Theater in Kempten

Corona wirbelt Proben und Spielpläne des Theaters durcheinander

Verstärken das Kemptener Ensemble: Corinne Steudler und Sebastian Strehler (im Stück „Räuber Hotzenplotz“).

Verstärken das Kemptener Ensemble: Corinne Steudler und Sebastian Strehler (im Stück „Räuber Hotzenplotz“).

Bild: Matthias Becker

Verstärken das Kemptener Ensemble: Corinne Steudler und Sebastian Strehler (im Stück „Räuber Hotzenplotz“).

Bild: Matthias Becker

Neben Absagen und Verschiebungen meldet das Theater in Kempten aber auch Erfreuliches: Intendantin Silvia Armbruster hat zwei neue Schauspieler verpflichtet. Bald sind sie auf der Bühne zu sehen.
12.11.2020 | Stand: 12:19 Uhr

Der November-Lockdown hat das Kemptener Theater zum Schließen gezwungen. Doch Ruhe ist im Haus nicht eingekehrt. Hinter den verschlossenen Türen jonglieren Direktorin Silvia Armbruster und ihr Team mit allerhand „Bällen“: Wieder einmal muss der Spielplan neu aufgestellt oder zumindest nachjustiert werden; wieder sind Proben anders zu terminieren; wieder wollen Kunden Geld für abgesagte Aufführungen rückerstattet bekommen. Zugleich arbeiten die Theaterleute an der Zukunft: Gerade hat Silvia Armbruster die Schauspieler Sebastian Strehler und Corinne Steudler verpflichtet.

Sebastian Strehler ist kein Unbekannter beim Theater in Kempten (TiK): Besucher kennen den bisher in Hamburg lebenden Schauspieler, Sänger und Musiker vom Mafia-Stück „Traumjobs“, von Shakespeares „Sturm“ oder vom „Räuber Hotzenplotz“. Der 39-Jährige wird halbtags angestellt und erweitert das kleine Ensemble mit Julia Jaschke und Hans Piesbergen. Ein weiterer festangestellter Schauspieler helfe ihr, Einnahmerückgänge wegen Corona teilweise auszugleichen, erklärt Intendantin Silva Armbruster. Denn das Kemptener Theater könne mit Strehler sein Repertoire erweitern und damit flexibler auf Umplanungen im Spielplan reagieren.

Sebastian Strehler übernimmt die Rolle des Esels

Schon am 23. November wird der Neue auf der Probebühne stehen. An diesem Tag beginnt die Einstudierung des Weihnachtsstücks „Ox und Esel“. Strehler übernimmt die Rolle des Esels in Norbert Ebels vergnüglicher Version der Weihnachtsgeschichte für alle Altersgruppen. Es soll am 12. Dezember Premiere feiern und danach etliche Male aufgeführt werden – sofern das Virus nicht wieder alles durcheinanderwirbelt und die Politik einen Strich durch die Rechnung macht.

Demnächst wird es ein weiteres neues Gesicht im Schauspieler-Ensemble geben: Corinne Steudler hat vom Theaterhaus Stuttgart, wo sie derzeit angestellt ist, „gastierfrei“ bekommen und kann deshalb in der TiK-Eigenproduktion „Die Jüdin und der Kardinal“ mitwirken und beim Sommermärchen die Choreografie übernehmen. Ihr Gastspiel wird von Theatermäzenin Annemarie Simon gesponsert. Auch Steudler ist schon Stammgast beim TiK: Das Publikum sah die 29-Jährige in diversen Aufführungen und beim Märchensommer auf der Burghalde. „Die Jüdin und der Kardinal“ feiert am 5. März Premiere, die Proben starten im Januar.

Nicht mehr in dieser Saison in Kempten zu sehen: "Die Ausgewanderten"

Eine andere Eigenproduktion des Kemptener Theaters wird dagegen in dieser Spielzeit nicht mehr zu sehen sein. Die ambitionierte Inszenierung von „Die Ausgewanderten“ von W. G. Sebald hat Silvia Armbruster ganz aus dem Spielplan genommen, nachdem eine Premiere des Stücks mit starkem Allgäu-Bezug gleich zweimal Corona-Lockdowns zum Opfer fiel: das erste Mal im März gleich nach der Generalprobe, und nun, in diesem November, noch einmal. Um auf der sicheren Seite zu sein, möchte Armbruster „Die Ausgewanderten“ erst Anfang 2022 auf die Bühne bringen.

Julia Jaschke musste diese erneute Verschiebung erst einmal verdauen. „Es ist ein komisches Gefühl, so lange zu proben – und dann nicht zu spielen“, sagt sie. Statt bei den „Ausgewanderten“ vor dem Publikum zu stehen, haben sie und Hans Piesbergen nun Zeit, ein weiteres Stück einzustudieren – quasi auf Vorrat. Die Rede ist von den „Love Letters“. „Silvia Armbruster tut alles, damit wir arbeiten können“, sagt Jaschke. Das Zweipersonen-Stück über Beziehungen und Lebenskonzepte, bei dem Annette Wunsch Regie führt, ist auf 16. Januar terminiert.

Hans Piesbergen: "Schlimm wäre, uns das Arbeiten zu verbieten"

Hans Piesbergen ist ebenfalls froh um die – eigentlich zu frühen – Proben. Gott sei Dank habe die Politik ihnen wenigstens dies gelassen. „Das Schlimmste wäre, wenn sie uns das Arbeiten komplett verbieten würde.“

Über mangelnde Arbeit kann sich auch Nicole Schönmetzer nicht beklagen. Die Pressesprecherin muss nicht nur die dauernden Absagen und Neuansetzungen kommunizieren, sondern auch die Abonnenten und Kartenkäufer betreuen. Dabei hat sie Erfreuliches erlebt: Etwa die Hälfte der Kartenkäufer verzichten auf eine Rückerstattung und spenden das Geld dem Theater.

Eine Unsicherheit bleibt gleichwohl im Theater in Kempten

Gleichwohl bleibt eine große Unsicherheit. Was soll das Theater überhaupt planen? Welche Produktionen soll es wann und mit welchem Kartenkontingent auf den Spielplan heben? Man wisse ja nicht, wie es mit der Pandemie weitergehe, was die Politik in zwei, vier oder acht Wochen vorgibt und wie viele Besucher in den großen Theatersaal, der gerade der einzige Spielort ist, eingelassen werden dürfen. „Viele unserer Besucher drücken ihr Unverständnis aus über die Corona-Maßnahmen der Politik“, sagt Schönmetzer.