Autofahren im Winter

Glatteis, Schneetreiben & Co: Die Lizenz zum Wechseln

Fuat Dönmez von Reifen Feneberg in Kaufbeuren hat zurzeit alle Hände voll zu tun in der Werkstatt.

Fuat Dönmez von Reifen Feneberg in Kaufbeuren hat zurzeit alle Hände voll zu tun in der Werkstatt.

Bild: Mathias Wild

Fuat Dönmez von Reifen Feneberg in Kaufbeuren hat zurzeit alle Hände voll zu tun in der Werkstatt.

Bild: Mathias Wild

Der nahende Winter läutet die Hochsaison ein. Da montiert eine Werkstatt schon einmal über 5000 Reifen bis November. Vor allem Lagerplatz ist gefragt.
23.10.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Der Schlagschrauber klackt im Takt, das Team von Reifen Noack um Chef Ayhan Arslan arbeitet im Akkord. Die Übergangszeit von Herbst zum Winter ist Hochphase für die Reifenhändler. Denn sobald die Tage kälter werden und sich die erste Glätte ankündigt, empfehlen Experten, nicht mehr mit Sommerreifen zu fahren. Deshalb lassen die meisten Menschen ihre Autos rechtzeitig für den Winter umrüsten. (Dazu: So wird das Wetter im Allgäu die nächsten Tage)

Der Winter kommt: Schneefallgrenze bei 1200 Metern

„Sobald im Radio oder in der Zeitung angekündigt wird, dass es irgendwo schneit, haben wir hier Andrang“, sagt Rabia Arslan, die mit ihrem Mann Ayhan das Geschäft vor fünf Jahren übernommen hat. Und da in dieser Woche Schnee bis auf 1200 Meter angekündigt war, stehen die Autos bei Reifen Noack Schlange – teilweise bis an die Straße und weiter. Zwischen 40 und 60 Wagen am Tag schafft das Werkstattteam nach eigener Angabe in der Hochsaison von September bis November. „Ohne Auswuchten und Ummontieren brauchen wir für einen Wechsel etwa 20 Minuten“, erklärt Rabia Arslan. (Dazu: Experte rät - Beim Reifenwechsel lieber den Profi ranlassen)

Wichtig sei es, die Winterreifen vor der ersten Glätte zu montieren, denn Gummimischung und Profil der Sommerreifen seien nicht für kalte Temperaturen geeignet, erklärt sie. Winterreifen hätten durch das weichere Material einen besseren Halt auf den Straßen oder auf dem Schnee, so Arslan. Der Bremsweg verkürze sich dadurch massiv. Bei den eigenen Autos kommt das Reifenteam dem ganzen Trubel zuvor. Sie wechseln ihre Reifen bereits Mitte September: „Wir finden sonst nie die Zeit.“

Aus Angst vor Corona-Ansteckung die Winterreifen durchgefahren

Auch bei Reifen Feneberg in der Augsburger Straße herrscht dieser Tage Hochbetrieb. „Für diese Temperaturen haben wir sehr viel zu tun“, sagt Niederlassungsleiter Franz Hartmann mit Blick auf das aktuell noch recht warme Wetter. Die vier Mitarbeiter in der Werkstatt seien derzeit fast ausschließlich mit Reifenwechseln beschäftigt. Am Ende der Saison hätten sie so in der Regel zwischen sechs- und siebenhundert Autos umgerüstet. (Sturmwarnung fürs Allgäu: Sturm "Ignatz" fegt über Deutschland)

Das heißt, die Mitarbeiter wechseln pro Saison zwischen 2400 und 2800 Reifen. Zwar seien vergangenes Jahr weniger Kunden gekommen, aber heuer seien die Zahlen „wieder normal“. Aus Angst vor einer Ansteckung mit Corona hätten 2020 viele Menschen Kontakte vermieden. „Viele sind ihre Winterreifen deshalb vergangenes Jahr einfach durchgefahren“, erzählt Hartmann.

Mehrere Tausend Reifen auf Lager

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Auch wenn heuer scheinbar alles wieder beim Alten ist – einen Trend bemerken beide Reifenspezialisten: Immer mehr Menschen lassen ihre Reifen einlagern. „Das hat ganz stark zugenommen“, sagt Hartmann. Allein ihr Betrieb habe 430 Sätze im Lager. Das entspricht über 1700 Reifen. Auch die Arslans bemerken die steigende Nachfrage nach Lagerplatz. Das Team von Reifen Noack hat an fünf Lagerstellen sogar 1300 Sätze eingelagert. Das entspricht 5200 Reifen. Wie findet da denn im Frühjahr jeder Reifen sicher zu seinem Besitzer?

„Wir lagern in Regalen. Dabei ordnen wir nach Autohersteller, Kundenname und Kennzeichen“, erklärt Rabia Arslan. Dunkel, kühl und luftig mögen es die Sommerreifen. Schmier- und Lösungsmittel sollten dem Gummi fernbleiben, erklärt die Fachfrau weiter. „Die Temperatur sollte dabei nicht unter den Gefrierpunkt sinken und nicht über 25 Grad liegen, um das Material nicht zu belasten.“

Doch wieso wollen die Menschen ihre Reifen nicht mehr zuhause haben? „Die Fahrzeuge werden immer größer“, und deshalb auch die Reifen. Darin vermutet zumindest Franz Hartmann den Ursprung des Trends.

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