Corona und Arbeiten

Digitalisierung: Wo das Homeoffice an Grenzen stößt

Durch die Corona-Krise hat sich die Arbeitsweise in vielen Unternehmen verändert. Bei manchen kurzfristig, andere halten auch künftig an den Neuerungen fest: zum Beispiel am Homeoffice.

Durch die Corona-Krise hat sich die Arbeitsweise in vielen Unternehmen verändert. Bei manchen kurzfristig, andere halten auch künftig an den Neuerungen fest: zum Beispiel am Homeoffice.

Bild: Ralf Lienert

Durch die Corona-Krise hat sich die Arbeitsweise in vielen Unternehmen verändert. Bei manchen kurzfristig, andere halten auch künftig an den Neuerungen fest: zum Beispiel am Homeoffice.

Bild: Ralf Lienert

Seit Beginn der Pandemie setzen viele Unternehmen verstärkt auf digitale Lösungen. Warum der persönliche Kontakt nicht immer zu ersetzen ist.

Durch die Corona-Krise hat sich die Arbeitsweise in vielen Unternehmen verändert. Bei manchen kurzfristig, andere halten auch künftig an den Neuerungen fest: zum Beispiel am Homeoffice.
Von Frederick Mersi
29.08.2020 | Stand: 17:00 Uhr

Weniger Dienstreisen, kleinere Büros, mehr Zeit im Homeoffice: Wie eine Umfrage bei Firmen im Oberallgäu ergab, wollen viele Arbeitgeber nach den Erfahrungen während der Corona-Pandemie den Arbeitsalltag auch langfristig verändern. Wo es irgendwie möglich ist, wird auf digitale Kommunikation gesetzt. Doch diese Pläne stoßen auch an Grenzen.

Die Raiffeisenbank im Allgäuer Land mit Sitz in Altusried machte diese Erfahrung gleich zu Beginn der Pandemie im Frühjahr. „Selbst zu Hochzeiten hatten wir nur zwei Mitarbeiter im Homeoffice“, sagt Bankvorstand Peter Rauh. „Bei unserer Arbeit geht es um sensible Daten, zuhause wäre deshalb ein abgeschlossener Bereich für unsere Mitarbeiter nötig.“ Längst nicht alle Beschäftigten konnten diese Voraussetzungen in ihrer Wohnung erfüllen. Aktuell arbeitet deshalb nur eine Mitarbeiterin der Raiffeisenbank von Zuhause aus.

Lehre aus Corona: Große Büros werden geteilt

Doch auch im Büro wird sich durch Corona langfristig etwas verändern, sagt Rauh. „Wir haben größere Räume geteilt und werden das auch so beibehalten.“ Bei einem Neubauprojekt der Bank in Dietmannsried wurde zudem in den Planungen das Lüftungssystem verändert: Luftströme von unten nach oben statt von einer Raumseite zur anderen sollen die Infektionsgefahr verringern. „In den vergangenen Jahrzehnten hatte sich vieles eingeschliffen“, sagt Rauh. „Durch Corona wird alles hinterfragt, das ist ausnahmsweise etwas Positives.“

Trotz Homeoffice: Manches lässt sich nicht zuhause erledigen

Jüngere Firmen wie die 2010 gegründete Sonnen GmbH in Wildpoldsried mussten im Frühjahr nicht ganz so viel verändern. „Bei uns war mobiles Arbeiten und Homeoffice schon ein Teil der Unternehmenskultur“, sagt Personalchefin Caroline Möschel. „Wir konnten uns also schnell umstellen.“ Allerdings gibt es auch bei dem Allgäuer Hersteller von Batteriespeichern Bereiche, in denen die Arbeit von Zuhause nicht ganz so leicht umsetzbar ist. Als Beispiel nennt Möschel die Produktion.

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Auch im Kontakt mit Kunden seien persönliche Gespräche nicht immer eins zu eins durch virtuelle Konferenzen ersetzbar. „Gerade Corona hat auch die Bedeutung des persönlichen Kontakts gezeigt“, sagt Möschel. Deshalb werde das Unternehmen mit seinen 450 Mitarbeitern im Allgäu und in Berlin sowie 250 Beschäftigten im Ausland auch in Zukunft nicht ganz auf Dienstreisen verzichten: „Man muss sich hin und wieder mal sehen.“

Besprechungen auch im Büro weiterhin virtuell

Beim Bauunternehmen Geiger in Oberstdorf betont man, auf jede Reise zu verzichten, „die nicht unbedingt sein muss“. Die meisten Mitarbeiter seien inzwischen zwar wieder ins Büro zurückgekehrt, sagt eine Sprecherin. Ein Großteil der Besprechungen finde aber weiter virtuell statt.

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An der Hochschule Kempten wünschten sich viele dagegen eine Rückkehr zur Arbeitsweise vor Corona, sagt Kanzler Christian Herrmann. „Eine Hochschule lebt vom Austausch, die Atmosphäre am Campus lässt sich nicht digital gestalten.“ Die Pandemie habe zu einer „unvergleichlichen Sondersituation“ mit 80 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice geführt: „Aber die Präsenz vor Ort muss aus meiner Sicht weiter Vorrang haben.“