20 Jahre nach 9/11

"Ein bedrückendes Gefühl“: Wie sich Allgäuer und Redaktionsmitglieder an den 11. September erinnern

Der Anschlag auf das World Trade Center und der Pentagon am 11. September 2001 erschütterte die ganze Welt.

Der Anschlag auf das World Trade Center und der Pentagon am 11. September 2001 erschütterte die ganze Welt.

Bild: Hubert Bösl, dpa (Archivbild)

Der Anschlag auf das World Trade Center und der Pentagon am 11. September 2001 erschütterte die ganze Welt.

Bild: Hubert Bösl, dpa (Archivbild)

Der Anschlag vom 11. September 2001 hat auch Spuren in der Köpfen vieler Allgäuer hinterlassen. Wir haben auf der Straße und in der Redaktion nachfragt.
11.09.2021 | Stand: 08:14 Uhr

Beim Sport, am Arbeitsplatz oder auf der Couch – was sonst ganz normal erscheint, war es an diesem Tag nicht. Der Anschlag auf World Trade Center und Pentagon am 11. September 2001 hat Spuren in der gesamten Welt hinterlassen. Und auch in den Köpfen vieler Allgäuerinnen und Allgäuer. Wir haben in der Kemptener Innenstadt nachgefragt, wie sich Menschen aus der Region an „9/11“ erinnern.

Elke Puschmann, Unterthingau, 52: „Ich kann mich noch ganz genau erinnern, was ich an dem Tag gemacht habe. Ich war gerade dabei, meine Tochter zu stillen und habe nebenbei etwas fern gesehen. Als plötzlich die Nachricht kam, dass es einen Anschlag in New York gab, hat mich das völlig aus der Bahn geworfen. Ich war zu dieser Zeit Flugbegleiterin und in großer Sorge, dass einige meiner Kollegen betroffen sein könnten.“

Elke Puschmann
Elke Puschmann
Bild: Wiedemann Laura

Vor dem Fernseher oder auf der Arbeit: Die Nachricht aus New York sprach sich 2001 schnell rum

Erna Heide, Kempten, 83: „Etwa ein Jahr vor dem Anschlag auf das World Trade Center war ich für einen Urlaub in New York. Die Geschehnisse am 11. September 2001 habe ich im Fernsehen verfolgt. Dass so viele unschuldige Menschen gestorben sind und dem so ausgeliefert waren, hat mich sehr mitgenommen.“

Erna Heide
Erna Heide
Bild: Wiedemann Laura

Guido Bayer, Kempten, 50: „Am Anfang wusste ich gar nicht, was los ist. Ein Kollege hat mir erzählt, dass etwas Schlimmes in den USA passiert ist. Als ich abends nach Hause kam, habe ich sofort die Nachrichten eingeschaltet. Wie sehr 9/11 die Welt verändert hat, habe ich so richtig bei meinem nächsten Flug gespürt, weil es mehr Kontrollen gab.“

Guido Bayer
Guido Bayer
Bild: Wiedemann Laura

Erster Schultag und Fußballspiel: So erinnern sich Allgäuer an 9/11

Barbara Gläser, Waltenhofen, 56: „Mein Sohn hatte am 11. September 2001 seinen ersten Schultag. Am Nachmittag haben wir mit der Familie zusammen gesessen. Doch die gute Laune ist uns schnell vergangen, als wir die Nachrichten gehört hatten. Im Fernsehen haben wir dann gemeinsam verfolgt, was in New York passiert ist.“

Barbara Gläser
Barbara Gläser
Bild: Wiedemann Laura

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Angelika Stockinger, Waltenhofen, 57: „Als ich mit meinen drei Kindern am Nachmittag auf dem Fußballplatz war, haben sich die Nachrichten aus New York rumgesprochen. Zu Hause haben wir dann den Fernseher eingeschaltet. Hätte ich gewusst, wie grausam die Bilder sind, hätte ich es meinen Kindern wohl nicht gezeigt.“

Angelika Stockinger
Angelika Stockinger
Bild: Wiedemann Laura

Richard Ernst, Memmingen, 76: „Ich wusste: Jetzt ist etwas passiert, das die gesamte Weltpolitik betrifft. In den Spätnachrichten habe ich das erste Mal von dem Anschlag in New York gehört und war zutiefst betroffen.“

Richard Ernst
Richard Ernst
Bild: Wiedemann Laura

Aufregung vor dem Radio: So erlebten AZ-Redaktionsmitglieder 9/11

Wahrscheinlich hat jeder, der damals alt genug war, noch heute die Bilder vom 11. September 2001 vor Augen. Unsere Redaktionsmitglieder erinnern sich genau an den Terroranschlag vor 20 Jahren:

Bastian Hörmann, 32: Damals war ich erst zwölf Jahre alt. Ich erinnere mich, dass ich an dem Nachmittag in meinem Zimmer auf dem Teppich saß und Lieder, die im Radio liefen, auf Kassette aufnahm. So entstanden damals Playlists – lange bevor es Spotify und Co gab. In den Nachrichten hörte ich immer wieder von den Ereignissen in New York City. Ich konnte sie damals aber nicht einordnen. Dann ging die Tür auf und meine Mutter rief: Komm schnell, schau, was passiert ist! Ich sagte nur: Ich weiß schon, hab’s im Radio gehört. Als ich dann die Bilder im Fernsehen sah, wurde mir allerdings schnell klar, was das wirklich bedeutete.

Sebastian Hörmann
Sebastian Hörmann
Bild: Bastian Hoermann

Kerstin Schellhorn, 37: Die Bilder der qualmenden Twin-Towers sah ich an diesem Tag erst spät. Ich besuchte die zwölfte Klasse und befand mich mit meiner Stufe auf Holland-Studienfahrt. Wir segelten übers Ijssel-Meer – irgendwann am Nachmittag waren wir an Land. Wie der Ort hieß, weiß ich nicht mehr. Wohl aber, dass ein Freund sagte, Flugzeuge seien ins World Trade Center in New York geflogen. Handys mit Highspeed-Internetverbindung gab es noch nicht. Also drückten wir uns an einem Schaufenster, hinter dem ein Fernseher mit eingeschalteten Nachrichten stand, die Nase platt. Es war ein bedrückendes Gefühl. Hieß das jetzt Krieg? Sofort spekulierten wir wild, wer hinter dem Angriff stecken könnte.

Kerstin Schellhorn
Kerstin Schellhorn
Bild: Ralf Lienert

So war der Nachmittag am 11. September 2001 in der AZ-Redaktion

Ralf Lienert, 58: Als die erste Radio-Meldung kam, dass ein Flugzeug ins World-Trade-Center gestürzt sei, war ich auf dem Weg in die Redaktion. Ich wollte sofort mehr wissen, schaltete im Konferenzraum den Fernseher ein und erlebte einen Nachmittag, der sich wie bei allen anwesenden Kollegen ins Gedächtnis gebrannt hat. Wir waren alle so gefangen von den Ereignissen, dass wir erst einmal gar nicht daran dachten, dieses Ereignis aus lokaler Sicht in der Stadt zu dokumentieren. Zehn Jahre danach reiste ich nach New York, um den Ort zu erleben, an dem fast 3000 Menschen starben. Dabei habe ich bis heute das Lied „Only time“, vermischt mit den verzweifelten Anrufen der eingeschlossenen Menschen, im Ohr.

Ralf Lienert
Ralf Lienert
Bild: Ralf Lienert

Matthias Becker, 48: Ja, auch ich weiß noch genau, wo und wie ich diesen Tag erlebte. Ich hatte in Freiburg mein Examen gemacht und gerade einen Job an der Uni. Nachmittags kam ich in unsere Studenten-WG und fand – wie so oft – meine Mitbewohner und Freunde auf dem Sofa vor dem Fernseher. In diesem liefen gerade die Bilder der brennenden Türme. Ich dachte im ersten Moment ernsthaft, sie schauen sich irgendeinen Hollywood-Streifen an. Bis sie mich aufklärten, was in New York und im Pentagon passiert war. Wir alle saßen stundenlang verstört vor dem Fernseher. So ernst und bedrückend war es nie wieder in unserer Studenten-WG.

Matthias Becker
Matthias Becker
Bild: Matthias Becker

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