Oberallgäu/Kempten

Bestatter: Auf Nummer sicher

Beerdigungen sind derzeit auf Friedhöfen untersagt. Die Trauergesellschaft darf nur den engsten Familien- und Freundeskreis umfassen.

Beerdigungen sind derzeit auf Friedhöfen untersagt. Die Trauergesellschaft darf nur den engsten Familien- und Freundeskreis umfassen.

Bild: Foto: Kempf

Beerdigungen sind derzeit auf Friedhöfen untersagt. Die Trauergesellschaft darf nur den engsten Familien- und Freundeskreis umfassen.

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Die Sorge vor Ansteckung bewegt Beerdigungsinstitute im Oberallgäu zu besonderer Vorsicht. Angehörige reagieren auf die neue Bestimmungen mit Verständnis.
09.10.2020 | Stand: 16:37 Uhr

Der Termin der Beerdigung stand fest, die Trauerfeier war längst durchgeplant – doch dann kam die Nachricht, dass dazu nur noch der engste Familienkreis zugelassen ist und die verstorbene ältere Frau ohne traditionelle Trauerfeier beigesetzt werden muss. So geschehen dieser Tage in Oberstdorf, berichtet Bestatter Wolfgang Dachs. Es war eine der ersten Bestattungen im Oberallgäu, die zum Schutz vor Corona-Infektionen bei den Trauergästen unter erhöhten Sicherheitsbestimmungen stattfand. Dabei stehen die Bestatter laut Dachs vor einem noch größeren Problem. Niemand teile ihnen mit, ob der Tote an Covid-19 erkrankt war oder nicht. In dem Fall müssten er und seine Mitarbeiter sich aber besonders schützen, betont Dachs.

Alexander Jakob vom gleichnamigen Kemptener Bestattungsunternehmen hat erst aus dem Internetangebot unserer Zeitung erfahren, dass die verstorbene Person, die er Stunden zuvor versorgt hatte, an Covid-19 gestorben war. Zu dem Zeitpunkt, als er den Leichnam abholte, sei die genaue Todesursache selbst den Angehörigen noch nicht bekannt gewesen, schildert Jakob. Das Kemptener Klinikum lege die Verstorbenen in Leichensäcke. Der Bestatter fragt sich aber, was mit Verstorbenen in Altenheimen und Menschen, die zuhause ableben, geschieht. Tote würden nicht auf Covid-19-Viren getestet. Deshalb gehen er und seine Mitarbeiter auf Nummer sicher: Sie verwenden grundsätzlich Atemschutz und Handschuhe. „Mehr können wir zurzeit nicht machen“, sagt Jakob. Ein ungutes Gefühl bleibe aber. Der Oberstdorfer Bestattungsmeister Wolfgang Dachs bezeichnet die Informationen für die Beerdigungsinstitute im Umgang mit dem Coronavirus als „sehr spät und sehr bescheiden“. Er behandele im Moment alle Verstorbenen wie Seuchenleichen, trage Schutzanzug und Atemmaske. Der Leichnam werde desinfiziert und in eine Schutzhülle gelegt. Das geschehe aus „reiner Vorsicht“, sagt Dachs.

Das Klinikum Kempten-Oberallgäu verweist auf die neue Richtlinie des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, über die auch alle Bestatter informiert worden seien. Laut dieser Richtlinie sind nachweislich an Covid-19 infizierte Verstorbene nicht kennzeichnungspflichtig – analog zu Verstorbenen, die an Grippe erkrankt waren, teilt Klinikumssprecher Christian Wucherer mit. In der Richtlinie heißt es, dass Corona-Tote aus hygienischer Sicht keine besondere Gefahr darstellten, solange man den Arbeitsschutz und die Standard-Hygienemaßnahmen einhalte. Das heißt, Bestatter sollen Kittel, Schürze und Einmalhandschuhe tragen und sich nach dem Ausziehen der Handschuhe die Hände desinfizieren. Besteht die Gefahr, Tröpfchen einzuatmen, müssten die Mitarbeiter zudem Atemschutzmasken der Klasse FFP2 tragen. Bei Covid-19-Verstorbenen handle es sich zwar um „infektiöse, aber nicht um hochkontagiöse Leichname“, heißt es in der Richtlinie weiter. Deshalb müsse man sie weder als „infektiöse Leiche“ kennzeichnen noch desinfizieren.

Beerdigungen sind derzeit nur noch ohne Gottesdienst und im engsten Familienkreis erlaubt. Das sehen die Angehörigen der Verstorbenen nach Angaben von Dachs und Jakob größtenteils ein. „Die Leute haben dafür wirklich Verständnis“, sagt Jakob.