Oberallgäu

„Ein Rückschritt“

Das war praktisch: Je nachdem, wann der Unterricht nachmittags zu Ende war, konnten Schüler bislang entweder Bus oder Bahn für die Heimfahrt nutzen - und damit möglichst schnell nach Hause gelangen. Mit den Sommerferien allerdings endet dieses Angebot demnächst. Dann steht den Schülern nur noch eines der beiden Verkehrsmittel zur Verfügung.

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Von Bastian Hörmann
01.09.2019 | Stand: 16:12 Uhr

Ärgerlich ist das beispielsweise für Schüler aus Oy-Mittelberg. Ein Vater aus einem Ortsteil der Gemeinde hat sich an die Allgäuer Zeitung gewandt. Bisher seien seine Kinder je nach Schulschluss mit dem Bus gefahren – und dadurch etwa nach der achten Schulstunde nur halb so lang unterwegs gewesen wie zur selben Tageszeit mit der Bahn. Das wäre künftig nicht mehr möglich. Das beinträchtige einerseits die Nutzung von schulischen Zusatzangeboten an Nachmittagen, fürchtet der Vater. Außerdem hätten Kinder weniger Zeit, um sich im Heimatort in Vereinen zu engagieren.

Hintergrund für die Änderung ist: Die „Regionalbus Augsburg GmbH“, mit der die hiesige Busgesellschaft Mona zusammenarbeitet, hat den Vertrag mit der Bahn, der dem bisherigen Angebot zugrunde lag, gekündigt. Sie begründet das so: Die Einnahmen aus den Fahrkarten hätten die Kosten zur Vorhaltung des Busangebots auf den meisten Linien „bei Weitem nicht mehr gedeckt“.

Daran habe auch das Landratsamt nichts ändern können, nun müsse sich die Behörde auf die neue Situation einstellen, erfuhr der Oy-Mittelberger Vater in einem Schreiben aus Sonthofen. Dieses Kombi-Angebot nutzten im vergangenen Schuljahr laut Landratsamt im Oberallgäu 403 Schüler aus Oy-Mittelberg, Dietmannsried und Oberstaufen.

Weil es das ab dem neuen Schuljahr nicht mehr gibt, sei folgende Lösung ausgearbeitet worden, sagt Landratsamtssprecher Andreas Kaenders: Auf den Strecken Oy-Kempten und Oberstaufen-Immenstadt können Schüler künftig mit der Bahn fahren, diese sei schneller und fahre häufiger als der Bus. Zwischen Dietmannsried und Kempten werden die Schulen direkt mit dem Bus angefahren. Die Schüler dort konnten laut Kaenders selbst entscheiden, ob sie ein Ticket für den Bus oder die Bahn wünschen. Zudem werden die Abfahrtszeiten nach der sechsten Stunde an den Schulschluss angepasst und zehn Minuten früher gelegt, die Buskapazitäten werden aufgestockt. Auf die Frage, warum der Landkreis den Schülern nicht selbst ein Busticket zusätzlich zum Bahnticket anbiete, sagt Kaenders: „Die Kosten wären doppelt so hoch.“

Dem Vater aus Oy-Mittelberg teilte das Landratsamt zudem mit, dass alle Schüler eine Monatskarte für die Stadt Kempten erhalten, um vom Bahnhof Kempten per Bus zur Schule zu gelangen. Im Fall der Oy-Mittelberger Familie bittet das Amt den Vater, die Schulzeiten der betroffenen Kinder mitzuteilen. Dann könne der Oyer Schulbus entsprechend getaktet werden, um die Kinder nachmittags vom Bahnhof zu ihrem Ortsteil zu bringen. Bis dahin würden den Eltern die Spritkosten erstattet.

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Die Gemeinden haben sich gegen die Abschaffung des Kombi-Tickets „vehement“ eingesetzt, heißt es etwa in einer Mitteilung aus dem Dietmannsrieder Rathaus. Die Veränderung sei eine „wesentliche Verschlechterung“ für die Schüler der fortführenden Schulen in Kempten, aber auch ein „Rückschritt“ im Hinblick auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Man hoffe, der „Missstand“ sei nur von kurzer Dauer.

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