Arbeitsmarkt

Corona: Gastgewerbe in Kempten und im Oberallgäu verliert 1400 Beschäftigte

Lockdown und Kurzarbeit im Gastgewerbe: Viele Beschäftigte haben sich deshalb einen neuen Job gesucht.

Lockdown und Kurzarbeit im Gastgewerbe: Viele Beschäftigte haben sich deshalb einen neuen Job gesucht.

Bild: Klaus Rainer Krieger (Symbolbild)

Lockdown und Kurzarbeit im Gastgewerbe: Viele Beschäftigte haben sich deshalb einen neuen Job gesucht.

Bild: Klaus Rainer Krieger (Symbolbild)

Die Gewerkschaft NGG sieht Wirte und Hoteliers jetzt gefordert, die Branche neu aufzustellen. Um neue Fachkräfte gewinnen zu können, brauche es Tarifverträge.
11.07.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Im Zuge der Corona-Pandemie verzeichneten Hotels und Gaststätten im Raum Kempten/Oberallgäu eine dramatische Abwanderung von Fachkräften. Innerhalb des vergangenen Jahres haben im Landkreis rund 1100 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte dem Gastgewerbe den Rücken gekehrt. In Kempten waren es rund 300. Das sei in der Region jeder sechste bis siebte Beschäftigte gewesen, teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter Berufung auf jüngste Zahlen der Arbeitsagentur mit.

„Viele Menschen schätzen es, nach langen Entbehrungen endlich wieder essen zu gehen oder zu reisen. Aber ausgerechnet in der Sommersaison fehlt einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um die Gäste bewirten zu können“, bedauert NGG-Landesvorsitzender Mustafa Öz. Für die Lage macht der Gewerkschafter insbesondere die Einkommenseinbußen durch die Kurzarbeit verantwortlich: „Gastro- und Hotel-Beschäftigte arbeiten sowieso meist zu geringen Löhnen.“ Wenn es dann nur Kurzarbeitergeld gebe, wüssten viele nicht, wie sie über die Runden kommen sollen.

Gewerkschaft: Bessere Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge

Es dürfe nicht überraschen, dass sich Menschen neu orientierten, wenn sie etwa in Supermärkten zwei Euro mehr pro Stunde verdienten als in Hotels und Gaststätten, sagt Öz. Wirte und Hoteliers hätten jetzt die Chance, die Branche neu aufzustellen. Zwar seien viele Firmen schwer durch die Pandemie getroffen, doch wer künftig Fachleute gewinnen wolle, müsse umdenken. Für armutsfeste Löhne und bessere Arbeitsbedingungen seien Tarifverträge unverzichtbar, sagt Öz.

Die Gewerkschaft nennt Zahlen der Bundesagentur für Arbeit: Demnach beschäftigte das Hotel- und Gaststättengewerbe in Kempten und dem Landkreis Oberallgäu zum vergangenen Jahreswechsel 8328 Menschen. Ein Jahr zuvor – also vor Ausbruch der Pandemie – waren es noch 9741. Damit hätten im Oberallgäu binnen zwölf Monaten 14 Prozent die Branche verlassen. In Kempten waren es 18 Prozent.

(Lesen Sie auch: Die Angst vor der Pleitewelle im Oberallgäu und in Kempten wächst)

Lesen Sie auch
##alternative##
Arbeitswelt

Im Allgäu wird seltener nach Tarif bezahlt