Folgen der 3-G-Regel

Dürfen Firmen im Oberallgäu und in Kempten bald ihre Mitarbeiter selbst auf Corona testen?

Schnelltest Corona

Der Saal im Gasthaus der Brauerei Schäffler in Missen-Wilhams dient täglich zwischen 8 und 12 Uhr (mit Voranmeldung) als Corona-Schnelltest-Station. Chefin Nadine Graßl hat sich und ihre Mitarbeiter für die Durchführung der Tests schulen lassen.

Bild: Martina Diemand

Der Saal im Gasthaus der Brauerei Schäffler in Missen-Wilhams dient täglich zwischen 8 und 12 Uhr (mit Voranmeldung) als Corona-Schnelltest-Station. Chefin Nadine Graßl hat sich und ihre Mitarbeiter für die Durchführung der Tests schulen lassen.

Bild: Martina Diemand

Seit die 3G-Regel gilt, wollen immer mehr Unternehmen Mitarbeiter testen und einen entsprechenden Nachweis ausstellen können. Das müssen Firmen dabei beachten.
08.09.2021 | Stand: 19:11 Uhr

Seit fast drei Wochen gilt die 3G-Regel: Wer im Innenbereich eines Restaurants essen oder sich beim Frisör die Haare schneiden lassen möchte, muss geimpft, genesen oder getestet sein. Seither fragen immer mehr Unternehmen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben nach, wie sie Mitarbeiter testen und auch einen Nachweis ausstellen können.

Die Testpflicht in Unternehmen gilt bereits seit April: Mitarbeitende müssen zweimal pro Woche die Möglichkeit haben, sich zu testen. Ob mit Selbsttest, Antigen-Schnelltest oder PCR-Test ist unerheblich. Seit Mai könnten Firmen auch einen Nachweis dafür ausstellen, sagt Patrick Augustin von der IHK Schwaben. Dieser sei dann überall dort, wo ein Test vorgelegt werden müsse, gültig.

Unternehmen haben zwei Optionen für Testnachweise

Seit die 3G-Regel gilt, hätten die Anfragen der Firmen deutlich zugenommen, sagt Augustin. Einerseits forderten das die Mitarbeitenden, andererseits wollten die Betriebe den Beschäftigten das Leben erleichtern. Unternehmen hätten zwei Optionen, um einen Testnachweis ausstellen zu können: einen Antigen-Schnelltest, der von einer geschulten Person durchgeführt werden muss, oder ein Selbsttest unter Aufsicht. Die Aufsichtsperson müsse entweder eine Schulung vorweisen oder dafür ausgebildet sein oder über entsprechende Kenntnis und Erfahrung verfügen.

Schulungen bieten Ärzte an, aber auch Rettungsorganisationen wie die Johanniter. „Viele Unternehmen rufen derzeit bei uns an und wollen sich auf den kommenden Herbst vorbereiten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Schulungen bestehen aus einem etwa einstündigen Theorie- und einem dreistündigen Praxisteil. Was allerdings „Kenntnis und Erfahrung“ heißt, sei nicht näher definiert, erklärt Augustin. Er legt es so aus: „Wenn man weiß, wie der Test funktioniert oder selbst schon mal einen gemacht hat.“ Er vermutet, dass der Gesetzgeber hier bewusst schwammig formuliert, um keine Regelungen zu schaffen, die in der Praxis nicht durchführbar sind.

Nur wenige Unternehmen im Oberallgäu und in Kempten wollen eine Schnelltest-Stelle einrichten

Unternehmen könnten sich auch als öffentliche Schnelltest-Stelle anerkennen lassen. „Das wollen aber die Wenigsten“, sagt Augustin. Der Fokus liege auf den Mitarbeitenden, besonders bei Betrieben, die Kunden nur unter Einhaltung der 3G-Regel bedienen dürfen: Fitnessstudios, Frisöre oder Restaurants.

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Die Genehmigung einer Schnelltest-Stelle für Jedermann erteilt das Landratsamt Oberallgäu. Voraussetzungen seien eine Schulung, ein Hygienekonzept und ein Anschluss an die Corona-Warn-App, sagt Sprecher Andreas Kaenders. Er bestätigt, dass bisher nur wenige Anträge eingegangen sind – vorwiegend aus Gastronomie oder Pflege. Zwei Betriebe, die sich dafür im April/Mai entschieden haben, sind die Brauerei Schäffler in Missen-Wilhams, die auch ein Hotel und ein Gasthaus betreibt, und der Frisör Hairlounge mit Salons in Kempten und Betzigau.

Stillstand in der Brauerei Schäffler verhindern, Lockdown in der Hairlounge abmildern

Nadine Graßl von der Brauerei Schäffler und ihre Familie erkrankten an Corona, was tägliche Tests der Mitarbeitenden nach sich zog. Ein Test habe damals noch zwischen sechs und sieben Euro gekostet, sagt Graßl. Um die Kosten zu minimieren und einen Stillstand in der Brauerei zu verhindern, richtetete sie im Saal des Gasthauses die Teststelle ein. Die Tests können dann mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet werden.

Die Sachkostenerstattung betrage 8 Euro pro Test, sagt Frisör Michele Terlizzi. Er stellte geschultes Fachpersonal ein und mietete Räume an. Fünf Teststellen hat er eingerichtet: neben seinen eigenen Salons, bei Art of Hair in Durach, beim Sportzentrum Haldenwang und bei der Schulturnhalle Wildpoldsried. „Ich wollte den Lockdown abmildern.“

Tests ab 11. Oktober kostenpflichtig

Terlizzi und Graßl stellen beide eine Steigerung der Nachfrage fest, seit die 3G-Regel gilt. Auch Touristen griffen auf das Angebot zurück. Ab 11. Oktober werden die Tests kostenpflichtig. Graßl ist unschlüssig, wie sie damit umgehen will. Sie fürchtet, dass manche Leute Gründe vorschieben könnten, warum sie nicht bezahlen müssen. Terlizzi will auf jeden Fall weitermachen.

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