Kemptens Geschichte

Als statt der Galeria noch ein Schlachthof neben der Residenz stand

Kempten Schlachthof

Neben der Kemptener Residenz, wo heute das Kaufhaus Galeria Karstadt Kaufhof steht, stand früher ein Schlachthof.

Bild: /Repro: Ralf Lienert

Neben der Kemptener Residenz, wo heute das Kaufhaus Galeria Karstadt Kaufhof steht, stand früher ein Schlachthof.

Bild: /Repro: Ralf Lienert

Vor 50 Jahren gab es hitzige Debatten um Optik und Standort des Warenhauses.  Zur Eröffnung strömten 45 000 Kunden.

02.06.2020 | Stand: 22:36 Uhr

Der Pfeilergraben, die Nahtstelle zwischen Alt- und Neustadt in Kempten, beschäftigte bereits früher die Stadtverantwortlichen. Im Oktober 1964 gab es die ersten Redeschlachten um das Kemptener Schlachthaus-Problem. Der stand am Pfeilergraben und war nach 100 Jahren den Metzgern zu klein. Das stattdessen geplante Warenhaus Horten wiederum war den Kommunalpolitikern zu groß. Auch der Landesbaukunstauschuss in München lehnte das Baugesuch als der „Umgebung nicht angemessen“ ab. Horten aber hielt an seinen Plänen fest und bekam 1969 grünes Licht. Der Schlachthof wurde abgerissen, das neue Warenhaus gebaut. Am 23. September 1971 strömten die ersten Kunden in das Haus mit den markanten „Horten-Kacheln“. Besucher kamen aus dem ganzen Allgäu – auch wegen der weit und breit einmaligen Rolltreppen.

>>Mehr über das heutige Kaufhaus Galeria Karstadt Kaufhof in Kempten lesen Sie hier und hier<<

Die Architekten Herbert Schmitt und Georg Kasimir aus Karlsruhe hatten den Bau projektiert. Zehn Jahre lang wurde geplant, 13 Monate lang gebaut. Es war das 53. Haus im Horten-Imperium und kostete 40 Millionen Mark. Auf 9000 Quadratmetern gab es 80 Spezialabteilungen. Der Ansturm bei der Eröffnung war riesig. Bereits um vier Uhr morgens standen die ersten Kunden vor den Glastüren. Im Haus warteten 600 Mitarbeiter, verstärkt durch die gleiche Anzahl aus Augsburg, Ulm und Ingolstadt. Bis zum Abend wurden 45 000 Kunden gezählt.

Kempten Horten
Kempten Horten
Bild: Ralf Lienert

Doch es gab auch Protest: Der Einzelhandel fürchtete um seine Existenz. Oberbürgermeister Dr. Josef Höß aber war überzeugt, dass der Handel der Situation „mit bewährter Tüchtigkeit und Phantasie“ begegnen werde. Horten-Geschäftsführer Gerhard Potthoff reichte Einzelhandelsvorsitzendem Max Beutmüller die Hand und versprach einen fairen Wettbewerb.

Den Schlachthof neben der Kemptener Residenz gab es nur wegen eines groben Briefes

An gleicher Stelle war 1864 der neue Schlachthof eingeweiht worden und stand über 100 Jahre dort. Die Metzger wünschten damals zwei Schlachthäuser, eines in der Neustadt, eines in der Altstadt. Bürgermeister Sebastian Arnold wollte aber einen Schlachthof an der Nahtstelle von Reichs- und Stiftsstadt. Die Regierung lehnte den Standort vor der fürstäbtlichen Residenz anfangs ab. Daraufhin schrieb Arnold einen groben Brief nach München. Das Innenministerium genehmigte die Pläne, drohte aber mit einem Disziplinarverfahren, „falls er gegen die Regierung nochmals solche Ausdrücke gebrauche.“