Auch Allgäuer Waldbesitzer betroffen

Eine Prämie für Klimaschutz im Wald

Hugo Wirthensohn, Vorsitzender Waldvereinigung Kempten

Hugo Wirthensohn, Vorsitzender Waldvereinigung Kempten

Bild: Frederick Mersi

Hugo Wirthensohn, Vorsitzender Waldvereinigung Kempten

Bild: Frederick Mersi

Die Regierung will den Waldumbau beschleunigen und lockt mit einer Prämie. So schätzt der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung das ein.
Von Frederick Mersi
09.01.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Altusried Hugo Wirthensohn liebt es, im Wald zu stehen. „Es ist ein wunderbares Medium, um sich auszutoben“, sagt der 62-Jährige. Seit 1983 kümmert er sich um 2,3 Hektar Wald im idyllischen Rohrachtal westlich von Altusried – und hat dort viel verändert. „Aber diese Dauer ist im Wald ein Fliegenschiss“, sagt Wirthensohn. „Die Veränderungen geschehen sehr langsam.“

Angesichts des Klimawandels will die Bundesregierung nachhaltigen Waldumbau aber möglichst beschleunigen. Deshalb erhalten private Waldbesitzer wie Hugo Wirthensohn eine Prämie für nachhaltigen Waldumbau: 100 Euro pro Hektar. Eine halbe Milliarde Euro stellt das Bundesministerium für Landwirtschaft dafür bereit. Allein in Kempten und Umgebung könnten davon etwa 1000 private Waldbesitzer profitieren, sagt Wirthensohn. Er ist Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kempten Stadt und Land. „Ich selbst bekomme 230 Euro als Prämie“, rechnet Wirthensohn vor. „Damit macht man nicht allzu viel, aber für die Großen ist das hochinteressant.“

So bekommen Waldbesitzer Geld

Um das Geld zu erhalten, müssen Waldbesitzer mit mindestens einem Hektar diesen durch eine von zwei Institutionen zertifizieren lassen. Zum einen gibt es das von Umweltorganisationen ins Leben gerufene „Forest Stewardship Council“ (FSC), zum anderen das „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ (PESC). Den Antrag auf die Prämie können Waldbesitzer dann im Internet stellen.

Bei der Bearbeitung der Anträge rechnet Wirthensohn aber mit Verzögerungen. „Man muss später alle Unterlagen per Post einreichen“, sagt Wirthensohn, der seinen Antrag bereits gestellt hat. „Wenn das rund zwei Millionen private Waldbesitzer in Deutschland machen – was glauben Sie, was dann bei der zuständigen Behörde los ist?“ Seine 2,3 Hektar Wald hat Wirthensohn schon zertifizieren lassen. Wer das noch nicht getan hat, kann die Waldprämie aber ebenso beantragen und das Zertifikat nachreichen. „Die Zertifizierung kostet aber mehrere Hundert Euro“, sagt Wirthensohn. Er wirbt deshalb für einen Eintritt privater Waldbesitzer in die WBV, die Sammel-Zertifizierungen anbietet.

Wie eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels aussehen kann, zeigt Wirthensohn im Rohrachtal. „Ich habe den Fichtenwald in einen Mischwald umgebaut“, sagt er. „Jetzt sind auch Esskastanien dabei, die besonders klimafest sind.“ Durch den Mischwald fällt mehr Licht auf den Waldboden, was das Nachwachsen weiterer Bäume erlaubt. Um diese Veränderungen müsse man aber beim Waldumbau viel Geduld mitbringen.

Waldprämie ist „ein wichtiges Zeichen“

„Die Waldprämie ist dabei aber ein wichtiges Zeichen“, betont Wirthensohn. „Geld funktioniert immer noch als Motivationshilfe.“ Dass der Klimawandel Veränderungen im Wald nötig macht, daran habe er keine Zweifel: „Wir sehen die Veränderungen längst.“

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums hat extremer Wassermangel seit 2018 deutschlandweit 285 000 Hektar Wald so vertrocknen lassen, dass sie wieder aufgeforstet werden müssen. Dazu kamen Schäden durch Stürme und Waldbrände. „Verglichen mit anderen Regionen ist bei uns hier im Allgäu noch heile Welt“, sagt Hugo Wirthensohn. Um die zu bewahren, sei ein Waldumbau aber unumgänglich.

Mehr Infos zur Waldprämie unter www.bundeswaldpraemie.de