Bundestagswahl 2021

"Alarmierende Entwicklung“ bei der Miete in der Region - was Direktkandidaten dagegen tun wollen

Hauskauf

Egal ob Kauf oder Miete - das Wohnen wird immer teurer.

Bild: Martina Diemand

Egal ob Kauf oder Miete - das Wohnen wird immer teurer.

Bild: Martina Diemand

Die Mieten in Kempten, dem Oberallgäu und dem Landkreis Lindau steigen laut "immowelt.de" heftig. Wie Direktkandidaten aus dem Allgäu dagegen vorgehen wollen.
21.09.2021 | Stand: 16:51 Uhr

(Aktualisiert am 21.09.2021 - 16.45 Uhr - nach verspäteter Rückmeldung der AfD)

Die Preise bei Neuvermietungen steigen. Das Immobilienportal „immowelt.de“ wertete die im ersten Halbjahr 2020 und heuer inserierten Angebote aus.

Ergebnis: Der Mittelwert der Kaltmiete kletterte in Kempten auf zehn Euro pro Quadratmeter (+ 9 %), im Oberallgäu auf 9,9 Euro (+ 15 %) und im Landkreis Lindau auf 11,80 (+ 7 %). Die Jungen Liberalen Allgäu nennen das eine „alarmierende Entwicklung“.

Nicht eingerechnet sind bei der Aufstellung etwa Wohnungen, die Baugesellschaften dank langer Wartelisten direkt neu vergeben. Dennoch: Politiker sagen oft, Wohnen müsse bezahlbar bleiben. Was bedeutet das, wenn laut Regierung jeder achte Vollzeitbeschäftigte unter 2000 Euro brutto verdient? Wir fragten Direktkandidaten. (Lesen Sie auch: Bundestagswahl 2021 im Allgäu: News zu Kandidaten und Parteien aktuell)

SPD und Linke: Wohnen sollte nicht mehr als 30 Prozent des Einkommens kosten

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„Da die Region sehr unterschiedlich ist, gibt es nicht den einen Preis, der bezahlbar ist“, sagt Martin Holderied (SPD). Jeder Siebte in Deutschland gebe über 40 Prozent Einkommen für Mietkosten aus. „Wir müssen es schaffen, dass die Miete im Allgäu nicht mehr als 30 Prozent ausmacht.“

Diese 30 Prozent nennt auch Engelbert Blessing (Linke). Jemand an der obersten Grenze des Niedriglohnbereiches („etwa 1.200 Euro netto pro Monat“) sollte für eine Wohnung warm nicht mehr als 360 Euro ausgeben.

Für Mietwohnungen seien pro Quadratmeter „etwa sieben Euro im Sozialwohnungsbau gestaffelt nach Einkommen bis elf Euro leistbar“, rechnet Pius Bandte (Grüne). Beim Wohnungskauf seien es je nach Lage 3.500 bis 5.000 Euro pro Quadratmeter.

Annette Hauser-Felberbaum (Freie Wähler) fordert, beim sozialen Wohnungsbau bei fünf bis sechs Euro Miete zu bleiben; auch der allgemeine Durchschnitt von sieben bis elf Euro dürfe nicht steigen. Ebenso dürfe Baugrund bei im Schnitt 200 bis 400 Euro pro Quadratmeter nicht teurer werden.

AfD: Wohnungen für sieben Euro pro Quadratmeter für Familien mit Kindern und Rentner

"Es sollte gerade für Familien mit Kindern dafür gesorgt werden, dass Wohnungen für sieben Euro pro Quadratmeter zur Verfügung stehen, auch wenn dieses Preisniveau nur in Teilgebieten des Oberallgäus und des Landkreises Lindau gesichert werden kann", sagt Rainer Rothfuß (AfD). Auch für Rentner solle es ausreichend Wohnungen geben, die diese Preisschwelle nicht überschreiten.

Keine Zahlen nennen Mechthilde Wittmann (CSU) und Stephan Thomae (FDP). Sie machen deutlich, dass die Bezahlbarkeit unter anderem vom Einkommen abhänge.

CSU: Gegen Enteignungen von Wohnungseigentümern und Investoren

Und was wollen die Kandidaten selbst anpacken, damit Wohnen im Wahlkreis bezahlbar bleibt? Wittmann fordert, die Kommunen bei der Entwicklung EU-konformer Einheimischen-Modelle zu unterstützen, und nennt zudem verdichtetes Bauen (etwa über Supermärkten und Parkplätzen). Da es auch privater Investoren bedürfe, „müssen wir uns klar gegen Verstaatlichung und Enteignungen von Wohnungseigentümern und Investoren positionieren“.

FDP: 500.000 Euro Freibetrag bei der Grunderwerbssteuer nötig

Thomae will die Bürgerinnen und Bürger beim Kauf selbst genutzten Wohneigentums entlasten. Der Plan: bis zu 500.000 Euro Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer. Der Freibetrag soll nach einem Verkauf für einen neuen Erwerb wieder gelten. Zudem müsse man schneller und unbürokratischer bauen, damit sich Preise nachhaltig stabilisieren.

Rothfuss will sich dafür einsetzen, dass die Dämmungsvorschriften, die in den Vorjahren ein wichtigerer Faktor der Verteuerung des Bauens waren, nicht weiter verschärft werden. Nötig sei auch eine Eigenheimförderung insbesondere für junge Familien, die mehrere Kinder haben wollen.

Freie Wähler: Kauf von Wohnraum als private Rentensicherung fördern

Hauser-Felberbaum spricht sich für mehr Förderprogramme im sozialen Wohnungsbau sowie weniger Bürokratie und Bauauflagen aus. Für Familien müsse es Erleichterungen geben und der Kauf von Wohnraum sollte als zusätzliche private Rentensicherung gesehen und unterstützt werden.

Grüne: Bei der Stellplatzpflicht Mobilitätskonzepte berücksichtigen

Bandte fordert einen Zuschuss für Menschen, die ein leer stehendes Haus als Eigenheim oder Mehrfamilienwohnhaus neu beleben. Rechne man umweltfreundliche Mobilitätskonzepte bei der Stellplatzpflicht ein, könne das auch Baukosten senken.

Mehr Investitionen in soziales Wohnen fordert Blessing, dazu 13 Euro Mindestlohn und 1.200 Euro Grundsicherung, damit Menschen von ihrer Arbeit leben können. Nötig seien Mechanismen, die bei Immobilienvergaben Einheimische den vermögenden Zweitwohnungskäufern vorziehen.

Holderied sagt, man wolle gemeinwohlorientierte Vermieter fördern, damit mehr gebaut wird. Bodenspekulationen könne man stoppen, wenn Kommunen ihre Baugenehmigungen an Bedingungen wie eine feste Quote bezahlbarer Wohnungen knüpfen dürften.

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