Weltspartag

Das Sparbuch verliert

Banker halten es für wichtig, Kapital für Notfälle und das Alter zurückzulegen.

Banker halten es für wichtig, Kapital für Notfälle und das Alter zurückzulegen.

Bild: Ulrich Weigel

Banker halten es für wichtig, Kapital für Notfälle und das Alter zurückzulegen.

Bild: Ulrich Weigel

Geldanlagen ohne Rendite führen zum Verlust von Kaufkraft. Dennoch halten Banker es für wichtig, Kapital für Notfälle und zur Zukunftsvorsorge zurückzulegen. Nur wie?
19.02.2021 | Stand: 18:29 Uhr

Beim Blick aufs Sparbuch kommen Tränen. Zinsen? Fehlanzeige. Die einzigen Augen, die da noch leuchten können, sind die der Kinder. Zumindest am heutigen Weltspartag, wenn Sparkassen und Banken Sparbemühungen mit kleinen Überraschungen belohnen. Kritiker mögen den Weltspartag in Zeiten von Minuszinsen für eine Farce halten. Doch Oberallgäuer Banker widersprechen: Sie halten ihn trotz allem für wichtig. Wir sprachen exemplarisch mit zwei Banken; es gibt natürlich weitere.

„Sparen ist ein zentraler Faktor für die Zukunftsvorsorge“, spricht Heinrich Beerenwinkel, Vorstand der Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu, von einem Puffer für nötige Anschaffungen. Es sei wichtig, das ins Bewusstsein junger Menschen zu rücken. Heribert Schwarz, Vorstand der Sparkasse Allgäu, sieht es ähnlich. In der aktuellen Zinslandschaft müsse man den Menschen zudem bewusst machen, dass sie dringlichst was tun müssten: „Jeder, der Geld aufs Sparbuch legt, der verliert Kaufkraft.“ Denn durch die Inflation sinkt der Wert stetig.

Dennoch legen laut einer Studie der Postbank die meisten Deutschen Geld ohne oder nur mit Mini-Zins an: Fast jeder Zweite (49 Prozent) nutze das Girokonto zum Sparen, gefolgt vom Sparkonto (32 %). Und zumindest bei den 16- bis 39-Jährigen bunkert sogar jeder Dritte Geld daheim. Ertrag bringt das alles nicht. Was also tun, wenn Sparanlagen wohl noch auf Jahre keine Rendite bringen? Ein finanzieller Sockel für Reparaturen, Anschaffungen und Notfälle sollte immer verfügbar sein. Ist der angespart, raten Banker zu Sachwerten. Dazu zählen Aktien/Aktienfonds. Und es gibt weitere Wertpapiere wie Immobilienfonds. Auch das aktuell sehr gefragte Gold ist ein Sachwert. Da ist freilich die Frage, ob der hohe Kurs gerade am Beginn oder schon am Ende eines Aufwärtstrends steht.

„Entscheidend ist beim Vermögensaufbau, nicht alles auf ein Pferd zu setzen“, sagt Beerenwinkel. Wer sparen oder anlegen will, müsse vernünftig mischen. Da hilft beispielsweise die Bank, wenn sie bei der Beratung die Gesamtsituation ihres Kunden berücksichtigt. Langfristig hätten auch Aktien absolut Sinn.

Risiko streuen

Dabei geht es aber für die meisten nicht um Papiere einzelner Unternehmen. Wer auf Fonds setzt, streut das Risiko, kann sich als Kleinsparer selbst mit monatlicher 25-Euro-Rate an hunderten Unternehmen beteiligen. Wer will, kann gezielt in Länder und Märkte investieren. Es gibt auch Mischfonds, die verschiedene Anlageformen verbinden. Aus Angst vor Kursschwankungen spielt womöglich dennoch mancher lieber Lotto, statt Aktien zu kaufen. Der Knackpunkt ist die Anlagedauer: „Was ich langfristig anlege, darf schwanken“, erklärt Schwarz. Hätte jedes Haus eine Preistafel vorne dran, gäbe es auch da Schwankungen, die viele überraschen, ist sich Alfons Stöberl, Chef des Raiba-Privatkundengeschäfts, sicher.

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Dahinter steckt, dass Sachwerte zwar an Wert gewinnen und verlieren, sich aber anders als Geldvermögen und Anleihen bei einer schweren Krise nicht ohne Weiteres in Luft auflösen (außer, eine Firma geht pleite). Stöberl nennt ein Beispiel: Eine Geldanlage in den 1920er-Jahren in Siemens-Aktien hätte zwei Währungsreformen und einen Krieg überstanden, da Aktien ja Unternehmensanteile sind. Auch aktuell seien deutsche Aktienwerte nicht überteuert, sagt Schwarz. Ob der Deutsche Aktien-Index (Dax) mit einem Wert von knapp 13 000 Punkten nicht längst aufgebläht ist? Das habe es früher schon geheißen, als der Dax erstmals Marken wie 5000 und 7500 erreichte, erklärt Rochus Nickl, Leiter des Bereichs Privatkunden bei der Sparkasse.

Bei dem Weg zum Vermögensaufbau gibt es freilich auch ein grundsätzliches Problem: So mancher Sparer, sagt Schwarz, sei nicht diszipliniert genug, um monatlich einen festen Betrag auf die Seite zu legen. Da helfe ein Dauerauftrag. Kernfrage ist für Beerenwinkel nicht, wo jemand spart, sondern dass er es überhaupt tut – am besten mit staatlicher Förderung und vermögenswirksamen Leistungen. Und wie viel? Ziel sollten laut Nickl zehn Prozent des Nettoeinkommens sein.