Computerspiele

Zocken für die Zukunft: Student David Fischer aus Kempten macht Gaming zur Karriere

David Fischer

David Fischer spielt seit seiner Jugend Video- und Computerspiele. Was damals für Konflikte mit seinen Eltern sorgte, gibt ihm heute zahlreiche Karrieremöglichkeiten in mehr als nur der Gaming-Branche.

Bild: Martina Diemand

David Fischer spielt seit seiner Jugend Video- und Computerspiele. Was damals für Konflikte mit seinen Eltern sorgte, gibt ihm heute zahlreiche Karrieremöglichkeiten in mehr als nur der Gaming-Branche.

Bild: Martina Diemand

Viele sitzen seit Corona länger vor dem Bildschirm - und spielen dabei Computer. Student David Fischer macht Gaming zur Karriere, kennt aber auch die Tücken.

13.09.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Wenn David Fischer in seinem Studenten-Zimmer vor dem PC sitzt, dann spielt er nicht einfach. Er trifft Freunde im virtuellen Raum, trainiert für die Gaming-Liga oder arbeitet für die Uni: Denn der 24-Jährige macht an der Hochschule Kempten seinen Master in „Game Engineering“ und „Visual Computing“. Er sagt: „Damit kann man nicht nur in der Computerspiele-Branche arbeiten, sondern ist zum Beispiel auch in Maschinenbau-Unternehmen gefragt.“

Während der Corona-Pandemie verdoppelte sich laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom aus dem Juni 2021 der Anteil der über 60-jährigen Spieler auf etwa 66 Prozent. Was für die Hälfte der deutschen Bevölkerung ein Hobby ist, ist für Fischer seine Leidenschaft. Im Moment arbeitet er auch an einem Hochschulprojekt für autonomes Fahren mit. Hier simuliert er eine virtuelle Welt. Kenntnisse, die er auch über das „Zocken“ gelernt hat. „Als Gamer kommt man unweigerlich mit Informatik in Verbindung“, sagt er. Wenn ein Teil des PCs nicht mehr funktioniere, müsse man das Problem eben selbst lösen.

Fischer beginnt mit 14 Jahren

Mit 14 Jahren begann Fischer mit Gaming – dem regelmäßigen Spielen von Video- und Computerspielen. Vor allem bei jungen Menschen ist dieses Hobby beliebt, doch auch die ältere Generation holt auf. Fischers Eltern allerdings waren zu Beginn wenig begeistert von dem Hobby ihres Sohnes. „In einem Spiel gab es Laser-Waffen. Das durfte ich lange nicht spielen, weil meine Mutter sich Sorgen gemacht hat“, sagt er.

Heute gebe es deswegen keine familiären Konflikte mehr. „Meine Eltern haben gesehen, was man beruflich alles damit machen kann.“ Gaming sei eine riesiger Markt. In Asien und den USA beispielsweise hätten Gamer einen ähnlichen Status wie Profi-Sportler, sagt Fischer.

Vorurteile über Computerspielen noch weit verbreitet

In Deutschland hingegen sei das Vorurteil, Computerspiele seien nur etwas für Nerds und Gefährder, noch weit verbreitet. „Das ist natürlich Schwachsinn“, sagt der 24-Jährige. Einige Klischees aber würden durchaus zutreffen. So seien viele Gamer eher schüchtern und in gesellschaftlichen Situation oftmals unbeholfen. Um das zu ändern, gründete Fischer „AK Gaming“. Die Kemptener Hochschulgruppe tritt in Wettkämpfen gegen Gamer anderer Universitäten an. „Vor allem ist es aber ein Treffpunkt in der realen Welt. Viele finden hier Gleichgesinnte und Freunde – und lernen, was es heißt, ein Team zu sein.“

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Zwar lernte auch Fischer selbst zwei seiner besten Freunde über Computerspiele kennen, „es ist aber wichtig, nicht nur in der virtuellen Welt zu versinken“. Dem stimmt Erziehungsberater Michael Leicht von der Kinder- und Jugendhilfe in Kempten zu. Während der Corona-Zeit hätten sich vermehrt Eltern gemeldet, die wegen Computerspielen mit ihren Kindern in Konflikte geraten. Rund 2,5 Millionen Menschen mehr als noch 2019 griffen laut Bitkom-Studie während des Lockdowns zur Konsole. „Die Sorge der Eltern ist, dass die Kinder zu viel Zeit vor dem PC verbringen“, sagt er.

Cumputerspielen mit Maß und Ziel

Außerdem würden die Eltern oft wenig darüber wissen, welche Spiele ihre Kinder tatsächlich spielen und was das mit ihnen macht. „Grundsätzlich sind Computerspiele nichts Schlechtes, aber eben mit Maß und Ziel.“ Ein kritischer Punkt laut Leicht: Wenn das Leben nur noch in der virtuellen Welt stattfindet und Schule, Freunde oder Hobbys leiden. Bei der Befragung von Bitkom gab ein Drittel aller Befragten an, Schwierigkeiten damit zu haben, nach den Corona-Lockerungen weniger Zeit mit Computerspielen zu verbringen. Leicht sagt: „Durch Level oder Punkte haben die Spiele durchaus Potenzial, süchtig zu machen. Das ist gefährlich.“

Das sei bei Fischer nie der Fall gewesen. Während der Pandemie habe aber auch er mehr Zeit mit Computerspielen verbracht – und sogar seine Mitbewohner fürs „Zocken“ begeistert. Mitbewohnerin Leonie Friedl habe zuvor keine Computerspiele gespielt. Sie sagt: „Wir zocken zusammen, das ist wie ein Brettspielabend und unterhaltsamer als Fernseh zu schauen.“ Mit den Corona-Lockerungen würden sie den WG-Abend jetzt aber auch gerne wieder in eine Bar verlegen.

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