Alternative Mobilitätsangebote

"e-Hubs": Erste Verleih-Station in Kempten soll im Sommer öffnen

E-Lastenräder sollen an Verleih-Stationen in Kempten angeboten werden. Im Bild ist so ein Rad im Innenhof des Neuen Schlosses in Stuttgart zu sehen.

E-Lastenräder sollen an Verleih-Stationen in Kempten angeboten werden. Im Bild ist so ein Rad im Innenhof des Neuen Schlosses in Stuttgart zu sehen.

Bild: Christoph Schmidt, dpa

E-Lastenräder sollen an Verleih-Stationen in Kempten angeboten werden. Im Bild ist so ein Rad im Innenhof des Neuen Schlosses in Stuttgart zu sehen.

Bild: Christoph Schmidt, dpa

Verkehrsmanager Stefan Sommerfeld erklärt im Interview das von der EU geförderte Pilotprojekt. Kempten ist dabei der einzige Teilnehmer Deutschlands.
23.09.2020 | Stand: 11:05 Uhr

Als einzige Stadt in Deutschland macht Kempten bei „e-Hubs“ mit. Für das von der EU geförderte Projekt gab es im Januar grünes Licht. Dabei sollen alternative Mobilitätsangebote geschaffen und entwickelt werden. Wie das funktioniert, erklärt Kemptens Verkehrsmanager Stefan Sommerfeld.

Warum hat sich Kempten für das Projekt e-Hubs beworben?

Stefan Sommerfeld: Das übergeordnete Ziel ist, die CO2-Emissionen in der Stadt zu senken. Durch das Projekt sollen der Anteil an „shared“ (geteilter) und elektrischer Mobilität erhöht und damit der Verkehr in Städten umweltfreundlicher und effizienter gestaltet werden. Da auch in Kempten Mobilität einen großen Faktor beim Thema Klimawandel darstellt, hat die Stadt beschlossen, diesem innovativen und ambitionierten Projekt beizutreten. Kempten dient zusammen mit sechs anderen Städten – Amsterdam, Arnheim und Neijmengen in den Niederlanden, Manchester in Großbritannien, Dreux in Frankreich und Leuven in Belgien – als Pilotstadt, um dieses relativ neue Konzept zu etablieren.

Wie ist der aktuelle Stand?

Sommerfeld: Wir suchen derzeit Betreiber, die E-Autos, E-Bikes und E-Lastenräder anbieten. E-Tretroller sind nicht geplant. Es gibt heute allerdings noch keinen Anbieter, der alle Fahrzeugtypen hat. Daher sind wir mit vielen verschiedenen Unternehmen im Gespräch. Neben einer sharingfähigen „Hardware“, also Räder und Stationen, ist auch die „Software“, die Buchungs- und Bezahlabwicklung, entscheidend.

Welches System bekommt Kempten?

Sommerfeld: Geplant ist ein sogenanntes „stationsbasiertes Sharingsystem“. Dabei werden Fahrzeuge an einer festen Station abgeholt und dort wieder abgegeben. Anders als beim „free-floating System“, bei dem das Fahrzeug dort steht, wo der letzte Kunde es abgestellt hat. Mit einem stationsbasierten System wird ein wildes Abstellen an den Straßen vermieden.

Wo sollen die Mobilitätsstationen in Kempten stehen?

Sommerfeld: Verleihsysteme für E-Lastenräder und E-Bikes gibt es bisher kaum. Darum ist uns wichtig, dass wir zunächst lernen, wie dieser Markt funktioniert. Daher werden wir zu Beginn kein großes und flächendeckendes Netz an Stationen aufbauen. Wichtig ist die Fokussierung auf die Bedürfnisse von Zielgruppen, beispielsweise die Bewohner von großen Wohnquartieren, die mit dem E-Lastenrad zum nahe gelegenen Einkaufszentrum fahren. Auch Studenten, die Freizeittouren in die Stadt oder in die Umgebung unternehmen oder Touristen, die sich Sehenswürdigkeiten in und um Kempten anschauen wollen, sind Zielgruppen. Für solche Szenarien wollen wir die richtigen Standorte finden. Ich glaube, es ist wichtig, dass das Angebot nahe am Kunden ist. Wenn wir gelernt haben, wo was für wen funktioniert, dann werden wir das System sukzessive ausbauen.

Wann eröffnet die erste Station?

Sommerfeld: Wir werden diesen Sommer die erste e-Hub-Station an der Grabengasse anbieten. Bis Ende 2021 wollen wir bis zu zehn Stationen im Stadtgebiet realisieren.

Wie sieht die Finanzierung aus?

Sommerfeld: Die EU bezuschusst das Projekt mit 60 Prozent. Die Förderung läuft über Interreg North-West Europe mit Amsterdam als Führungspartner. Gefördert werden die Planung und Gestaltung der Stationen. Insgesamt gibt es etwa fünf Millionen Euro Zuschuss, wobei Kempten auf circa 300.000 Euro zugreifen kann. Die Stadt plant zudem 120.000 Euro pro Jahr in ihrem Haushalt ein.

Welche Rolle spielt „Bayern Innovativ“ bei dem Projekt?

Sommerfeld: Die Einrichtung des Freistaats unterstützt zum einen die Stadt Kempten bei der Umsetzung von e-Hubs. Zum anderen erstellt Bayern Innovativ anhand der gewonnenen Projekterfahrungen einen Leitfaden. Dieser soll weitere Städte dabei unterstützen, Mobilitätsstationen aufzubauen. Von Bayern Innovativ erhalten wir keine Fördergelder, aber Expertenwissen.

Stadtverband der Sportvereine
Kemptens Verkehrsmanager Stefan Sommerfeld erläutert das von der EU geförderte Pilotprojekt "e-Hubs".
Bild: Stadtverband der Sportvereine