Viel Alkohol war im Spiel

Zoff um Abstandsregeln vor Kaufbeurer Getränkemarkt eskaliert

Aus einem Feierabendbier wurden mehrere. Schließlich endete der Abend mit Handgreiflichkeiten.

Aus einem Feierabendbier wurden mehrere. Schließlich endete der Abend mit Handgreiflichkeiten.

Bild: Tobias Hase/dpa (Symbol- und Archivbild)

Aus einem Feierabendbier wurden mehrere. Schließlich endete der Abend mit Handgreiflichkeiten.

Bild: Tobias Hase/dpa (Symbol- und Archivbild)

Zwei Kollegen wollten eigentlich gemütlich ein Feierabendbierchen trinken. Dann kommt es zu einer Rangelei, einer rastet aus und wirft sogar mit einem Fahrrad.

07.09.2020 | Stand: 12:45 Uhr

Es begann als gemütliches Treffen zweier Kollegen zum Feierabend-Bier und endete in einem Strafverfahren vor dem Amtsgericht. Die beiden Männer hatten sich im Mai vor einem Kaufbeurer Getränkemarkt unterhalten, als zwei Betrunkene dazu kamen. Zunächst war alles friedlich, bis einer der beiden Neu-Ankömmlinge seinem 47-jährigen Gegenüber immer penetranter auf die Pelle rückte.

Plötzlich kippt die Stimmung

Als dieser ihn zum Abstandhalten aufforderte, kippte die Stimmung. Der 28-Jährige ging kurz weg, kam zurück und und rannte den Mann um. Dieser erlitt beim Sturz Abschürfungen an den Händen. Das Körperverletzungsverfahren gegen den bislang unbescholtenen Angeklagten wurde jetzt gegen eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro eingestellt.

Sein damaliger Begleiter, der laut Anklageschrift bei der anschließenden Rangelei mitgemischt haben soll, hätte nach Einschätzung seines Verteidigers gute Chancen auf einen Freispruch gehabt: Die Beweisaufnahme habe keine Hinweise auf einen Tatbeitrag ergeben. Letztlich waren der 26-Jährige und sein Anwalt aber auch mit einer Verfahrenseinstellung ohne Auflagen zufrieden.

"Einige Bierflaschen standen herum"

Warum die Situation damals nach anfänglicher Harmonie eskaliert war, ließ sich jetzt vor Gericht nicht im Detail ergründen. Es wurde allerdings deutlich, dass die beiden Angeklagten erheblich alkoholisiert waren. Der Geschädigte erinnerte sich daran, dass ihm die beiden schon vor dem Vorfall aufgefallen seien, weil sie sich in der Nähe aufhielten und „einige Bierflaschen um sie herum standen.“ Sein Kollege gab an, dass insbesondere der Hauptangeklagte unsicher auf den Beinen gewesen sei. Als der Richter den Zeugen nach einer genaueren Einschätzung der Alkoholisierung fragte, sagte dieser: „Wenn das ein Freund von mir wäre, würde ich dem nur noch Wasser geben.“ Der 34-Jährige hatte damals eingegriffen, nachdem der Hauptangeklagte seinen Kollegen zu Fall gebracht hatte und mit diesem rangelte. Der Zeuge half dem Geschädigten, den jungen Mann festzuhalten. Er befand sich dabei ebenfalls am Boden und brachte offenbar von dort aus den zweiten Angeklagten zu Fall. Dieser sei direkt neben seinem Gesicht gestanden und habe „nervös mit den Füßen gezappelt“ - was ihm letztlich „zu unheimlich“ gewesen sei. Tritte oder Schläge des 27-Jährigen hatte aber keiner der beiden Zeugen wahrgenommen. Deshalb ließ sich der ursprüngliche Anklagevorwurf der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung nach Einschätzung aller Verfahrensbeteiligten nicht halten.

Fahrrad und Werbeschild geworfen

Nach der Rangelei hatte sich die Lage offenbar kurzzeitig beruhigt. Dann rastete der Hauptangeklagte erneut aus und warf ein Fahrrad und einen Werbe-Aufsteller in Richtung des Arbeitskollegen des Geschädigten - ohne diesen zu treffen. Ob es sich tatsächlich um gezielte Würfe gehandelt hatte, und ob der Betrunkene dazu überhaupt noch in Lage gewesen wäre, hätte sich wohl nur schwer klären lassen. Der Richter schätzte eine mögliche Schuld des 28-Jährigen in diesem Anklagepunkt als „sehr, sehr gering“ ein. Er machte sinngemäß deutlich, dass auch der erste Vorfall bei weitem nicht so gravierend war, wie ursprünglich angenommen, und regte deshalb eine Verfahrenseinstellung gegen eine Geldauflage an.