Theater-Premiere

Eine Ente mit Damenhut entzückt die Zuschauer im Theater Kempten

Peter und der Wolf

Da schaut die Ente noch ganz lebendig, bald verschlingt sie aber der Wolf: Roman Just spielt in dem Kindertheaterstück mit Musik alle Rollen.

Bild: Peter Hausner

Da schaut die Ente noch ganz lebendig, bald verschlingt sie aber der Wolf: Roman Just spielt in dem Kindertheaterstück mit Musik alle Rollen.

Bild: Peter Hausner

Die zweisprachige Version von Prokofjews „Peter und der Wolf“ bereitet Kindern und Erwachsenen großes Vergnügen. Dafür sorgt vor allem Schauspieler Roman Just.
08.10.2021 | Stand: 17:48 Uhr

Mit der Premiere des Kindertheaterstücks „Peter und der Wolf“ möchte das Theater in Kempten ein Zeichen setzen, dass „Familien wieder im Vordergrund stehen müssen, speziell nach und in diesen schwierigen Zeiten, in denen vor allem die Kinder und Familien eine schwere Last tragen“. Die Inszenierung des musikalischen Märchens nach Sergei Prokofjew in deutscher und russischer Sprache ist zudem ein Angebot zur Integration, wobei auch die Besetzung der Eigenproduktion Multikultur spiegelt: Die in Kempten und Würzburg lebende russisch-ukrainische Pianistin Nataliya Tkachenko ist für die musikalische Gestaltung verantwortlich – wie schon in anderen Kindertheaterstücken. Für Prokofjews „Peter und der Wolf“ spielt sie live die Klavierfassung, die der Komponist 1936 ausprobierte, um die Wirkung der Leitmotive seiner Programmmusik auf Kinder zu testen. Mit gewohnter Brillanz und klarer Ausdruckskraft spielt sie die Motive, die die Tiere sowie Peter und den Großvater charakterisieren.

Gefühlvolles Spiel: Nataliya Tkachenko am Theaterflügel.
Gefühlvolles Spiel: Nataliya Tkachenko am Theaterflügel.
Bild: Peter Hausner

Schauspieler Roman Just ist in Kasachstan aufgewachsen

Dargestellt wird die Geschichte des Musikmärchens in der Regie von Sylvia Armbruster und Johannes Lang von nur einem Schauspieler, der auch einen Migrationshintergrund hat. Roman Just ist in Kasachstan aufgewachsen und kam mit neun Jahren nach Deutschland. Ab 2007 lebte er mit seinen Eltern in Kempten und machte am Allgäu-Gymnasium Abitur. Nun studiert der 27-Jährige Schauspiel an der Musik- und Kunstuniversität der Stadt Wien. Seine Zweisprachigkeit, Wendigkeit und körperliche Ausdrucksstärke machen ihn zur idealen Besetzung. Er wechselt fließend zwischen den beiden Sprachen Deutsch und Russisch hin und her und verkörpert sowohl den Erzähler, als auch die Tiere und Menschen mit schweißtreibender, ausgefeilter Körperlichkeit. Besonderes Entzücken ruft er bei den Kindern als schnatternde Ente hervor, wenn er im bunten Damenhut und mit pinken Armreifen aus Tüll zum Schwimmen watschelt. Ergänzt wird die temporeiche Inszenierung wie schon in früheren Familienstücken mit Zeichnungen aus der Feder von Wolfgang Steinmeyer. Seine Zeichnungen werden auf eine Leinwand projiziert, die zusammen mit einem weiß verhängten, tischhohen Podest das Bühnenbild (Michael S. Kraus) ausmacht.

Viele Bravos und begeisterter Applaus von den Kindern und ihren Eltern

Für den Humor und die Liebenswürdigkeit der Inszenierung gab es von Kindern und Eltern im voll besetzten Theater-Oben viele Bravos und begeisterten Applaus. Die Leichtigkeit, mit der Sprachen und Kulturen ineinanderfließen, ist gelungen und verlangt nach mehr. Ob die Ente, die der böse Wolf mit einem Happen verschlungen hatte und bis zum Ende der Geschichte in seinem Bauch ausharren musste, auch begeistert ist, erfährt der Zuschauer erst ganz zum Schluss. So viel sei von der fantasievollen Pointe verraten: Der Ente geht es gut.

Nur noch wenige Karten für die weiteren Aufführungen

Weitere Aufführungen am 9. und 10. Oktober jeweils um 15 und 17 Uhr. Wer Karten möchte, muss schnell zugreifen, es gibt nur noch wenige (zu haben unter Telefon 0831/870 23 23 und online unter theaterinkempten.de).

Gabler-Stiftung Obergünzburg würdigt das Engagement des Theaters in Kempten mit Preis

Bei der Premiere von „Peter und der Wolf“ wurde das Theater in Kempten von der Gabler-Stiftung aus Obergünzburg für seine generationen- und kulturübergreifende Inszenierung prämiert. Fritz Gabler überreichte die mit 4000 Euro dotierte Auszeichnung an Regisseur Johannes Lang und beglückwünschte das Theater. „Das Strahlen in den Augen der Kinder und ihr lebhafter Applaus zeigen, wie wichtig der Austausch der Kulturen ist, und wie gut das Theater solche Brücken bauen kann“, sagte er.

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