Kommt 2021 überhaupt ein Maibaum?

Zu viel Vogelkot? Maibaum-Streit in Altusried geht vor Gericht weiter

Der Streit um eine Tradition. Gegen Altusrieder Maibaum wird geklagt. Der Vorsitzende des Trachenverein d'Koppachtaler, Franz Merk, versteht die Welt nicht mehr.

Der Streit um eine Tradition. Gegen Altusrieder Maibaum wird geklagt. Der Vorsitzende des Trachenverein d'Koppachtaler, Franz Merk, versteht die Welt nicht mehr.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Der Streit um eine Tradition. Gegen Altusrieder Maibaum wird geklagt. Der Vorsitzende des Trachenverein d'Koppachtaler, Franz Merk, versteht die Welt nicht mehr.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Der Maibaum in Altusried ist beliebt - beim Trachtenverein. Und auch bei Zugvögeln. Ein Anwohner klagt. Kommt wegen Corona überhaupt ein Maibaum 2021?
24.03.2021 | Stand: 09:49 Uhr

Führt der Maibaum einer Allgäuer Gemeinde zu übermäßig viel Vogelkot auf dem Nachbargrundstück? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit das Kemptener Amtsgericht. Weil er den rund 27 Meter hohen Maibaum als Quelle der Hinterlassenschaften von Zugvögeln auf seinem Grundstück sieht, hat ein Anwohner in Altusried (Landkreis Oberallgäu) gegen die Gemeinde geklagt. Mehr Infos dazu in unserem Archiv-Artikel: Weil ihn die Vögel nerven: Anwohner klagt gegen Maibaum in Altusried

Die Fronten scheinen verhärtet: Ein Güteverfahren oder einen Vergleich als Lösung des Konflikts hätten die Parteien bislang abgelehnt, sagte ein Sprecher des Kemptener Amtsgerichts. Der nächste Schritt wäre nun ein Fachgutachten: Ein Ornithologe müsse klären, ob durch den Maibaum Vögel angezogen werden, die das Grundstück "in einer nicht nur unwesentlichen Weise verkoten".

Konkret handelt es sich um eine Unterlassungsklage. Das heißt, Altusried soll künftig keinen Maibaum auf besagtem Grundstück mehr aufstellen lassen. Noch im Oktober 2020 hatten sich Merk, der Nachbar und Bürgermeister Joachim Konrad zu einem Schlichtungstermin getroffen. „Ich habe ihm gesagt, der Baum kommt auf den Marktplatz“, sagt Konrad. Die Ortsmitte soll umgestaltet werden. „Nächstes Jahr fangen wir an und wollen 2023 fertig sein“, erklärt er. Ausgehend davon, dass heuer voraussichtlich kein Maibaumfest stattfindet – coronabedingt –, handele es sich also um ein oder zwei Jahre, in denen der Nachbar mit dem Maibaum leben müsste. „Ich dachte, mit dem Schlichtungstermin ist die Sache ausgestanden.“

Maibaum in Altusried beschäftigt Gericht: Verzögerung wegen Corona

Allerdings müsste dafür erst wieder das 27 Meter hohe Original des Altusrieder Maibaums aufgestellt werden. Derzeit steht auf dem Grundstück nur eine etwa 1,10 Meter große Nachbildung, wie der Vorsitzende des Altusrieder Trachtenvereins, Franz Merk, erklärt. "Das hatten wir wegen Corona gemacht." Mit Blick auf den Vogelkot gebe es da keine Probleme.

Dass das beim Original-Maibaum anders sein könnte, hält Merk für ausgeschlossen. "Das muss mir mal einer zeigen, dass so ein Vogel acht oder zehn Meter quer scheißt", sagt er. Ob dieses Jahr wieder der große Maibaum aufgestellt wird, komme "auf die Corona-Lage an". Lesen Sie auch: Allgäuer Dialekt: Zehn Wörter, die vom Aussterben bedroht sind

Altusrieder Maibaum soll ohnehin umziehen

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Rechtsanwalt Hans-Günther Eisele vertritt die Gemeinde Altusried. Er verweist auf die Verfügung eines Richters am Amtsgericht. Darin fordert dieser die Parteien auf, sich zu überlegen, ob sie das finanzielle Risiko eines Prozesses tragen wollen.

Das Amtsgericht Kempten hat den Anwohner nach eigenen Angaben darauf hingewiesen, dass die Kosten für ein vogelkundliches Gutachten in dem Verfahren "nicht unbeträchtlich" seien. Bislang hat das den Kläger aber nicht davon abgehalten, den Streit vor Gericht klären zu wollen.

"Klar nervt das", sagt Bürgermeister Konrad. "Wir machen eigentlich gerade viel Gutes hier - zum Beispiel mit einer neuen Ortsmitte und dem Neubau der Postresidenz." Ein Angebot des Klägers zur Güte, die Gemeinde könne ihm im Gegenzug für die Vogelkot-Belastung ja zwei kostenlose Parkplätze zur Verfügung stellen oder Geld zahlen, habe er trotzdem abgelehnt, sagt Konrad. Der klagende Anwohner reagierte auf Anfragen für eine Stellungnahme bislang nicht.

Lesen Sie auch unseren Archiv-Artikel: Wirtshaus-Sterben im Allgäu: Wie Altusrieder Trachtler erfolgreich gegen diesen Trend kämpfen