Gefährliche Blutsauger

Diese exotischen Mücken machen sich im Allgäu breit

Die Asiatische Tigermücke kann gefährliche Viren übertragen.

Die Asiatische Tigermücke kann gefährliche Viren übertragen.

Bild: James Gathany/CDC/Centers for Disease Control and Prevention/dpa

Die Asiatische Tigermücke kann gefährliche Viren übertragen.

Bild: James Gathany/CDC/Centers for Disease Control and Prevention/dpa

Das Gesundheitsamt Oberallgäu rechnet mit einer Zunahme tropischer Mückenarten wie der Asiatischen Tiger- und der Buschmücke. Ursache dafür sind zwei Dinge.

12.08.2020 | Stand: 13:22 Uhr

Wassermangel, ausgetrocknete Bäume und Böden sowie Menschen, die unter Hitze leiden: Der Klimawandel hinterlässt auch in der Region immer mehr Spuren. Wegen der Erderwärmung und Globalisierung droht allerdings Einheimischen und Gästen eine weitere Gefahr: Insektenarten aus den Tropen, die sich auch hier verbreiten und exotische Erreger mit sich bringen können.

Wie die Asiatische Tigermücke, deren Erreger laut Dr. Ludwig Walters, stellvertretender Leiter des Oberallgäuer Gesundheitsamts, das Dengue-Fieber auslöst. Diese Virus-Infektion kann bei schwerem Verlauf tödlich sein. Wissenschaftler beobachteten auf dem Kontinent „eine massive Zunahme dieser Mückenart von Süd nach Nord“. Sie verbreite sich vor allem entlang der Verkehrswege, wie an der A 7.

 

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Virus löst Chikungunya-Fieber aus

Die Asiatische Tigermücke könne zudem das Chikungunya-Virus in sich tragen, das das gleichnamige Fieber und Gelenkbeschwerden auslöst, erklärt Walters. Früher war diese tückische Krankheit vor allem in Afrika und Asien verbreitet.

Inzwischen gibt es bereits Fälle in Europa wie 2007 in Ravenna (Italien): Im Sommer 2007 waren bei dem regionalen Ausbruch 197 Fälle gemeldet worden. Walters: „Wir erwarten so etwas auch irgendwann im Allgäu.“

Auch die Asiatische Buschmücke wurde bereits im Oberallgäu gesichtet: Ihr Stich kann das West-Nil-Virus übertragen – das dadurch ausgelöste Fieber kann in seltenen Fällen zu einer Gehirnentzündung führen.

 

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Frau kurz vor der Blutvergiftung

Diese Mücken hatten Inge Gülcher und ihre Tochter Sabine im Sommer 2017 in ihrem Garten in Sonthofen gestochen. Beide Frauen hatten Stiche am Körper, die massiv juckten, anschwollen und die man sogar nach Monaten noch sah. Während die Mutter beinahe eine Blutvergiftung bekommen hatte, litt die Tochter an einer rätselhaften fiebrigen Erkrankung. Die Gülchers fingen daraufhin ein Exemplar in ihrem Garten und schickten es an das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Brandenburg. Die Experten untersuchten das Insekt und bestätigten: Das war eine Asiatische Buschmücke.

 

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Aber wie schützt man sich vor solchen tropischen Mücken? „Meistens sind deren Erreger Viren“, sagt Walters. Dagegen gebe es kaum Impfstoffe. Die meisten Krankheiten, die die Viren auslösen, seien aber behandelbar. Im Vorfeld zur Vorbeugung könnten lediglich etwa Mückennetze helfen. Generell rechnet das Gesundheitsamt mit immer mehr Nachweisen dieser Mücken im Allgäu: „Diese Arten werden zunehmend heimisch.“

 

Eine Asiatische Buschmücke ist in einem Sammlungskasten für Insekten im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung zu sehen.
Eine Asiatische Buschmücke ist in einem Sammlungskasten für Insekten im Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung zu sehen.
Bild: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Auch heimische Arten im Fokus

Für viel Unruhe sorgen in diesem Sommer aber auch viele heimische Stechmücken – vor allem an Gewässern, an denen starke Niederschläge die Pegelstände steigen lassen. Aber können einheimische in gleichem Maße wie eingewanderte Mücken Krankheitserreger übertragen? Mit dieser Frage beschäftigt sich derzeit Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum. Die Biologin nutzt das relativ hohe Mückenaufkommen in Deutschland für ihre Forschungsarbeit. Weitere Studien dazu würden am Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in Greifswald, durchgeführt.

 

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Aber können Mückenstiche das neuartige Coronavirus übertragen? „Nein“, beruft sich Landratsamts-Sprecherin Brigitte Klöpf auf eine Aussage der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Weder die gemeine Stechmücke noch die Tigermücke könne das. Dafür gebe es bisher keine Beweise. Das Corona-Virus gehe auf die Atemwege und verbreite sich hauptsächlich durch Tröpfchen – wenn ein Infizierter „hustet, niest oder durch Speicheltröpfchen oder Nasensekret.“

 

Tipps gegen Mückenstiche

Dr. Ludwig Walters, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts Oberallgäu erläutert, wie man mit Mückenstichen umgeht:

  • Abwehr: Mittel, die Mücken vertreiben sollen, sind der erste wirksame Schutz. Synthetische Stoffe (häufig verwendet werden Icaridin oder DEET) sind effektiver als pflanzliche.
  • Stich: Sofort die Wunde kühlen, etwa mit einem (feucht)kalten Tuch oder einem umwickelten Kühlakku. Walters empfiehlt auch gerne wirksame Hilfe aus dem Garten, vor allem den Spitzwegerich.
  • Allergie: Schwellungen oder Rötungen müssen nicht zwingend allergischer Natur sein, der Körper wehrt sich nur. Wer besonders stark oder allergisch auf den Stich reagiert, benötigt in der Regel Medikamente, die eine ausufernde Reaktion bremsen sollen. Dies geschieht beispielsweise mit Antihistaminika, oft kombiniert mit Hydrocortison, in lokaler Anwendung. Hier gibt es eine Bandbreite an rezeptfrei in der Apotheke erhältlichen Mitteln.
  • Heftige Reaktion: Bei einer heftigen allergischen Reaktion müssen Antihistaminika als Tabletten oder Tröpfchen eingenommen oder gar intravenös stärker wirksame Mittel wie Cortisone verabreicht werden. Bei Stichen an kritischen Stellen wie Augen oder Mund, Atembeschwerden oder Kreislaufproblemen (Notfällen) muss umgehend und ein Arzt aufgesucht oder gerufen werden.

Wer „Mückenjäger“ werden will, kann beim Projekt des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung mitmachen. Informationen dazu online unter www.mueckenatlas.com