Justiz

Einbrecher will zocken und macht auch vor Schulen nicht Halt

Weil er trotz Konkaktverbots mehrfach seine Ex-Frau angerufen hatte, stand ein Ostallgäuer nun vor Gericht.

Weil er versuchte in Schulen, eine Heilpraktiker-Akademie und eine Anwaltskanzlei einzubrechen, wurde ein Mann zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Bild: stock.adobe.com (Symbolfoto)

Weil er versuchte in Schulen, eine Heilpraktiker-Akademie und eine Anwaltskanzlei einzubrechen, wurde ein Mann zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

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Auf der Suche nach etwas Verwertbarem richtet der 29-Jährige 3.000 Euro Schaden an. Der Staatsanwalt spricht von einer "enormen Rückfallgeschwindigkeit".

Von Frederick Mersi
26.06.2020 | Stand: 12:07 Uhr

Erst die Volkshochschule, dann eine Ganztagsschule und schließlich noch eine Heilpraktiker-Akademie und eine Anwaltskanzlei: Auf seiner erfolglosen Suche nach etwas Verwertbarem hat ein Einbrecher in Lindau einen Sachschaden von mehr als 3000 Euro angerichtet. Am Dienstag wurde ein Mann, der bereits wegen anderer Taten im Gefängnis sitzt, am Kemptener Amtsgericht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Damit müsste er fünf Monate länger im Gefängnis bleiben, als es die vergangenen Urteile vorsehen. Der 29-jährige Angeklagte hat keinen festen Wohnsitz: Vor seiner Haftstrafe reiste er als Schausteller mit seinem Wohnwagen auch durch die Region und machte bei verschiedenen Volksfesten Halt.

Richter bezeichnet Einbruchsversuche als "schäbig"

Richter Sebastian Kühn bezeichnete während des Prozesses in Kempten vor allem die Einbruchsversuche bei der Volkshochschule und einer privaten Ganztagsschule im November 2019 als „schäbig“: „Diese Einrichtungen sind nicht auf Profit ausgelegt.“ Das Einzige, das für den Angeklagten spreche, sei sein Geständnis während der Ermittlungen.

29-Jähriger beging während Bewährung weitere Taten

Mit dem Strafmaß folgte Richter Kühn dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die vor allem auf das lange Vorstrafenregister des Angeklagten hinwies. Immer wieder brach der Mann als Teil einer Bande und auf eigene Faust ein, um etwas von Wert zu stehlen – unter anderem in Kindergärten, eine Autowerkstatt und ein Vereinsheim. Als der Rest einer Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, beging der 29-Jährige weitere Taten.

„Die Zeit im Gefängnis hat wohl keinerlei Eindruck auf Sie hinterlassen“, sagte die Staatsanwältin angesichts der „enormen Rückfallgeschwindigkeit“. Der Mann zeige keinen Respekt vor der Rechtsordnung. In Lindau habe er Geld „zum Zocken“ gesucht, weil er keins mehr gehabt habe, sagte der Mann vor Gericht.

Verteidiger: Mandant will nach Haftverbüßung neues Leben beginnen

Die Taten gestand er, ohne zu zögern, mit einem einfachen „Ich war’s“. Er gab ebenfalls zu, im Oktober zum wiederholten Mal Auto gefahren zu sein, obwohl er nie den Führerschein gemacht hat.

Sein Mandant wolle jetzt mit der Gefängnisstrafe einen Abschluss finden, sagte sein Verteidiger. „Er will nach der Haftverbüßung ein neues Leben beginnen.“ Dann wolle er sich auch von der Rädelsführerin der Bande fernhalten, die ihn in der Vergangenheit zu einigen seiner Einbrüche bewegt hatte. Ob der Mann diesen Ankündigungen Taten folgen lässt, bleibt abzuwarten. Bis er erneut versuchen kann, sich zu bewähren, muss sich der 29-Jährige jetzt aber wohl noch einige Zeit gedulden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.