ZAK feiert Jubiläum

50 Jahre ZAK: Trotz ausgeklügelter Müllverwertung geht es nicht ohne Verbrennungsofen

Blick ins Müllheizkraftwerk des ZAK im Gewerbegebiet Ursulasried: Bis 1996 sank die Menge an Restmüll um 50 Prozent.

Blick ins Müllheizkraftwerk des ZAK im Gewerbegebiet Ursulasried: Bis 1996 sank die Menge an Restmüll um 50 Prozent.

Bild: Ralf Lienert

Blick ins Müllheizkraftwerk des ZAK im Gewerbegebiet Ursulasried: Bis 1996 sank die Menge an Restmüll um 50 Prozent.

Bild: Ralf Lienert

Wie der ZAK den „Müllnotstand“ in den 90er-Jahren bewältigte und vor welchen Herausforderungen er heute steht. Zum Jubiläum gibt's eine Roadshow in der Region.
05.05.2022 | Stand: 19:00 Uhr

Seit mittlerweile 50 Jahren gibt es den ZAK – den Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten. Als er am 27. Juni 1972 gegründet wurde, hieß er noch „Zweckverband Müllverbrennungsanlage Kempten Stadt und Land“. Wie der Name schon sagt, lag der Fokus damals auf der Müllverbrennung. Das hat sich im Laufe von fünf Jahrzehnten stark verändert. Nichtsdestotrotz sagt Karl Heinz Lumer, Geschäftsführer der ZAK Holding GmbH, auch heute noch: „Ohne Verbrennen geht es nicht.“

Die ersten beiden Öfen seien 1974 gebaut worden, sagt Gebhard Kaiser. Zuvor hatte man den Müll auf Deponien wie der Hausmüll-Deponie Waltenhofen-Herzmanns entsorgt. Der Alt-Landrat und ZAK-Vorsitzende erinnert sich: „Samstags hat sie meistens gebrannt.“

Gebhard Kaiser: "Wussten nicht, wohin mit dem Müll"

Doch schon 15 Jahre später hatten die Öfen ihre Dienste getan und mussten wieder abgebaut werden. Das habe zu einem Müllnotstand im Allgäu geführt. „Frankreich hat uns ausgeholfen, weil wir nicht wussten, wohin damit“, sagt Kaiser. Dieser sehr teure Frankreich-Export habe jedoch dazu geführt, dass der Verband neu aufgestellt worden sei. (Lesen Sie auch: Höhere Heizkosten in Kempten: ZAK widerspricht der Baugenossenschaft)

Die Verbandsversammlung wählte Kaiser, der damals stellvertretender Landrat und Landtagsabgeordneter war, zu ihrem Vorsitzenden. Ein Abfallwirtschaftskonzept wurde entwickelt, bei dem die Müllvermeidung und -wiederverwertung im Vordergrund gestanden habe. In der Folge errichtete man 38 Wertstoffhöfe im Verbandsgebiet – außerdem Kompostwerke und -plätze.

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Müllnotstand in den 1990er-Jahren: Politik war gegen die Verbrennung

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Viele Stadtratsmitglieder und Vertreter der Stadt hatten damals eine weitere Verbrennung des Mülls oder gar einen Ausbau der Anlage abgelehnt. Man sei der Meinung gewesen, das nicht mehr zu brauchen, erklärt Lumer. „Aber es bleibt immer Müll übrig, auch heute noch.“ Denn es gebe nach wie vor Stoffe, die im Müllheizkraftwerk (MHKW) behandelt werden müssten.

Inzwischen speist das MHKW ein 50 Kilometer langes Fernwärmenetz, das 20.000 Haushalte, viele Schulen oder das Krankenhaus versorgt. 1982 hatte der Bau begonnen – und er geht immer noch weiter. Aktuell ist Thingers an der Reihe. „Wir sind ein wichtiger Energieerzeuger geworden“, sagt Kaiser.

Strombedarf steigt stetig

Ebenfalls 20.000 Haushalte würden mit Strom versorgt. „In den nächsten Jahren werden zehn weitere große Photovoltaikanlagen hinzukommen“, sagt Kaiser. „Weil wir dringend Strom brauchen.“ Der Bedarf steige stetig, da zurzeit vieles auf Elektrobetrieb umgestellt werde, etwa im Bereich Mobilität. (Lesen Sie auch: Wiggensbacher Solarpark soll noch dieses Jahr ans Netz gehen)

Das Allgäuer Überlandwerk (AÜW) sage, dass es auf keinen Stromeinspeiser in der Region verzichten kann. Das sei auch mit ein Grund, warum das Wasserstoff-Projekt, das den Bau einer Produktionsanlage vorsah, derzeit „geparkt“ ist. Denn für die Wasserstoff-Herstellung werde sehr viel Strom benötigt, erklärt Lumer.

ZAK: Große Mengen an Elektro- und Sperrmüll

Kaum vorangekommen ist der ZAK bei der Müllvermeidung. Dabei seien Verpackungen das kleinste Problem, sagt der Geschäftsführer. Viel mehr Müll falle bei Elektrogeräten jährlich an: eine halbe Tonne pro Einwohner. Hoch sei auch die Menge an Sperrmüll.

(Lesen Sie auch: Preise bei AÜW und Partnern steigen im Juni deutlich - und sinken dann wieder)

Roadshow zum Jubiläum

Garten und Kompost: Gefeiert wird am Sonntag, 15. Mai, von 10 bis 17 Uhr an der Vergärungsanlage Kempten/Schlatt. Geboten ist ein Jungpflanzen- und Blumenmarkt, ein Flohmarkt des ZAK-Kaufhauses Kempten, Führungen durch die Anlage, Musik und Kinderprogramm.

Abfalltechnik: Um die Technik hinter der Müllentsorgung geht es am Samstag, 25. Juni, von 11 bis 17 Uhr am Müllheizkraftwerk in der Dieselstraße.

Reparatur und Wiederverwendung: Jubiläumsfeier am Wertstoffzentrum in Sonthofen, Sonntag, 24. Juli, von 10 bis 17 Uhr.

Stoffliche und energetische Verwertung: Unter anderem um Wärmeerzeugung geht es am Sonntag, 18. September, von 11 bis 17 Uhr am Holzheizwerk in Scheidegg.