Jubiläum

170 Jahre Bauunternehmen Filgis: „Konzentration auf die Kernkompetenzen“

Die Berg-und Talstationen am Nebelhorn waren eines der Großprojekte des Bauunternehmens Filgis.

Die Berg-und Talstationen am Nebelhorn waren eines der Großprojekte des Bauunternehmens Filgis.

Bild: Filgis

Die Berg-und Talstationen am Nebelhorn waren eines der Großprojekte des Bauunternehmens Filgis.

Bild: Filgis

Geschäftsführer Münsch spricht über das Erfolgsrezept von Filgis. 1850 wurde das Bauunternehmen in Ottobeuren gegründet.

01.08.2020 | Stand: 12:30 Uhr

Das Besucherzentrum der Rapunzel Naturkost GmbH in Legau, die Berg- und Talstationen am Nebelhorn und am Söllereck, Sportstätten für die Nordische Ski-Weltmeisterschaft 2021 in Oberstdorf – Großprojekte sind die Spezialität des Bauunternehmens Filgis aus Krugzell. Seine Geschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1850 in Ottobeuren gegründet, feiert es dieses Jahr sein 170-jähriges Bestehen. Den Erfolg führt Geschäftsführer Edwin Münsch auf ein einfaches Rezept zurück: „Konzentration auf die Kernkompetenzen.“

Der 52-Jährige ist überzeugt, dass Unternehmen nur dann eine Chance haben, so lange zu überleben und erfolgreich zu sein. Sich nicht verzetteln, sondern auf die eigenen Stärken verlassen. Im Fall von Filgis seien diese vielfältig: „Wir sind nicht nur im Industriebau tätig, sondern auch spezialisiert auf Krankenhäuser, Bergbahnen, Wohnanlagen und Kläranlagen im kommunalen Bau.“ Über Jahrzehnte hinweg sei diese Palette entwickelt worden. „Wir können flexibel reagieren, sollte es in einem Bereich konjunkturell schwierig werden.“

Gute Auftragslage trotz Corona

Auf die Frage nach der Coronakrise antwortet Münsch, dass Filgis bisher sehr gut durchgekommen sei. Die Auftragslage sei sehr gut, „die Stammkunden halten uns die Treue“. Und bisher habe sich keiner der 100 Mitarbeiter angesteckt. Auf sein Team ist der Geschäftsführer stolz. Der Zusammenhalt in der Belegschaft sei enorm. „Es gibt bei uns keine oberflächliche Arbeit“, sagt Münsch. „Jeder trägt dazu bei, dass das Team funktioniert.“

Münsch hat die Geschäftsführung 2017 übernommen und ist der erste, der nicht aus der Familie Filgis stammt. Seit 21 Jahren arbeitet er für die Firma, war für die Entwicklung des Geschäftszweigs Generalunternehmer zuständig, der inzwischen eine tragende Säule ist. Georg Filgis, sein Vorgänger, sei schon vor Jahren auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, ob er sich vorstellen könnte, die Firma zu übernehmen, erzählt er. Denn Filgis’ Tochter sei zu jung. Sie habe eine Ausbildung im Unternehmen absolviert und studiere jetzt.

Herausforderungen, denen sich Münsch stellen muss, sind der Fachkräftemangel in der Baubranche und die Digitalisierung. Jedes Jahr gingen Mitarbeiter in den Ruhestand, sagt der Geschäftsführer. Filgis arbeite anders als andere Bauunternehmen aber nicht mit Saisonarbeitskräften, sondern ausschließlich mit festangestellten Mitarbeitern. „Wir sehen die Lösung in der Ausbildung, gehen an Mittelschulen, bieten Bauworkshops an.“ Das koste zwar viel Kraft. Aber so gelinge es, Praktikanten zu gewinnen, aus denen Auszubildende und später Mitarbeiter hervorgingen.

Vorreiter bei Zement und EDV

Auch ein gewisser Pioniergeist wird bei Filgis gepflegt. Theodor Filgis, der das Unternehmen 1870 übernahm, wagte sich als einer der ersten im Allgäu an den Baustoff Zement. Bereits 1978 führte die Firma unter Georg Filgis senior die Elektronische Datenverarbeitung (EDV) ein. Nach wie vor werde konsequent in digitale Technik investiert, sagt Münsch. Die Stundenerfassung der Arbeiter sei direkt an das Lohnbüro gekoppelt und funktioniere papierlos. Und bei Großprojekten, wie dem Rapunzel-Besucherzentrum, komme BIM zum Einsatz – Building Information Modeling. Dabei handelt es sich um Software, die alle wichtigen Daten zu einem Bauwerk erfasst und vernetzte Planung ermöglicht. Ob digital oder analog, was Edwin Münsch an seinem Job Freude macht, ist die Möglichkeit, zu gestalten. „Das macht einen stolz.“