Verkehr

Ärger um Staatsstraße in Pfaffenhofen - Anwohner fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen

Ärger um die Staatsstraße bei Pfaffenhofen in Haldenwang

Beim hohen Tempo der Lkw haben die Anwohner der Staatsstraße Angst um ihre Kinder.

Bild: Matthias Becker

Beim hohen Tempo der Lkw haben die Anwohner der Staatsstraße Angst um ihre Kinder.

Bild: Matthias Becker

Die Anwohner des Weilers bei Haldenwang klagen über die Lkw- und Autobelastung auf der Staatsstraße. Was Landratsamt, Staatliches Bauamt und Polizei dazu sagen.
01.09.2021 | Stand: 17:18 Uhr

Tobias Weizenhöfer ist verärgert. Seit einiger Zeit versuchen er und seine Nachbarn im Weiler Pfaffenhofen bei Haldenwang, dem Lkw- und Autoverkehr auf der Staatsstraße Herr zu werden. Zwar markiert eine durchgezogene Linie ein Überholverbot und die Höchstgeschwindigkeit ist auf 70 km/h begrenzt. Trotzdem sei die Situation gefährlich, sagt er. Eine Lösung sei nicht ins Sicht. „Wir fühlen uns von den Behörden im Stich gelassen.“

14 Kinder zwischen vier Wochen und vier Jahren lebten in Pfaffenhofen, sagt Weizenhöfer. Außerdem stehe dort das Heim des Schützenvereins, der über eine zehn- bis 15-köpfige Jugendgruppe verfüge. „Wir haben Eltern, die sich nicht trauen, ihre Kinder mit dem Rad ins Training zu schicken“, erzählt er.

Kinder kommen in Pfaffenhofen zum Schützentraining und zum Schulbus

Zwar gebe es seit 2013 einen Geh- und Radweg entlang der Straße. Um zum Schützenheim zu gelangen, müsse diese aber überquert werden – auch von Schulkindern, die an der nahe gelegenen Bushaltestelle nach Kempten oder nach Obergünzburg zum Unterricht fahren. „Wir können die Kinder nicht alleine hier hochradeln lassen“, sagt Martina Fackler vom Verein. „Und wir lassen sie auch nicht alleine herumspringen, nur mit Aufsicht.“

Ob aus der Hofeinfahrt rein oder raus – Linksabbiegen könne man vergessen, sagt Anwohnerin Marianne Gaiser. „Viele fahren deshalb nach Probstried rein und drehen dort um.“ Gebhard Waldmann, Vorsitzender des Schützenvereins, fordert: „Man sollte vorher etwas tun und nicht erst, wenn das Kind im wahrsten Sinne des Wortes in den Brunnen gefallen ist.“

Gemeinde Haldenwang steht hinter Anwohnern

All diese Argumente habe er bei den Behörden schon vorgebracht, sagt Weizenhöfer – bisher ohne Erfolg. Dabei hat er die Gemeinde Haldenwang hinter sich. Die hatte schon einen Antrag auf 60 km/h vorbereitet, sagt Zweiter Bürgermeister Matthias Amann. Doch Felix Fleischhauer vom Landratsamt Oberallgäu habe deutlich gemacht, dass dieser keine Chance auf Bewilligung habe.

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Auf Nachfrage erklärt Fleischhauer, dass die Voraussetzungen für eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung nicht erfüllt seien. Weder liege ein Bereich mit Unfallhäufung vor, noch sei ein Lärmproblem festgestellt worden. Abgesehen davon verweist er darauf, dass eine weitere Absenkung der Geschwindigkeit erfahrungsgemäß nicht zu dem Erfolg führe. „Dies geht nur über scharfe und Bußgeld bewährte Messungen.“ Kontrollen seitens der Polizei oder der Gemeinde seien seinem Kenntnisstand nach auch wieder angestoßen worden.

Polizei empfiehlt Querungshilfe in Pfaffenhofen

Zwar berichten die Anwohner von Messungen, bei denen Autofahrer mit 99 oder 120 km/h geblitzt wurden. Laut Polizeisprecher Holger Stabik seien das aber vermutlich Ausreißer. Zwischen Mitte und Ende Juni habe die Stadt Kempten in dem Bereich fünf Messungen durchgeführt, bei denen es 16 Beanstandungen gegeben habe. Die Mehrheit sei jedoch mit durchschnittlich 80 km/h unterwegs gewesen. Die Polizei empfehle deshalb eine Querungshilfe, sagt Stabik.

„Wünschenswert wäre eine Querungshilfe in jedem Fall, da solch eine bauliche Maßnahme immer ein sehr hohes Maß an Sicherheit bietet“, sagt auch Fleischhauer. Für die Umsetzung sei jedoch das Staatliche Bauamt zuständig. Tatsächlich war diese Lösung bei einem Vor-Ort-Termin im Juni besprochen worden. „Es hieß, das Bauamt habe keine Kapazitäten, die Querungshilfe zu bauen“, sagt Zweiter Bürgermeister Amann. Deshalb wolle man jetzt mit einem Ingenieurbüro aus dem Ort klären, welche Kosten anfallen würden.

Staatliches Bauamt Kempten will Querungshilfe prüfen

Thomas Riedler, beim Staatlichen Bauamt Kempten zuständig für den Landkreis Oberallgäu, begrüßt dieses Vorgehen. „Es gibt hunderte solcher Stellen im Bauamtsbezirk.“ Da sei es hilfreich, wenn eine Gemeinde auf diese Weise unterstütze. Grundsätzlich gebe es im Hinblick auf die Finanzierung auch Fördermöglichkeiten. „Das kann geprüft werden.“

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