Fußball-EM 2021

Das Allgäu strahlt grün-weiß-rot: Der Kaufbeurer Toni Pisanu lässt das Finale Revue passieren

Kempten Italiener feiern EM-Sieg

Ausgelassen feierten auch die Tifosi im Allgäu den EM-Titel: Auf dem Kemptener Residenzplatz versammelten sich Sonntagnacht etwa 600 Italiener.

Bild: Ralf Lienert

Ausgelassen feierten auch die Tifosi im Allgäu den EM-Titel: Auf dem Kemptener Residenzplatz versammelten sich Sonntagnacht etwa 600 Italiener.

Bild: Ralf Lienert

Nach dem Finalsieg feiern Tausende Tifosi den Italiens EM-Titel, auch der Kaufbeurer Toni Pisanu. Warum der Ex-Jugendleiter die britischen Fans kritisiert.
12.07.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Egal ob Memmingen, Kempten oder Kaufbeuren: Das Allgäu strahlt momentan grün-weiß-rot. Der Sieg der Squadra Azzurra im Finale der Fußball-EM zeigt einmal mehr, wie viele Italiener hier heimisch sind und auch wie richtig gefeiert wird.

Allein in der Kemptener Innenstadt tummelten sich nach dem Sieg über 600 Tifosi, feierten ihre Mannschaft und zeigten ihren Nationalstolz – unverkennbar und unüberhörbar in der ganzen Stadt. Etwas ruhiger ließ es derweil Toni Pisanu angehen. Der ehemalige Jugendleiter der SpVgg Kaufbeuren schaute das Finale bei Freunden auf einer Großleinwand an. „Die Stimmung war super“, erzählt Pisanu. Etwas anderes hätte man auch nicht erwartet, schlägt das Herz des 50-Jährigen doch für sein Vaterland.

Ein ausgesprochener Kenner des italienischen Fußballs: Toni Pisanu aus Kaufbeuren.
Ein ausgesprochener Kenner des italienischen Fußballs: Toni Pisanu aus Kaufbeuren.
Bild: SpVgg Kaufbeuren

Die Anfangsphase der Partie hat sich Pisanu allerdings komplett anders vorgestellt: „Nach zwei Minuten schon hinten zu liegen, ist natürlich bitter. In der ersten Hälfte waren die Italiener sehr schlecht.“ Dennoch findet Pisanu, dass der Sieg vollkommen verdient war. „Italien ist nach der Pause deutlich besser ins Spiel gekommen und hat teilweise überragend kombiniert.“

„Mir war klar, dass mindestens zwei Engländer verschießen“

Dass die Partie letztendlich im Elfmeterschießen entschieden wurde, tue der italienischen Leistung keinen Abbruch, meint er weiter. Was Pisanu aber nicht nachvollziehen konnte, waren die späten Auswechslungen auf englischer Seite. „Da ist der Trainer schuld, wenn er Spieler schießen lässt, die noch gar nicht richtig warm sind. Mir war klar, dass mindestens zwei Engländer verschießen werden.“

Dem 50-Jährigen habe auch die Spielweise der Italiener im gesamten Turnier Hoffnung auf den Finalsieg gemacht. Die defensiv-orientierte Taktik – für die Italien jahrelang stand – habe sich unter Trainer Roberto Mancini geändert. „Jetzt spielen sie einen offensiven, modernen Fußball. Das gefällt mir.“ Lediglich die vielen Abseitsstellungen der italienischen Stürmer in den K.o.-Spielen haben ihn gestört: „Da müssen sie einfach cleverer sein.“

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600 italienische Fans feiern in Kempten den EM-Sieg

Der DFB-Elf habe die Leidenschaft gefehlt

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Doch nicht nur die Spielweise habe ermöglicht, dass es statt „Football’s coming home“ nun heißt „It’s coming to Rome“: „Wir hatten endlich eine richtige Mannschaft.“ Die Spieler auf und neben dem Feld hätten sich füreinander eingesetzt und seien über die eigene Schmerzgrenze gegangen. „Da hast du Leidenschaft gespürt und die Liebe zum Land und zum Fußball.“ Das hätten bei der EM viele Teams vermissen lassen – unter anderem Deutschland. „Jogi Löw hätte viel mehr aus dieser Mannschaft rausholen können. Es ist seine Schuld, dass die Spieler so gewirkt haben, als hätten sie keine Lust. Da hat die Leidenschaft gefehlt und der Hunger nach Erfolgen“, kritisiert Pisanu die Leistungen der DFB-Elf.

Kein Mitleid mit den Engländern

Mit den Engländern – die einmal mehr ihre Schwäche beim Elfmeterschießen unter Beweis gestellt haben – hat der Italiener derweil kein Mitleid. Ausschreitungen vor dem Spiel, die Pfiffe bei den Hymnen sowie rassistische Attacken gegen die eigenen Spieler nach dem verlorenen Endspiel waren nur einige Aktionen, die Pisanu scharf verurteilt. „Die Engländer müssen begreifen, dass so etwas einfach nicht geht. Das ist unsportlich und hat nichts mit dem Gedanken solcher Turniere zu tun.“ Wobei er auch klarstellt, dass man nicht alle Fans über einen Kamm scheren darf.

Statt der Engländer hätte er im Finale deshalb auch viel lieber die Dänen gesehen. Doch das ist Pisanu mittlerweile egal. Hauptsache, Italien ist endlich Europameister.

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