Mit Crowdfunding durch die Corona-Krise

Crowdfunding: Hoffnung aus dem Internet für Startups und Künstler

Damit es auch nach Lockdown und Corona-Krise Angebote wie hier im Malraum in Kempten gibt, sammeln manche Künstler und Startups per Crowdfunding Geld.

Damit es auch nach Lockdown und Corona-Krise Angebote wie hier im Malraum in Kempten gibt, sammeln manche Künstler und Startups per Crowdfunding Geld.

Bild: Martina Diemand (Archiv)

Damit es auch nach Lockdown und Corona-Krise Angebote wie hier im Malraum in Kempten gibt, sammeln manche Künstler und Startups per Crowdfunding Geld.

Bild: Martina Diemand (Archiv)

Per Crowdfunding wollen Selbstständige und Künstler Einnahmen generieren. Zurück bekommen die Oberallgäuer und Kemptener weit mehr als Geld.
13.01.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Künstler und Selbstständige stehen derzeit vor großen finanziellen Herausforderungen. Manche von ihnen setzen nun auf etwas, von dem sie sich trotz aller Einschränkungen Einnahmen erhoffen. Die Rede ist vom Crowdfunding – also einer Art digitalem Geldsammeln. So manche sind von dem Ergebnis völlig überwältigt. Dabei wiegt die seelische Unterstützung oftmals scheinbar mehr als die finanzielle.

Rainer Hartmann (Rainer von Vielen) hat per Crowdfunding sein neues Album "Oriom" finanziert - und mehr

Der Sulzberger Musiker Rainer Hartmann (Rainer von Vielen, Orange) hat wie berichtet im Dezember per Crowdfunding begonnen, Geld für sein neues Album zu sammeln. Auf 7500 Euro hoffte er, um CDs zu pressen. In der Nacht auf Montag endete die Aktion. Das Ergebnis: 27 000 Euro. Nun kann Hartmann auch Vinylplatten pressen und ein Musikvideo drehen. „Enorm“, findet er das. Während des ersten Lockdowns sei „die Sinnhaftigkeit des eigenen Schaffens weggefallen“, sagt er. Ohne Konzerte, ohne Publikum. So hätten sich viele Künstler allein und verloren gefühlt. Das Crowdfunding habe ihm nun gezeigt: „Mein Publikum ist nach wie vor da und hat mich nicht vergessen.“

Auch der Kemptener "Bindungsraum" erhält während der Corona-Krise per Crowdfunding Unterstützung aus dem Internet

Ähnlich geht es Melanie Probst, die im März in Kempten den „Bindungsraum“ als Treffpunkt für Eltern eröffnet hat. Eine Kundin hat sie zum Crowdfunding überredet. Innerhalb etwa einer Woche sind so bereits knapp 1800 Euro zusammengekommen. „Überwältigend“ findet das Probst.

„Als 500 Euro erreicht waren, dachte ich mir schon: krass. Aber dann ging es immer weiter. Als es vierstellig wurde, saß ich vor dem Bildschirm und es sind nur noch Tränen geflossen.“ Die Rückmeldung der Menschen mache Probst „wahnsinnig stolz“. Wobei sie sich teilweise frage: „Wer sind diese Menschen?“ Manche Geldgeber kämen gar nicht aus der Region, wollen allein die Idee des Bindungsraums unterstützen. Nach diesem „katastrophalen Eröffnungsjahr“ gebe ihr das einen „Extraschub“. Das Geld sieht sie als „Puffer“ – immerhin müsse sie die bisher gestundete Miete für ihre Räume irgendwann nachzahlen.

Der "Malort" in Kempten sammelt Geld, um Kindergartenkindern Malerlebnisse zu ermöglichen - und um den Malort zu retten

Vom Erfolg des Bindungsraums angespornt, will es nun auch Katharina Bierschenk versuchen. Die Inhaberin des „Malorts“ kennt Probst vom Unternehmerinnen-Netzwerk „Allgäuer Macherinnen“. Ihr Aufruf: Per Spenden soll es Kindergartenkindern ermöglicht werden, drei Monate das Angebot des „Malorts“ zu nutzen, um ohne Druck und Wertung zu malen. Bierschenk fällt es allerdings schwer, Geld ohne direkte Gegenleistung anzunehmen – vor allem, da niemand weiß, wie es wirtschaftlich weitergeht. „Das erzeugt auch einen gewissen Druck.“ Innerhalb von drei Tagen sind bei ihr 345 Euro zusammengekommen. Eine der Geldgeberinnen schrieb zu ihrer Überweisung: „Katharina, halte durch!“