Kunst aus Bremen

Ausstellung in Kempten: Bloß nicht den Kopf verlieren ...

Corona macht’s möglich: Kunst aus Bremen im „Grünen Haus“ (hier eine von Sarah Hillebrechts Holz-Installationen).

Corona macht’s möglich: Kunst aus Bremen im „Grünen Haus“ (hier eine von Sarah Hillebrechts Holz-Installationen).

Bild: Harald Holstein

Corona macht’s möglich: Kunst aus Bremen im „Grünen Haus“ (hier eine von Sarah Hillebrechts Holz-Installationen).

Bild: Harald Holstein

Zehn Künstler aus Bremen sind im „Grünen Haus“ der Kunstarkaden Kempten zu Gast - und zehn Kemptener stellen im hohen Norden aus. Das hat auch mit Corona zu tun.
16.08.2020 | Stand: 12:03 Uhr

In den ersten Wochen nach dem Corona-Lockdown, als auch im Ausstellungs-Bereich auf absehbare Zeit nichts mehr ging, stellte sich für Künstler Guido Weggenmann, den Initiator der Kunstarkaden, die Frage: Wie geht es weiter, wenn jede Kunstschau, und damit jede Verkaufsmöglichkeit wegbricht? Mit dieser Aussicht wollte er sich nicht abfinden. In dieser scheinbar ausweglosen Situation für Künstler erinnerte sich Weggenmann an seinen Kollegen Martin Koroscha, der in Bremen mit anderen Künstlern eine Galerie mit eigenen Werken betreibt. Anfang April kam ihm die Idee einer „Transplantation“ zweier Galerieräume, ein Austausch zwischen zwei Produzentengalerien.

Im
Im "Grünen Haus" zu sehen: Corona-Scherenschnitte.
Bild: Harald Holstein

In eine Zeit, in der unser alltägliches Leben von medizinischen Begriffen wie Virus, Aerosole und Hygiene beherrscht wird, passt das Wort Transplantation, das zuerst nur ein Arbeitstitel war, hervorragend hinein, auch wenn sich die Verpflanzung nicht im organischen, sondern im künstlerischen Bereich abspielt. Zehn Künstler der Produzentengalerie Kunstmix aus Bremen zeigen nun im Grünen Haus ihre Werke, während parallel dazu zehn Künstler aus Kempten, die hinter der Initiative Kunstarkaden stehen, in Bremens ältestem Viertel Schnoor ausstellen. „Künstler helfen Künstlern“ nennt Guido Weggenmann diesen Austausch und

hofft auf viele Interessenten.

>>Lesen Sie auch: Kunstarkaden in Kempten machen bald dicht - die Hintergründe<<

Große künstlerische Bandbreite

In den großen Schaufenstern des ehemaligen Ladens im Grünen Haus in der Promenadestraße, in dem bisher Workshops und Performances stattfanden, kann man schon von weitem durchweg kleinformatige Bilder erkennen. Die Werke der Maler, Fotografen und Plastiker der Galerie Kunstmix zeichnet eine große Bandbreite künstlerischer Ansätze aus. Aktuelle Scherenschnitte zum Thema Corona (Laila Seidel) hängen neben konkreter Kunst (Udo Reutter) und neben Fotografien, die Malerei und Wirklichkeit in ein optisch irritierendes Gleichgewicht bringen (Dirk Lohmann).

Martin Koroscha verbindet in seiner Malerei geometrische Elemente und Formen mit Landschaft und lässt sie zwischen Zwei- und Dreidimensionalität hin- und herspringen. Damit öffnet er nicht nur ein Raum-, sondern auch ein Zeitfenster im Bild. Ähnlich abstrakt bannt Bernd Müller-Pflug miteinander korrespondierende, monochrome Formen auf Acrylglas. Daneben gibt es Ansätze, Gegenständliches mit üppiger Malerei (Lena Berns), zeichenhaften Symbolen (Marlies Nittka) und kindlicher Einfachheit (Andrea Imwiehe) zu erfassen. Scherzhaft und zugleich melancholisch wirken Sarah Hillebrechts kleine Holzfiguren, deren Köpfe in der Wand zu stecken scheinen. Auch Christian Plep setzt mit seinen minimal variierten Holzwürfeln einen ästhetischen Schwebezustand um.

„Ohne Kunst wird es arm und sehr leise“, sagt Guido Weggenmann und will die Ausstellung als mutmachendes Lebenszeichen der Kunstszene verstanden wissen. Die Vielfalt und Vitalität dieser Ausstellung gibt ihm recht. Bis zum 4. September sind die Künstlerinnen und Künstler aus dem hohen Norden im Grünen Haus zu Gast.

 

Öffnungszeiten: Geöffnet ist das Grüne Haus (Promenadestraße 7) Donnerstag bis Samstag von 16 bis 20 Uhr, am Sonntag von 11 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei.