Gerichtsprozess in Kempten

Allgäuer Augenarzt vor Gericht: Trotz Schlaganfall operiert

Ein Allgäuer Augenarzt muss sich vor Gericht verantworten: Er hat Patienten massiv geschadet.

Ein Allgäuer Augenarzt muss sich vor Gericht verantworten: Er hat Patienten massiv geschadet.

Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Ein Allgäuer Augenarzt muss sich vor Gericht verantworten: Er hat Patienten massiv geschadet.

Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Obwohl seine Feinmotorik nach einem Schlaganfall stark eingeschränkt war, hat ein Augenarzt aus dem Allgäu operiert. Darunter leiden Patienten noch heute.
08.10.2020 | Stand: 13:09 Uhr

Eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung hat die Kemptener Staatsanwaltschaft in einem Berufungsprozess vor dem Kemptener Landgericht für einen 60 Jahren alten Augenarzt aus dem Allgäu gefordert.

Allgäuer Augenarzt vor Gericht: Zwei Patienten erblindeten

Der Mann, der jetzt nicht mehr als Arzt tätig ist, hatte 2009 einen Schlaganfall erlitten, wodurch seine Feinmotorik auf der rechten Seite stark eingeschränkt war. Dennoch operierte der niedergelassene Mediziner ab 2011 wieder Patienten am Grauen Star. Dabei kam es zu Komplikationen. Neuen Fälle wurden angezeigt. Zwei Patienten erblindeten sogar auf einem Auge durch missglückte Operationen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vorsätzliche Körperverletzung vor. Es sei zudem Pflicht des Mediziners gewesen, die Patienten vor der Operation über seine gesundheitlichen Einschränkungen aufzuklären, so die Anklagebehörde. Das habe er aber nicht gemacht. In erster Instanz war der Mann vom Amtsgericht Kempten zu drei Jahren Haft wegen gefährlicher und schwerer Körperverletzung verurteilt worden. Gegen dieses Urteil war er in Berufung gegangen.

Urteil vor dem Kemptener Landgericht am Donnerstag

Am siebten Verhandlungstag am Donnerstag wird das Urteil gegen Mittag erwartet. Der Verteidiger hielt in seinem Plädoyer eine Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung für ausreichend. Die Höhe dieser Strafe stellte er ins Ermessen der Landgerichtskammer.