Eisenbahn-Nostalgie

Als die Lokführer im Isny-Bähnle per Pfiff ihr Bier bestellten

Am ehemaligen Haltepunkt des Isny-Bähnles in Ermengerst präsentieren Wiggensbachs Bürgermeister Thomas Eigstler und Florian Vogel, Geschäftsleiter des Zweckverbands Erholungsgebiete, die neue Informationstafel.

Am ehemaligen Haltepunkt des Isny-Bähnles in Ermengerst präsentieren Wiggensbachs Bürgermeister Thomas Eigstler und Florian Vogel, Geschäftsleiter des Zweckverbands Erholungsgebiete, die neue Informationstafel.

Bild: Frederick Mersi

Am ehemaligen Haltepunkt des Isny-Bähnles in Ermengerst präsentieren Wiggensbachs Bürgermeister Thomas Eigstler und Florian Vogel, Geschäftsleiter des Zweckverbands Erholungsgebiete, die neue Informationstafel.

Bild: Frederick Mersi

Der Zeitreise-Weg erinnert an die ehemaligen Zugverbindung zwischen Kempten und Isny. Thomas Eigstler will das Herzensprojekt weiterführen bis zur Endstation.
Am ehemaligen Haltepunkt des Isny-Bähnles in Ermengerst präsentieren Wiggensbachs Bürgermeister Thomas Eigstler und Florian Vogel, Geschäftsleiter des Zweckverbands Erholungsgebiete, die neue Informationstafel.
Von Frederick Mersi
12.11.2020 | Stand: 11:30 Uhr

An die letzten Fahrten des „Isny-Bähnles“ 1984 kann sich Thomas Eigstler noch erinnern. „Für mich als Schüler war das super“, sagt der Wiggensbacher Bürgermeister, „eine Bahnstrecke durch so eine schöne Landschaft zu haben“.

Der 51-Jährige zählt zur letzten Generation, die mit dem Dieselzug auf der kurvenreichen Strecke unterwegs war. Heute trifft man dort vor allem Radfahrer, Spaziergänger und Jogger. Dem „Bähnle“ hat Eigstler nun aber mit einem Zeitreise-Weg auch für nachfolgende Generationen ein Denkmal gesetzt – ein „Herzensprojekt“, wie er sagt.

Aufnahmen des "Bähnle" über QR-Code abrufbar

Zwei Unterstände sind entlang der ursprünglichen Bahnstrecke am Herrenwieser Weiher und in Weitnau entstanden, dazu Sitzgelegenheiten und Informationstafeln – eingerahmt in gusseiserne Schienen und versehen mit Fotos, Anekdoten sowie Informationen zu Bahn, Landschaft und Geschichte. Wer das „Bähnle“ in Aktion sehen will, wird mit seinem Smartphone über QR-Codes zu Aufnahmen des Ermengerster Heimatfilmers Georg Zwing weitergeleitet.

Leicht sei der Weg nicht gewesen, sagt Eigstler. Fast 70 .000 Euro kostete der erste Abschnitt des Zeitreise-Wegs bis Weitnau, rund die Hälfte steuerten Stiftungen und private Spender bei. 25 000 Euro stellte der Zweckverband Erholungsgebiete Kempten-Oberallgäu bereit, dem die ehemalige Bahnstrecke gehört. „Es ist toll, dass es dieses Jahr geklappt hat“, sagt dessen Geschäftsleiter Florian Vogel. Eigstler gebühre Dank für „die vielen Stunden“, die er in das Projekt investiert habe.

Eigstler selbst hatte eigentlich auf eine frühere Eröffnung gehofft. Wegen eines Missgeschicks bei der Produktion der Glastafeln musste er sich aber in Geduld üben: „Die Firma hatte die Scheiben falsch verklebt“, sagt er. „Die 1,2 Tonnen Glas waren also für die Tonne.“ Danach habe der Hersteller aber einen hervorragenden Job gemacht, betont Eigstler. „Vier Wochen später waren neue Scheiben geliefert.“

Zeitzeugen sind zum Zeitreise-Weg begeistert

Mit Hilfe der Tafeln können sich Spaziergänger, Jogger und Radfahrer in die Vergangenheit zurückversetzen: Fotos von Dampfloks bestaunen, Anekdoten über blumenpflückende Fahrschüler lesen oder sich über Flora und Fauna informieren. Durch gut gewählte Bildausschnitte und lebendige Erzählungen fällt das auch denjenigen nicht schwer, die das „Bähnle“ nie selbst erlebt haben.

Doch auch Zeitzeugen wie Naturschutzwächter Reinhard Ochsenbauer sind vom Zeitreise-Weg begeistert: „Der ist super gemacht.“ Er selbst kann viele Geschichten vom „Bähnle“ erzählen: wie der Zug im Winter einen Hirsch vor sich her trieb, Lokführer per Pfiff Bier aus der Bahnhofswirtschaft in Buchenberg orderten oder Züge auf der eingleisigen Strecke zusammenstießen. „Die fuhren aber nicht schneller als 40 Kilometer pro Stunde“, sagt Ochsenbauer und lacht. „Da gab es nur Leichtverletzte.“

Geschichten wie diese soll der Zeitreise-Weg in Erinnerung rufen. Eigstler hofft, in den kommenden Jahren auch den zweiten Abschnitt bis Isny mit Infotafeln und Haltestellen versehen zu können.

Infos dazu gibt's auch unter Isnybaehnle.de