Kunst in Kempten

Ausstellung in Kempten: Helena Kaschurow zeigt pfiffige Pop-Art

Die Münchner Malerin Helena Kaschurow zeigt in der Galerie Kunstreich vieldeutige und anregende Arbeiten.

Die Münchner Malerin Helena Kaschurow zeigt in der Galerie Kunstreich vieldeutige und anregende Arbeiten.

Bild: Markus Noichl

Die Münchner Malerin Helena Kaschurow zeigt in der Galerie Kunstreich vieldeutige und anregende Arbeiten.

Bild: Markus Noichl

Münchner Malerin Helena Kaschurow rockt mit emotionalen Bildern die Kemptener Galerie Kunstreich. Sie spielt mit Gut und Böse - und Vorbildern wie Andy Warhol.
09.08.2022 | Stand: 16:30 Uhr

Pfiffige, intelligente Pop-Art präsentiert Helena Kaschurow in der Galerie Kunstreich in Kempten. Egal ob Kenner oder „nur“ neugierig: Diese Arbeiten überzeugen. Pop als Kurzform für populär, also massentauglich. Was die Musik schon geschafft hat, wünscht man auch der Malerei. Kaschurows Arbeiten hätten es verdient. Virtuos spielt sie mit Gut und Böse unter dem Titel „The chaotic structure of colours“. Es geht um Chaos und Ordnung, die Ur-Pole des Lebens. Da erhält nicht nur Mona Lisa Gesellschaft von bedrohlichen Toten- und Monsterköpfen („Mona and her best friends“), sondern auch die Jünger in Leonardos „Abendmahl“. Für mysteriöse Stimmung sorgt außerdem ein Nebelwerfer. Unvorhersehbares und Überraschungen in eine Struktur zu bringen, das ist Kreativität, sagte Kaschurow bei der Eröffnung der Ausstellung.

Roy Lichtenstein, Rudolph Moshammer und Franz-Josef Strauß

In „The first and the last kiss“ wird das berühmte Vorbild von Roy Lichtenstein im zweiten Bild gespiegelt, nun ist die Frau oben. Wie viele Küsse es zwischen erstem und letztem gab, wie viel Abstand diese zwei Bilder eigentlich verdienen, bleibe der Fantasie des Betrachters überlassen, sagt die Münchnerin. Persönlichkeiten ihrer Stadt wie Rudolph Moshammer oder FJS (Franz Josef Strauß) verewigte sie in der Serie „Münchner Charaktere“.

Sex-Appeal darf bei Helena Kaschurow nicht fehlen

Und natürlich darf auch Sex-Appeal nicht fehlen, aber auch hier mit Hirn. „Passio“ – dieser Titel spielt darauf an, wie nah Lust und Leid beieinanderliegen. Auch in ihrem Selbstporträt zeigt sich Kaschurow doppelbödig: Über dem nackten, lockenden Körper sitzt ein furchterregender Kopf. Die Männer-Fresserin? „Schon möglich“, sagt sie lachend über diese Interpretation. Beziehung, Nähe oder Ferne sind zentrale Themen. In „relationship“ greifen Zwei nach ihren Herzen. „Next please“ zeigt ein Paar, nah, aber doch nicht verbunden. „It’s hopeless“ bietet melancholische Einsamkeit.

Ein Linien-Gestalten-Gekringel wie bei Keith Haring

Mit Kunstharz erhalten manche Arbeiten eine glatte, spiegelnde Oberfläche. Mit Mullbinden, in giftiges Grün oder Pink getränkt, entstehen Reliefs. „Wipe the slime of your face“ (Wische den Schleim aus deinem Gesicht) heißt eine dieser makaberen Arbeiten. Ein Linien-Gestalten-Gekringel wie bei Keith Haring ist durch einen roten Lebensfaden verbunden. Ob in Liebe oder Hass, das liegt an jedem selbst, sagt Helena Kaschurow.

„Wir wollten eine Ausstellung, die knallt, die rockt“, sagt Artig-Vorsitzender Stephan A. Schmidt. Das ist gelungen: Mit Urban Street Art wird Kempten zur City.

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Öffnungszeiten der Galerie Kunstreich in Kempten, Schützenstraße 7 (bis 4. September): Dienstag von 16 bis 20 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Ein Künstlergespräch gibt es zur Finissage am Sonntag, 4. September, um 15 Uhr.