Kaufbeuren

Wie sich Ernst Holy für ein gemeinsames Europa engagiert

Ernst Holy mit den Wimpeln der Partnerstädte im historischen Sitzungssaal des Rathauses.

Ernst Holy mit den Wimpeln der Partnerstädte im historischen Sitzungssaal des Rathauses.

Bild: Mathias Wild

Ernst Holy mit den Wimpeln der Partnerstädte im historischen Sitzungssaal des Rathauses.

Bild: Mathias Wild

Der Stadtrat ist sozusagen der Außenminister Kaufbeurens und Beauftragter für Städtepartnerschaften. Warum er auf baldige Treffen hofft
21.08.2020 | Stand: 06:15 Uhr

Egal, wer gerade an der Spitze der vier Städte steht, die Partnerschaften sollen immer weiter gehen. Das wünscht sich Ernst Holy. Der langjährige Stadtrat ist der neue Beauftragter für Städtepartnerschaften des Gremiums. Als Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereins ist er geradezu prädestiniert dafür. Und als Dritter Bürgermeister fungierte er von 2002 bis 2020 auf Wunsch von Oberbürgermeister Stefan Bosse als Außenminister der Stadt. Das soll er nun auch als Beauftragter des Stadtrats bleiben. Im Moment kann er allerdings nur von Kaufbeuren aus agieren, denn die geplanten Treffen der Partnerstädte fallen derzeit der Corona-Pandemie zum Opfer.

Drei Partnerstädte hat Kaufbeuren inzwischen das italienische Ferrara (seit 1991), das ungarische Szombathely (seit 1992) und das tschechische Gablonz an der Neiße (seit 2009). Holy steht seit 2005 an der Spitze des Partnerschaftsvereins. Damals starb dessen rühriger Geschäftsführer Egon Guggemos, Alt-OB Rudolf Krause war Vorsitzender. Holy hatte den beiden schon im Vorfeld versprochen, im Falle eines Falles Verantwortung zu übernehmen. Geschäftsführer wurde László Kasztner. „Ich konnte mir damals gar nicht vorstellen, was auf mich zukommt. Mir war nur wichtig, mein Wort gegenüber Egon Guggemos zu halten“, sagt Holy rückblickend. Nach und nach arbeitete er sich in das Ehrenamt ein. Es gab bereits zahlreiche Kontakte der Kaufbeurer in die Partnerstädte. Zum Beispiel die Verbindung der Stadtpfarrei St. Martin zum Geburtsort des heiligen Martin in Ungarn, die Freundschaft der Musikvereinigung Neugablonz mit der Mlada Dechovka in Tschechien oder die Verbundenheit der italienischen Contrada San Giorgio mit dem Tänzelfest.

Holy wuchs nach und nach in die Partnerschaften hinein. Nach wie vor freut es ihn, wenn er „für ein gemeinsames Europa ein kleines Rädchen mit drehen kann“. Bei persönlichen Begegnungen „fallen viele Vorurteile weg“, hat Holy immer wieder erfahren. Die Städtepartnerschaften ermöglichen nicht nur einen Austausch mit den Menschen in den vier Städten, sondern auch mit denen in den weiteren Partnerstädten Ferraras, Szombathely und Gablonz’. Holys Eindruck dabei: „Die Menschen können miteinander, oft ist es nur die große Politik, die Sand ins Getriebe bringt.“

Seine Erfahrungen wollte laut Holy auch die neue Koalition aus CSU und Grünen in Kaufbeuren nutzen und fragte den KI-Fraktionssprecher, ob er den Posten des Beauftragten übernimmt und auch ohne Bürgermeisteramt Außenminister bleibt. Holy nahm gerne an. Wichtig ist ihm, dass er überparteilich arbeitet. „Die Oberbürgermeister der Städte müssen auswechselbar sein, die Partnerschaften dürfen dadurch nicht wegbrechen“, sagt der 64-Jährige pensionierte Polizeibeamte. Bisher habe das stets sehr gut geklappt. Bei Wechseln an den Stadtspitzen sei immer rechtzeitig Kontakt geknüpft worden und die neuen Amtsinhaber hätten die Gepflogenheiten ohne großen Änderungen übernommen. Hauptziel Holys ist es, dass dies so bleibt. Zudem möchte er weiterhin dafür sorgen, dass die Jugend, Schulen, Kultur und Sport die Partnerschaften leben. Einmal im Jahr soll es zumindest in eine Partnerstadt eine Busfahrt geben. Leider habe die Corona-Pandemie viele geplante Treffen ausfallen lassen. Gestrichen wurden heuer sowohl der Palio in Ferrara, das Tänzelfest in Kaufbeuren, der Karneval in Szombathely als auch das Herbstfest in Gablonz. Die Verbindungen können derzeit nur per Internet aufrechterhalten werden. Auf Dauer gehe das freilich nicht: „Das ersetzt nie die persönlichen Kontakte“, sagt Holy und hofft darauf, dass es nächstes Jahr wieder Begegnungen gibt.