Ausstellung in Kempten

Der Mensch: So schön verletzlich

Artig-Ausstellung

Die körperlichen und seelischen Spuren sind sichtbar: Skulpturen von Nadine Elda Rosani.

Bild: Harald Holstein

Die körperlichen und seelischen Spuren sind sichtbar: Skulpturen von Nadine Elda Rosani.

Bild: Harald Holstein

Die meisterhaften Skulpturen von Nadine Elda Rosani sind in der Galerie Kunstreich zu sehen. Die Künstlerin zeigt die seelischen und körperlichen Spuren des Lebens.
23.11.2021 | Stand: 06:00 Uhr

„Nur menschlich“ heißt die neue Ausstellung in der Artig-Galerie Kunstreich in Kempten mit Skulpturen der Bildhauerin Nadine Elda Rosani. Ein treffender Titel, denn er weist auf die kompromisslose, unverstellte Darstellung des Menschen in ihrer Kunst hin. Wie die 46-Jährige aus dem mittelfränkischen Heideck die Verletzlichkeit und Reife des Alters, wie sie ambivalente Befindlichkeiten in Holz bannt, ist meisterhaft. Für ihre lädierte, einfüßige Frauengestalt mit dem Titel „Was wir nicht sehen“ wurde sie 2020 mit dem Artig-Sonderpreis ausgezeichnet. Jetzt widmet sich die Einzelausstellung ihrem Werk. Rosani zeigt vier Wochen lang lebensgroße, kleinere und auch winzige Skulpturen.

Bildhauerin Rosani zeigt in der Ausstellung auch kleine Astronautenfiguren.
Bildhauerin Rosani zeigt in der Ausstellung auch kleine Astronautenfiguren.
Bild: Harald Holstein

Beeindruckend wahr und menschlich wirken ihre Frauengestalten, an denen man körperliche und seelische Spuren eines aufreibenden Lebens ablesen kann. Auch wenn die Statuetten auf den Zehen stehen und fragil erscheinen, bleiben sie äußerlich wie innerlich im Gleichgewicht. „Meine Figuren sind niemals gebrochen“, sagt Rosani. „Sie sind standhaft und werden im Leben immer stehen bleiben.“

Ihre überwiegend nackten Figuren strotzen vor Lebendigkeit. Kleine Gesten, leicht zurückweichende oder hochgezogene Schultern vermitteln Haltungen und Gefühle. Die Verwundbarkeit des Menschen wird durch Risse und Asteinschließungen im Holz noch verstärkt. Bei Nadine Rosani fallen Inhalt und Form vollkommen zusammen.

Ihre kleinformatigen „Terranauten“ zeigen die humorvolle und hintergründige Seite der 46-Jährigen. Die Figürchen schützen sich mit Astronautenhelmen, wenn der Wald einmal nicht mehr da ist und keine saubere Luft mehr liefert. In kleine Schaukästen bannt sie das „Treibgut meiner Träume“. Im unteren Gewölbe gibt es einiges über Tiere zu entdecken – und was wir mit ihnen machen. Eine rundum ansprechende Einzelschau, aus der man sehr viel mitnimmt.

Die Ausstellung läuft bis 19. Dezember 2021 (geöffnet Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr, Dienstag 16 bis 20 Uhr). Der Eintritt ist frei.