Im Bündnis "Klimaneutrales Allgäu 2030"

Nutzen Unternehmen das Klimaschutz-Bündnis als Wettbewerbsvorteil?

Als Partner im Bündnis "Klimaneutrales Allgäu 2030" unterstützen Unternehmen im Oberallgäu und Kempten Klimaschutz-Projekte in der Region und auf der Welt.

Als Partner im Bündnis "Klimaneutrales Allgäu 2030" unterstützen Unternehmen im Oberallgäu und Kempten Klimaschutz-Projekte in der Region und auf der Welt.

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Als Partner im Bündnis "Klimaneutrales Allgäu 2030" unterstützen Unternehmen im Oberallgäu und Kempten Klimaschutz-Projekte in der Region und auf der Welt.

Bild: Patrick Pleul, dpa (Symbolbild)

Einige Unternehmen im Oberallgäu und Kempten sind Partner im Bündnis „Klimaneutrales Allgäu“. Die Mitgliedschaft dient manchmal mehr als nur dem Klimaschutz.
19.10.2021 | Stand: 16:59 Uhr

Klimaneutral werden oder bleiben: Das ist das Ziel von insgesamt 30 Unternehmen im Oberallgäuer und Kemptener Raum, die mittlerweile dem Bündnis „Klimaneutrales Allgäu 2030“ beigetreten sind. Ist die Mitgliedschaft lediglich ein Gewinn für die Umwelt oder verschaffen sich Unternehmen dadurch auch einen Vorsprung auf dem Markt?

Das Planungsbüro Herz und Lang in Weitnau, das seit 2020 im Bündnis ist, wirbt aktiv mit der Mitgliedschaft. Ein spürbarer Wettbewerbsvorteil ist die Partnerschaft aber nicht, sagt Inhaber Dieter Herz. Das spiele auch nur eine Nebenrolle. „Wir machen das für uns. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind unser Ansatz.“ Zu Beginn der Partnerschaft habe eine Klimaschutzmanagerin die CO2-Bilanz erstellt und einen Ausstoß von jährlich 44 Tonnen errechnet. „Die Fahrten zur Baustelle sowie die Mobilität der Mitarbeiter sind unsere Achillesferse“, sagt Herz. Mittlerweile habe das Unternehmen seinen Fuhrpark zu 40 Prozent elektrifiziert.

Fahrtwege der Mitarbeiter haben großen Einfluss auf CO2-Bilanz

Auch Textilband-Hersteller Topp in Durach, der seit der Gründung des Bündnisses 2019 dabei ist, hat nicht erwartet, dass die Wege der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen so großen Anteil der CO2-Bilanz ausmachen: „Das hatten wir so nicht einkalkuliert“, sagt Thomas Bechteler, Leiter des Kundenservices und Umweltbeauftragter. Die Expertise im Bündnis sei hilfreich gewesen. (Lesen Sie auch: Klimafonds Allgäu will Projekte mit 50.000 Euro fördern)

Nun biete das Textilunternehmen seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Jobräder (Fahrräder, die vom Arbeitgeber gemietet und den Mitarbeitern bereitgestellt werden) an. Außerdem seien 50 Prozent des Fuhrparks elektrifiziert worden. Den 2019 errechneten jährlichen CO2-Ausstoß von etwa 235 Tonnen kompensiere das Unternehmen zum einen durch den Einsatz erneuerbarer Energien. Die Firma generiere Solarenergie über das Dach. Der restliche Ausstoß werde über Projekte ausgeglichen, die Topp im Rahmen des Bündnisses unterstützt. Die Mitgliedschaft nutze das Unternehmen nicht aktiv zu Werbezwecken. „Unsere Kunden sind international und können mit der Region Allgäu nicht viel anfangen“, sagt Bechteler. Große Konzerne, mit denen das Unternehmen zusammenarbeite, würden sowieso ein entsprechendes Umweltmanagement verlangen.

Ein weiteres Gründungsmitglied des Bündnisses ist das Pharmaunternehmen Almapharm in Wildpoldsried. Laut Ariane Beck aus der Geschäftsentwicklung konnte die Firma ihren CO2-Ausstoß im Jahr 2020 erheblich reduzieren. Dieser lag letztendlich bei 77 Tonnen. „Wir kommunizieren das Thema Nachhaltigkeit auf allen möglichen Ebenen“, sagt Beck. Denn auch für die Kunden werde der Aspekt des Klimaschutzes wichtiger. (Lesen Sie auch: Ehrgeizige Ziele: Allgäuer Alpenverein will 2030 klimaneutral sein)

Kunden fragen zu Klimaprojekten nach

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Immer wieder würden Bündnispartner Fragen von Kundinnen und Kunden zur CO2-Bilanzierung und den Projekte an das Energie- und Umweltzentrum (Eza) leiten. Dieses ist für das Bündnis verantwortlich. Transparenz bei der CO2-Bilanz ist laut Eza-Bereichsleiter Sebastian Hartmann ein wichtiger Faktor: „Die Grenzen der Bilanzierung stehen auf den Urkunden klar ausgewiesen.“ So würden vor allem die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität untersucht. Bei den Rohstoffen, die Unternehmen zukaufen, stoße das Bündnis bei der Errechnung des CO2-Ausstoßes an seine Grenzen. „Das kommunizieren wir aber offen und ehrlich“, sagt der Bereichsleiter.

Insgesamt 86 Partner habe das Bündnis, 13 Prozent davon seien Kommunen. Im nördlichen Oberallgäu und in Kempten haben sich laut Hartmann bisher 30 Unternehmen aus verschiedenen Branchen angeschlossen. Jeder Bündnispartner unterstütze ein globales sowie ein regionales Projekt. Das oberste Ziel sei immer aber immer erst die Einsparung von Energie. Ende September hat der Klimabeirat im Bündnis laut Hartmann neue regionale Projekte ausgewählt, die in Kürze verkündet werden sollen.

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