Stadtleben

Edeltraud und Dieter Eckardt verkauften 30 Jahre am Kemptener Wochenmarkt - jetzt hören sie auf

Mit Wehmut verabschieden sich Edeltraud und Dieter Eckardt vom Kemptener Wochenmarkt. 30 Jahre lang verkauften sie hier ihre Waren.

Bild: Ingrid Jähnig

Mit Wehmut verabschieden sich Edeltraud und Dieter Eckardt vom Kemptener Wochenmarkt. 30 Jahre lang verkauften sie hier ihre Waren.

Bild: Ingrid Jähnig

Edeltraud und Dieter Eckardt verkaufen 30 Jahre lang Obst und Gemüse auf dem Kemptener Wochenmarkt. Jetzt haben sie ihren Stand abgegeben.

08.06.2020 | Stand: 14:55 Uhr

30 Jahre lang machten sich Edeltraud und Dieter Eckardt mittwochs und samstags um halb vier Uhr in der Früh von Burgberg aus auf den Weg nach Kempten. 30 Jahre lang war ihr Ziel der Kemptener Wochenmarkt. Jetzt haben die Eckardts Lebewohl gesagt – und ihren Stand (im Sommer auf dem Hildegardplatz, im Winter in der Markthalle) einem anderen Händler überlassen. „Mit Wehmut“, sagt Dieter Eckardt, denn „gerne und mit Leidenschaft“ waren die beiden als Händler auf dem Markt. Aus Altersgründen haben sie jetzt aufgehört.

Jeden Mittwoch und jeden Samstag verwandelt sich im Sommer der Hildegardplatz und im Winter die Markthalle am Königsplatz in einen Ort bunten Markttreibens. Drei Jahrzehnte lang verkaufte auch das Ehepaar Eckardt dort frisches Obst und Gemüse, garniert mit Kochempfehlungen, Ratschlägen für die Verwendung exotischer Früchte, Gewürzkräutern – und stets einem freundlichen Lächeln. Denn Edeltraud und Dieter Eckardt lieben den Kontakt zu ihren Kunden, darunter viele Stammkunden. Das werden sie jetzt im Markthändler-Ruhestand auch vermissen, sagt der langjährige Händler.

Ursprünglich hatten die Eckardts ein Feinkostgeschäft in Sonthofen

Angefangen mit Marktverkauf hat das Ehepaar nach der SchliWochenmarkt Kempteneßung seines Feinkostgeschäfts in Sonthofen. Das war 1981, nach 18 Jahren. Dann verkauften die Burgberger Obst und Gemüse, das sie direkt von Erzeugern oder aus der Großmarkthalle München bezogen, auf Märkten in Fischen, Hirschegg, im Kleinwalsertal und in Ottobeuren. Nach und nach haben sie aufgehört. Nur der Wochenmarkt in Kempten lag ihnen bis heute am Herzen.

Und das nicht nur Markthändlern wie den Eckardts. Viele der 50 Standbetreiber seien lange dabei, sagt Martina Dufner-Wucher vom „Kempten Messe- und Veranstaltungsbetrieb“, der für den Wochenmarkt verantwortlich zeichnet. Die Nachfrage nach Ständen sei da, halte sich aber in Grenzen. Etwa 15 Anwärter auf einen Marktstand mit unterschiedlichen Standgrößen-Wünschen umfasse die Warteliste. Ausgewählt werde nach bestimmen Kriterien: So dürfe kein Produkt überrepräsentiert sein. Das Angebot sollte ausgewogen sein – „es muss passen“, sagt Dufner-Wucher. Traditionell gebe es zwar immer wieder Bewerbungen für Imbissstände. Doch die sollten nicht überhandnehmen. Schließlich sollte der Markt der Vermarktung von Produkten dienen.

Wer darf hier eigentlich verkaufen?

In der städtischen Wochenmarktsatzung sind deshalb die Kriterien für eine Standzulassung genau geregelt. Zugelassen sind zum Beispiel „Produkte des Obst- und Gartenbaus, der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei, rohe Naturerzeugnisse mit Ausnahme größeren Viehs.“ Auf das Angebot komme es also an, sagt Dufner-Wucher. Mit dem Ziel, den Wochenmarkt attraktiv zu gestalten. Deshalb wünscht sich der Kempten Messe- und Veranstaltungsbetrieb auch stets neue Bewerber für den Kemptener Markt.

So entstand der Kemptener Wochenmarkt

Den freilich gab es früher nicht in dieser Form. Erst ab 1870 gelang es, die beiden Wochenmärkte der ehemaligen Alt- und Neustadt zu vereinigen. Sowohl der Mittwochs- als auch der Samstagsmarkt fanden nun für die Dauer von fünf Jahren auf dem Hildegardplatz und zum Teil in der Schranne des Kornhauses statt. 1875 zog der Samstagsmarkt auf den St. Mang-Platz, während der Mittwochsmarkt auf dem Hildegardplatz blieb. 1893 wurden dann beide Märkte endgültig auf dem Hildegardplatz zusammengelegt und ab 1907 in den Wintermonaten in die Halle des Kornhauses verlegt. Da die Stadtbevölkerung wegen der Industrialisierung stark anwuchs, konnten sich die Wochenmärkte bis 1914 gut entfalten.

Wochenmarkt Kempten
Der Wochenmarkt ist eine Institution in Kempten.
Bild: Ralf Lienert

Einen neuen Anfang nahm dann das bunte Markttreiben vor der Basilika nach dem Krieg erst wieder unter alliierter Besatzung, im Juli 1948. Die Stände der 25 Händler mit Beeren, Gemüse und Federvieh waren dicht umlagert und am Vormittag bereits ausverkauft.

Das ist heute weniger der Fall. Doch der Kundenstrom ist geblieben. Und für viele zählt der Kemptener Wochenmarkt zu den „schönsten im Allgäu“.