Festwoche

Drei Jahre lang Schützenkönig

Beim traditionellen Königsschießen während der Allgäuer Festwoche wird genau geprüft, welcher Schuss dem Ziel am nächsten kam. Unser Foto aus dem Jahr 2018 zeigt (von links) Tim Koemstedt, Schützenkönig Josef Mayr, Thomas Kreuzer und Mechtilde Wittmann.

Beim traditionellen Königsschießen während der Allgäuer Festwoche wird genau geprüft, welcher Schuss dem Ziel am nächsten kam. Unser Foto aus dem Jahr 2018 zeigt (von links) Tim Koemstedt, Schützenkönig Josef Mayr, Thomas Kreuzer und Mechtilde Wittmann.

Bild: Ralf Lienert

Beim traditionellen Königsschießen während der Allgäuer Festwoche wird genau geprüft, welcher Schuss dem Ziel am nächsten kam. Unser Foto aus dem Jahr 2018 zeigt (von links) Tim Koemstedt, Schützenkönig Josef Mayr, Thomas Kreuzer und Mechtilde Wittmann.

Bild: Ralf Lienert

Der Wettstreit zählt zu den lieb gewonnen Traditionen der Kemptener Messe. Warum sich Josef Mayrs "Amtszeit" verlängert und ein dicker Geldbeutel von Vorteil ist.
13.08.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Ein einziger Schuss aus 50 Metern. Mit dem Luftgewehr voll in die Mitte der künstlerisch gestalteten Bildscheibe. Mitten ins Glück. Wobei das mit dem Glück so eine Sache ist. Denn für die einen ist es eine große Ehre, als Festwochenkönig die Schützengilde zu repräsentieren, für die anderen eher eine Bürde. So mancher, erzählt man, habe in der Vergangenheit schon absichtlich vorbeigeschossen, um dem Amt auf diese Weise zu entgehen. „Ja, Geschichten gibt es viele. Wer am Schießabend teilnimmt, weiß aber eigentlich, was auf ihn zukommen kann“, sagt der amtierende Festwochenkönig Josef Mayr lachend.

Seine wichtigste Aufgabe ist es, die königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft, kurz FSG, Kempten während der Festtage ordentlich zu repräsentieren. Aber das Amt bringt auch manche kostspielige Pflicht mit sich: Nach dem Einmarsch mit der Königsfahne ins Bierzelt und dem Dirigieren der Musikkapelle sollte der Regent die Schützenfamilie mit Speis und Trank freihalten. Für den nächsten Festwochenempfang, der alle zwei Jahre stattfindet, muss der König oder die Königin nicht nur eine möglichst kreative Zielscheibe stiften, sondern auch eine ordentliche Brotzeit. „Man sagt, der Festwochenkönig sollte auf jeden Fall immer einen dicken Geldbeutel dabei haben“, meint Florian Hasler, Vorsitzender der FSG.

"Gesellschaftlicher Höhepunkt"

Die Allgäuer Festwoche und das Schützenwesen sind traditionell eng miteinander verbunden. Im August 1951 bekamen die Besucher erstmals seit langer Zeit wieder einen Schützenzug durch die Stadt zu sehen. „Der Allgäuer“ berichtete damals: „Lustig werden die Büchsen der Allgäuer Schützen beim 1. Allgäuer Gauschießen nach dem Krieg knallen. Zwar ist das Schießen mit Feuerwaffen untersagt, aber mit gepresster Luft kann man auch ins Schwarze treffen.“ In den Jahren darauf trafen sich die Schützen alljährlich in Kempten, um während der Festwoche ihr Gauschießen auszutragen. 1984 schlug bei einer Ausstellung historischer Schützen-Ehrenscheiben im Sparkassen-Gebäude schließlich die Geburtsstunde des Festwochen-Schießens in der heutigen Form. „Das ist aber an sich kein sportlicher Wettstreit, sondern vielmehr ein gesellschaftlicher Höhepunkt“, sagt Hasler. Denn in der Schießstätte im Stadtteil Rothkreuz kommen vor allem Geschäftsleute und Lokalpolitiker zusammen. Hasler sagt: „Es ist eine gute Gelegenheit, uns als Verein vor den Leuten zu präsentieren, die in Kempten etwas voranbringen.“

Schaden hält sich in Grenzen

In diesem Jahr wurde der Festwochen-Empfang samt Königsschießen bei der FSG wegen der Corona-Pandemie und ihren Folgen schon recht bald abgesagt. Mayr, Sieger von 2018, bleibt damit an der Macht, bis nach derzeitigen Planungen im August kommenden Jahres wieder geschossen wird. „Ich bin damit nach meinen Siegen 1992, 1998 und 2018 nicht nur der Einzige, der dreimal Festwochenkönig wurde. Es gab bislang auch noch keine Amtszeit, die drei Jahre lang gedauert hat. Es ist in der Tat eine ganz eigentümliche Geschichte. Aber von einem Rekord will ich angesichts der Corona-Situation lieber nicht sprechen“, meint er.

Eine neue Schießscheibe hatte er noch nicht gestalten lassen. Der Schaden hält sich demnach in Grenzen. Das bunte Treiben bei der Allgäuer Festwoche vermisst Mayr trotzdem. Denn er ist einer der Titelträger, die ihr Amt mit Stolz ausführen. Er meint: „Von einem König wird eine hohe Präsenz bei der Festwoche erwartet. Aber die hat sich bei mir in der Vergangenheit eh kaum mehr steigern lassen.“