Prozess in Kaufbeuren

Zwei Männer streiten sich wegen Salz im Tee

Wegen eines schlechten Scherzes sind zwei Männer 2018 in Streit geraten. Vor Gericht widersprechen sich die Beiden.

Wegen eines schlechten Scherzes sind zwei Männer 2018 in Streit geraten. Vor Gericht widersprechen sich die Beiden.

Bild: Mathias Wild (Symbolfoto)

Wegen eines schlechten Scherzes sind zwei Männer 2018 in Streit geraten. Vor Gericht widersprechen sich die Beiden.

Bild: Mathias Wild (Symbolfoto)

Im Oktober 2018 geraten zwei Männer in Kaufbeuren aneinander. Vor Gericht machen sie jetzt widersprüchliche Aussagen. Wer hat den Streit damals begonnen?
25.09.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Ein Strafprozess wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung war jetzt von derart widersprüchlichen Aussagen geprägt, dass sich der genaue Hergang des Vorfalls nicht mehr klären ließ. Letztlich stand nach der Beweisaufnahme vor dem Amtsgericht nur eines mit Sicherheit fest: Ende Oktober 2018 war es vor einem Lebensmittelgeschäft in Kaufbeuren zwischen einem heute 25-jährigen Syrer und einem 26-jährigen Landsmann zu einer Auseinandersetzung gekommen, nach der beide Männer Blessuren im Gesicht hatten.

Von wem das Ganze ausgegangen war, ließ sich nicht feststellen. Auch zu einer angeblichen Beteiligung von zwei weiteren Personen gingen die Aussagen weit auseinander. Die beiden 24 und 26 Jahre alten Freunde des Hauptangeklagten wurden deshalb ebenso wie dieser freigesprochen.

Schlechter Scherz

Hintergrund der Konfrontation war offenbar ein schlechter Scherz gewesen: Wie sich der Hauptangeklagte im Prozess erinnerte, hatte er seinen Kontrahenten ein halbes Jahr vor dem Vorfall eingeladen, um mit ihm und anderen Landsleuten Tee zu trinken. Einer der Anwesenden habe dem Besucher dann aus Spaß Salz in das Getränk geschüttet. Dieser reagierte offenbar wenig erfreut und hielt den Angeklagten für den Übeltäter. Beim zufälligen Zusammentreffen vor dem Lebensmittel-Geschäft kochte der Konflikt dann erneut hoch. Laut der Zeugenaussage des angeblichen Opfers sei ein Rempler seines Kontrahenten der Auslöser gewesen.

Der Angeklagte schilderte die Situation genau umgekehrt. Beide Männer warfen sich vor, danach als erster zugeschlagen zu haben. Der Zeuge wollte auch noch einen Schlag mit einer Flasche erhalten haben, während ihn die zwei Freunde des Hauptangeklagten von hinten festhielten. Alle drei Angeklagten bestritten die Vorwürfe ganz entschieden. Einer von ihnen verwies darauf, dass er aufgrund einer Knieverletzung gar nicht zu einer aktiven Beteiligung am Geschehen in der Lage gewesen wäre.

Zeuge hilft auch nicht weiter

Auch ein Zeuge, der damals zufällig vor Ort war, konnte jetzt nichts zur Aufklärung beitragen. Seine Aussage war in weiten Teilen widersprüchlich und stimmte mit keiner der bisher vorgetragenen Varianten überein. Anschließend gab der Richter zu bedenken, ob die Vernehmung eines weiteren Zeugen überhaupt Sinn mache: Nach nunmehr zwei Jahren sei letztlich wohl nicht mehr feststellbar, „welche Version der Wahrheit entspricht“. So sahen es auch die Staatsanwältin und die Verteidigerin des Hauptangeklagten.