Bundestagswahl 2021

„Ein radikaler Kurswechsel“ - Junge Kemptenerinnen und Oberallgäuer sprechen über ihre Vorstellungen von Politik

Vor einer Podiumsdiskussion im Küstlercafé in Kempten hat unsere Redaktion mit jungen Menschen über ihre Wünsche an die Politik gesprochen.

Vor einer Podiumsdiskussion im Küstlercafé in Kempten hat unsere Redaktion mit jungen Menschen über ihre Wünsche an die Politik gesprochen.

Bild: Ralf Lienert

Vor einer Podiumsdiskussion im Küstlercafé in Kempten hat unsere Redaktion mit jungen Menschen über ihre Wünsche an die Politik gesprochen.

Bild: Ralf Lienert

Sechs junge Menschen sprechen darüber, was sie von der Politik fordern. Daraus ist zu hören: Sie wollen Themen der Zukunft im Jetzt sehen.
17.09.2021 | Stand: 18:32 Uhr

Kempten Das ist nicht einfach Weltschmerz, der junge Menschen derzeit umtreibt. Große Themen wie Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit sind das, was junge Wählerinnen und Wähler von der Politik als Kernanliegen erwarten. Sechs Oberallgäuerinnen und Kemptener zwischen 18 und 23 Jahren haben unserer Zeitung erklärt, was die neue Regierung anders machen muss und welche Themen ihnen zur Bundestagswahl am 26. September am wichtigsten sind.

Dabei war kein Begriff öfter zu hören als „Klima“. Maja Koemstedt verweist auf die Erderwärmung. Um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, „muss schnell etwas getan werden“, sagt die Kemptenerin. Theresa Jörg ist überzeugt, „dass die Konsumentinnen und Konsumenten den Klimaschutz in der Hand haben“. Eigenverantwortung reicht ihr aber nicht aus. „Die Regierung muss klar vorgeben, was künftig geht und was nicht“, sagt die 19-jährige Duracherin. Das sei auch deshalb nötig, weil Teile der Bevölkerung nicht genug über den Klimawandel wüssten.

Maja Koemstedt aus Kempten ist Erstwählerin.
Maja Koemstedt aus Kempten ist Erstwählerin.
Bild: Daniel Boscariol

Sie und ihre 23-jährige Schwester Magdalena hoffen zudem, dass zur Bundestagswahl feministische Themen weiter in die Mitte der Gesellschaft rücken. „Grundsätzlich muss Gleichberechtigung aller Geschlechter besser im Gesetz verankert sein“, sagt Magdalena Jörg. Mobilität ist ebenso ein viel genanntes Thema. Felix Jaumann hofft, dass die Politik das Zugfahren weiterentwickelt und dort für günstigere Tickets sorgt. „Ich bin Student, das geht ins Geld“, sagt der 20-Jährige. Er habe einige Bekannte, die deshalb lieber mit dem Auto fahren.

Mara Niedermeier aus Wiggensbach ist Erstwählerin.
Mara Niedermeier aus Wiggensbach ist Erstwählerin.
Bild: Daniel Boscariol

Auch Maja Koemstedt beschäftigt die Mobilität. Sie fordert, dass der öffentliche Verkehr attraktiver wird, sprich: günstigere Tickets für Busse, die häufiger fahren. Gerade in den Städten seien gut ausgebaute, sichere Radwege nötig. Sie vertritt zudem eine klare Meinung zur Autoindustrie: „Die Politik unterstützt diese Branche viel zu stark.“ Autobauer würden eine Sonderstellung genießen durch den Lobbyismus, „der deutlich reduziert werden muss“, sagt sie.

Simon Koch aus Kempten ist Erstwähler.
Simon Koch aus Kempten ist Erstwähler.
Bild: Daniel Boscariol

Felix Jaumann wünscht sich Veränderung in der grundsätzlichen Ausrichtung von Politik. „Es soll in erster Linie um die großen Zukunftsthemen gehen“, fordert der Sulzberger. „Die Regierung darf nicht mehr von Legislatur zu Legislatur handeln, sondern muss sich jetzt um die Zukunft kümmern – beispielsweise unsere Rente und das Klima.“ Und: Jaumann hat den Eindruck, die Politik arbeite – nicht zuletzt für den Stimmenfang – im Interesse Älterer. Das Stichwort Rente greift auch Mara Niedermeier auf. „Vielen ist nicht bewusst, wie schlecht wir in dem Bereich dastehen“, sagt die Wiggensbacherin. Sie fordert deshalb einen „radikalen Kurswechsel in Bereichen wie Sozialpolitik“. Im Zuge dessen solle es neben einem Senken des Wahlalters eine soziale Wirtschaftsrevolution geben, in der junge Menschen mehr Beachtung finden.

Magdalena Jörg aus Durach ist Jungwählerin.
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Bild: Daniel Boscariol

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In der Wirtschaft müsste sich auch nach Ansicht von Simon Koch einiges ändern. Die Politik solle eine andere „volkswirtschaftliche Perspektive“ schaffen. „Ich habe einfach keine Lust mehr auf sparen, sparen, sparen.“, sagt der 20-Jährige und fragt: „Was kann die Regierung dafür tun, die Wirtschaft umzubauen?“

Felix Jaumann aus Sulzberg ist Erstwähler.
Felix Jaumann aus Sulzberg ist Erstwähler.
Bild: Daniel Boscariol

Eine Neuausrichtung erhoffen sich die Jugendlichen zudem in der Außenpolitik. Das machen sie an drei Punkten fest: Mara Niedermeier ist der Meinung, „es braucht eine solidarische EU-Außenpolitik“, in der kein Land Geflüchtete abschottet. Simon Koch fordert, Interventionspolitik wie in Afghanistan zu stoppen. Und Felix Jaumann ergänzt: „Wir sind die Moral-Supermacht mit dem Anspruch, Demokratie zu leben: Warum stellen wir dann wirtschaftspolitische Interessen vor diesen Anspruch wie zum Beispiel bei China?“

Theresa Jörg aus Durach wählt das erste Mal zu einer Bundestagswahl.
Theresa Jörg aus Durach wählt das erste Mal zu einer Bundestagswahl.
Bild: Daniel Boscariol

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