaubt ist, können die meisten Ensembles nur in Kleingruppen die Probenarbeit wieder aufnehmen. Das gilt auch für den renommierten Via-Nova-Chor, mehrfacher Preisträger beim Deutschen Chorwettbewerb. Gerade einmal 18 von insgesamt gut 45 Mitgliedern dürfen unter den aktuellen Hygienevorschriften gemeinsam im Probenraum singen.

Vom "Morgengebet" bis zum "Abendsegen"

Auch wenn diese Lösung alles andere als optimal sei, wie die künstlerische Leiterin Kerstin Behnke beim Konzert in der Kaufbeurer Martins-kirche erklärte, sei es ihr doch wichtig, nicht zu resignieren, sondern aktiv in die Zukunft zu schauen. So probte der Chor in den vergangenen Wochen in zwei Gruppen und erarbeitete zwei verschiedene und doch sehr ähnliche Programmteile: Beide spiegeln mit Kompositionen von Heinrich Herzogenberg, Gerald Finzi, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Hugo Distler jeweils einen musikalischen Tagesablauf vom „Stündlein vor dem Tage“ oder „Morgengebet“ bis zum „Abendsegen“ oder dem „Nachtgesang“.

Unter der Leitung von Kerstin Behnke

Klangschön, mit musikalisch gestalteten Bögen, großer Klarheit und Ausgeglichenheit präsentiert sich das hochprofessionelle und preisgekrönte Laien-Ensemble unter der Leitung von Behnke bei seinem ersten Auftritt nach der Corona-Zwangspause in der Wertachstadt.

In der Zeit des Stillstands blieben die Verantwortlichen des Chores aktiv und schrieben kurzerhand einen Kompositionswettbewerb aus. Unter allen Einsendungen – es kamen innerhalb von zwei Wochen mehrere Dutzend zusammen – wurden vier Komponisten ausgewählt. Die junge Tonsetzerin und begnadete Sängerin Elisabeth Fußeder, derzeit noch Schülerin an der Berufsfachschule für Musik in Nürnberg, und der immer wieder als Komponist in Erscheinung tretende Kirchenmusiker Mathias Rehfeldt setzten sich musikalisch mit dem Text „Ich sah einen hohen, schwarzen Wald“ von Emerenz Meier auseinander. Das darin vorherrschende Gefühl der Verlassenheit und Einsamkeit führt in deren Vertonungen bis zum Verlust der Klänge und zum rein gesprochenem Text.

"Dich führt der Weg"

Die beiden 57- und 79-jährigen Komponisten Lutz Landwehr von Pragenau und Klaus Hinrich Stahmer nahmen sich des Gedichts „Bist du nie des nachts durch Wald gegangen“ von Christian Morgenstern an, bei dem schließlich das Wissen „Dich führt der Weg“ das Bangen überwindet. Auch wenn das Konzert vom Publikum nur zögerlich angenommen wurde, so war es doch ein hoffnungsvoller musikalischer Wiederbeginn mit eindrucksvollen, abwechslungsreichen Uraufführungen. Dazu kam die Ermutigung, schwierige Phasen mit Kreativität zu überwinden – ganz im Sinne von Morgensterns Optimismus: „Dich führt der Weg“.