Kaufbeuren/Ostallgäu

Zoff auf dem Weg zum Eishockey

Gericht 29-jähriger Ostallgäuer randaliert nach Faschingsumzug
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Von bbm
12.02.2020 | Stand: 15:42 Uhr

Es begann als feuchtfröhlicher Faschingsnachmittag und endete auf der Anklagebank des Kaufbeurer Amtsgericht: Ein heute 29-jähriger Ostallgäuer wollte am Faschingssonntag des vergangenen Jahres nach dem Besuch des Marktoberdorfer Umzugs noch zu einem Eishockey-Spiel nach Kaufbeuren fahren und wartete am Bahnhof auf den Zug. Als der alkoholisierte junge Mann dann nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Eishockey-Fan von der Polizei kontrolliert wurde, stieß er einen Beamten mit beiden Händen kräftig vor den Oberkörper.

Anschließend wehrte er sich gegen das Anlegen von Handfesseln und drohte dem Polizisten mit den Worten „Wenn Du mich noch einmal anlangst, schlage ich Dich tot“. Des Weiteren überzog er den Beamten und zwei andere Polizisten mit Beleidigungen. Vor Gericht war der bislang unbescholtene junge Mann jetzt einsichtig und weitgehend geständig. Er wurde zu 160 Tagessätzen von je 70 Euro verurteilt – insgesamt also zu einer Geldstrafe in Höhe von 11 200 Euro. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Im Einzelnen erfolgte der Schuldspruch wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie Beleidigung und Bedrohung. Dazu kam noch eine Verurteilung wegen Körperverletzung: Ein anderer Eishockey-Fan war damals am Bahnhof nach einem Zusammenstoß mit dem Angeklagten nach hinten zu Boden gestürzt und hatte eine Gehirnerschütterung und Abschürfungen an den Ellbogen erlitten.

Wie es zu dem Sturz gekommen war, darüber gingen die Darstellungen der Beteiligten auseinander. Während der 28-jährige Geschädigte einen gezielten Stoß des Angeklagten schilderte, sprach dieser von einem „Unfall“. Seiner Version nach waren er und der Zeuge beim Singen von Fan-Liedern voreinander hochgesprungen. Er sei dabei an der Nase getroffen worden und habe sein Gegenüber von sich weggedrückt.

Weil in diesem Punkt Aussage gegen Aussage stand, ging die Richterin in ihrem Urteil zugunsten des Angeklagten nur von einer fahrlässigen Körperverletzung aus. Sie blieb deshalb auch beim Strafmaß etwas unter dem ursprünglichen Strafbefehl, in dem der Vorfall als vorsätzliche Körperverletzung gewertet worden war. Die Staatsanwältin hielt diesen Tatbestand dagegen für erwiesen und beantragte wie im Strafbefehl 180 Tagessätze zu je 70 Euro.

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Am tätlichen Angriff auf den Polizisten, der auch von einer Überwachungskamera aufgezeichnet wurde, hatten beide Juristinnen keinen Zweifel. Der Beamte und ein Kollege hatten als Zeugen geschildert, dass der Angeklagte schon vor der Kontrolle durch respektloses Verhalten aufgefallen sei und die Polizei als „lächerlich“ bezeichnet habe. Der Verteidiger hatte den Stoß seines Mandanten im Plädoyer nicht als Angriff, sondern lediglich als Widerstandshandlung gesehen. Er gehe davon aus, dass sich der Ostallgäuer „der Situation entziehen wollte“.

Der Angeklagte selbst hatte eine Art Ausbruchsversuch geschildert, um noch rechtzeitig zum Zug zu gelangen. Er räumte aber grundsätzlich ein, dass sein Verhalten nicht in Ordnung war und entschuldigte sich bei allen Geschädigten.

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